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Veröffentlicht: 11.11.2012, 08:00 Uhr

Schloss Salem Orientierungsjahr im Elite-Internat

Abiturienten können sich demnächst in Schloss Salem ein Jahr lang auf das Studium vorbereiten - und sie tunlichst vor einem Scheitern an der Universität bewahren. Das kostet 20.000 Euro.

von Birgitta vom Lehn
© Fricke, Helmut Teures Orientierungsjahr: Das Internat Schloss Salem bietet eine neue Möglichkeit für den Übergang von der Schule zur Hochschule.

Das Elite-Internat Schloss Salem will ab dem Schuljahr 2013/14 Abiturienten in einer universitären Akademie auf das Studium vorbereiten. Das hat der Trägerverein kürzlich beschlossen. Damit reagiert man am Bodensee auf eine Entwicklung, über die auch anderswo heftig diskutiert wird: Die Abiturienten werden mehr, und sie werden immer jünger. Ihre fachlichen Vorkenntnisse sind aber dürftiger, wodurch die Gefahr steigt, im Studium zu scheitern.

Der bayerische Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) hat deshalb vorgeschlagen, ein „Semester Generale“ vor den Beginn des Studiums zu schalten. Darin sollen sich die Abiturienten einen Überblick über die verschiedenen Studiengänge verschaffen. Auch könnten sie so in einigen Fächern - etwa Mathematik und Naturwissenschaften - fit gemacht werden, falls sie an der Schule keinen Schwerpunkt darin hatten. An der Technischen Universität München gibt es schon ein ganzjähriges „Studium Naturale“, und die private Bremer Jacobs Universität bietet ein „Foundation Year“ an.

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Man müsse zwischen Hochschulberechtigung und Hochschulbefähigung unterscheiden, sagt Robert Leicht, Vorstands- und Aufsichtsratschef des Salemer Trägervereins und langjähriger Chefredakteur der „ Zeit“. Die hohe Abiturquote könne nicht ohne Folge bleiben. „Die Abbrecherquoten an den Unis sind irrsinnig.“

Vor diesem Hintergrund habe man sich die Frage gestellt: Was würde der Erlebnispädagoge Kurt Hahn, einer der Gründer von Salem, heute tun? So sei man auf die Idee gekommen, ein Orientierungsjahr anzubieten, das allen Abiturienten - nicht nur denen aus Salem - offenstehe. Curriculum samt Personal soll aus den Hochschulen stammen - wohl wissend, dass es dort viele Jungwissenschaftler gibt, die sich in Warteschleifen auf eine (Junior-)Professur befinden. Es handle sich keineswegs um ein fachbezogenes Vorstudienjahr, betont Leicht. Vielmehr solle es „interdisziplinäre Projektstudien“ geben.

„Kein Rumtrödeln“

Vorstellbar seien zum Beispiel Recherche-Reisen zum Thema Klimawandel, die in osteuropäische Länder führten, wo sich die Teilnehmer mit ethnischen und ökologischen Fragen beschäftigten. Das Orientierungsjahr biete auch eine Alternative für die beliebten Auslandsaufenthalte à la Work & Travel, glaubt Leicht. „Allerdings müssen die Abiturienten bereit sein, sich in die Internatsdisziplin einzubinden. Bei uns gibt es kein Rumtrödeln.“

Mehrtägige Wildnis-Erfahrungen, die auch Salem-Schüler durchleben müssen, werden auch für die Akademie-Studenten auf dem Programm stehen. Daneben sollen Selbstfindungstests persönliche Charakterzüge verdeutlichen. „Es ist für die Berufswahl hilfreich, zu wissen, ob man ein Leader oder ein Harmonisierer ist“, erklärt Leicht.

20.000 Euro Kosten

Ganz billig wird das nicht werden: Rund 20.000 Euro soll das Jahr kosten. „Wir wollen keine soziale Exklusivität und nicht nur Hochbegabte, sondern motivierte junge Leute“, sagt Leicht. Stipendien werde es deshalb auch geben.

Ein Weg, der bundesweit Schule machen könnte? Aloys Krieg, Prorektor für Lehre an der Technischen Hochschule Aachen, sieht das eher kritisch. „Wir müssen zwar Übergänge schaffen und uns auf die größere Heterogenität der Studenten einstellen. Aber da muss die Politik aktiv werden.“ Ein derart teures Angebot wie in Salem sei „gesellschaftlich nicht vertretbar“. Krieg schwebt eher ein zusätzliches Jahr an der Hochschule vor dem eigentlichen Studienbeginn vor. Darin könnten Abiturienten ihre fachlichen Defizite aufarbeiten und sich selbst prüfen, ob das Fach zu ihnen passt.

Quelle: F.A.Z.

 

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