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Sampling als Studienfach : „Ein klingender Lichtstrahl“

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Staatlich geprüfter DJ? Nicht ganz. Aber Sampling kann man neuerdings immerhin in einem Seminar an der Leuphana-Universität in Lüneburg studieren. Bild: Fiechter, Fabian

Nicht nur klassische Instrumente, sondern auch die DJ-Kunst steht auf Lehrplänen mancher Universitäten. Ein Interview mit den Lüneburger Dozenten Malte Pelleter und Falk Schacht.

          Herr Pelleter, Sie wollen Studenten im Wintersemester Sampling in einem Bachelor-Seminar an der Leuphana Universität erklären. Das bedeutet, aus alten Liedern Teile zu benutzen, um neue zu basteln. Dazu haben Sie sich mit Falk Schacht einen prominenten Gast aus der Hip-Hop-Szene geholt. Doch alleine die Literaturliste umfasst 25 Bücher. Bleibt da Zeit zum Samplen?

          Schacht: Die Liste ist eine Anregung. Wer interessiert ist, kann hier sein Wissen vertiefen. Es ist aber keine Pflicht, alle Bücher gelesen zu haben. Der Kurs wird sehr praktisch orientiert sein. Das heißt, wir samplen zusammen im Uni-Seminar. Es gibt dafür ein eigenes Studio. Die Studenten sollen auch selbst Tracks produzieren.

          Müssen die Studenten der Kulturwissenschaft als Prüfungsleistung Samples erkennen? Eine Hausarbeit schreiben?

          Schacht: Samples raten ist nicht Teil des Kurses. Wir wissen ja nicht, mit welchem Vorwissen die Studenten in den Kurs kommen, und Samples raten setzt jahrelanges Training voraus. Unser Ansatz wird mit Experten, aber auch mit Neulingen funktionieren.

          Malte Pelleter.

          Pelleter: Man kann gerade für Hausarbeiten viel von gelungenem Sampling lernen. Auch dabei geht es darum, irgendwo vorhandene Ideen zu finden, sie so zurechtzustutzen und zu kombinieren, dass am Ende ein interessantes Fazit dabei herumkommt. Wie die Prüfungsleistung aussieht, müssen wir uns noch überlegen.

          Sampling als Universitätsstoff - gab es das überhaupt schon mal?

          Pelleter: Sampling ist durchaus schon seit einiger Zeit in den Kulturwissenschaften ein Thema. Und das nicht nur im Bereich von Musik. Gerade der Netzkultur-Hype hat etwa in den letzten Jahren die Debatte um verwandte Begriffe wie Remixing und Mashups, also neue Videos aus alten zu bauen, noch mal befeuert. Die etablierte Musikwissenschaft gibt sich traditionell eher bieder. Ich glaube, dass unsere Kombination von praktischem Ausprobieren und kulturtheoretischer Reflexion das Ganze noch mal spannend zuspitzt. Und dazu haben wir noch das wandelnde Hip-Hop-Lexikon Falk.

          Wie hat sich das Sampling eigentlich entwickelt? Wurde früher im Hiphop mehr gesampled als heute?

          Schacht: Fakt ist, dass es möglich ist, ausschließlich neue Rap-Musik zu hören, die nur auf Samples basiert. Und genauso ist es möglich, ausschließlich Rap-Musik zu hören, die nur ohne Samples produziert wurde. Rap-Musik, die auf Samples basiert, findet weniger im Mainstream statt. Das könnte mit der Rechtsprechung zusammenhängen, den Urheberrechten und den daraus resultierenden Kosten für Samples.

          Pelleter: Hip-Hop hat das Sampling erst popmusikfähig gemacht. In den 80er Jahren wurden Sampler vor allem damit beworben, günstig Orchesterinstrumente simulieren zu können. So konnte man seine schnulzige Ballade mit ordentlichen Streichern versehen, ohne die Musiker dafür zu bezahlen. So wird Sampling auch heute noch ständig unbemerkt verwendet. Im Hip-Hop wurde das so verfeinert, dass man hört, dass gesampled wird.

          Im Popradio hört man noch heute wie wichtig die Hip-Hop-Ästhetik in den vergangenen 30 Jahren für die Popmusik war. Was bringt diese Art des Remixing der Musikkultur?

          Falk Schacht.

          Schacht: Durch Sampling und Remixing können Klänge zurückgebracht werden, die der Großteil der Menschen vergessen oder gar nicht gekannt hat. So hat Moby Aufnahmen aus den dreißiger Jahren gesampled, das kannte vorher kaum einer. Sampling wirft so etwas wie einen klangarchäologischen Lichtstrahl auf diese Zeit. Es entsteht ein neues popkulturelles Interesse an der Zeit und ihren Personen.

          Malte Pelleter ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Falk Schacht ist Lehrbeauftragter an der Leuphana Universität in Lüneburg.

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