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Roboter-WM : Nürnberger Studierende holen Titel wieder nach Deutschland

Beim Robocup werden die Roboter auf Herz und Nieren geprüft. Bild: dpa

Während die deutschen Nationalfußballer schwächelten, erreichte ein studentisches Team der Technischen Hochschule Nürnberg bei der Roboter-WM abermals den ersten Platz.

          Die Nachricht scheint auf den ersten Blick in die Zeit zu passen – eine Roboter-WM in Montreal, das hört sich so ähnlich an wie Fußball-WM in Russland, nur technischer. Und doch gibt es einen gewaltigen Unterschied. Denn aus Kanada wurde ein deutscher Triumph gemeldet, davon waren Kroos, Khedira und Co. bekanntlich meilenweit entfernt. Die Technische Hochschule (TH) Nürnberg jedenfalls meldete, dass ein studentisches Team in Montreal beim sogenannten Robocup Platz 1 belegt und damit seinen Erfolg vom Robocup 2017 in Japan wiederholt habe. Dies bestätige die internationale Vorreiterrolle der TH in der mobilen Robotik. Und Stefan May, TH-Professor und Leiter des dortigen Labors für mobile Robotik, sagte in der Manier eines Bundestrainers, dass er stolz auf sein Team sei und dass sich der lange Atem in einer mehrjährigen Zusammenarbeit des Teams gelohnt habe. Aber was muss man eigentlich tun, um Roboter-Weltmeister zu werden?

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Robocup wurde populär als Wettkampfbühne für Roboter-Fußballmannschaften, ihre Spiele gegeneinander waren vor kurzem noch eine große Attraktion. Aber das hat sich etwas gelegt, denn dass die Roboter-Technik rasante Fortschritte macht, zeigt sich regelmäßig. Die Erfolgsmeldungen stapeln sich, ob nun in Wettbewerben Mensch gegen Roboter, Roboter gegen Roboter, an Hochschulen oder in der ganz praktischen Anwendung. In der Industrie zum Beispiel.

          Um industrielle Anwendungen ging es auch für die Nürnberger Titelträger. Es war eine von mehreren Kategorien. Allerdings eine wichtige, denn für die Fabrik der Zukunft ist die mobile Robotik von entscheidender Bedeutung. Das TH-Team musste einen Roboter entwickeln, ohne einen eigenen Roboter zu bauen: Ausgangspunkt für alle Teams war ein Modell des Augsburger Roboterherstellers Kuka namens Youbot, ein mobiler, einarmiger Hilfsroboter, wie er in der Industrie in stattlichen Zahlen zum Einsatz kommt. Zentrale Elemente wie die Greifer, der Hauptrechner, die Elektronik, das Netzwerk und die Software wurden von den Teams weiterentwickelt, so dass schließlich unterschiedliche Roboter im Wettkampf gegeneinander antraten.

          Die Transportroboter mussten selbständig in einem Parcours navigieren, Hindernissen ausweichen, die transportierten Teile erkennen und greifen – und zwar aus einer Auswahl diverser Objekte, die auf einem Tisch lagen und sich zum Teil bewegten. In einem nächsten Schritt mussten die kleinen Helfer die Objekte – zum Beispiel Schrauben oder Muttern – an einem anderen, definierten Ort ablegen, sie in farbige Boxen sortieren oder auch in Formen ablegen, die zum Objekt passen. Das alles sind klassische Arbeitsschritte aus der Logistikbranche. Königsdisziplinen sind das Erkennen und das präzise Greifen.

          Der Roboter der TH Nürnberg war in Sachen Stabilität und Zuverlässigkeit den anderen voraus. In nur einer von sieben Aufgaben wurde er von einem anderen Team geschlagen. Das wurde mit dem ersten Platz belohnt, vor der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, der iranischen Azad-Universität, den Universitäten Magdeburg und Hannover sowie der Polytechnischen Universität Singapur.

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