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Rhodes-Stipendium Gratis nach Oxford

 ·  Das Rhodes-Stipendium finanziert ein Oxford-Studium mit allem, was dazugehört. Sein Gründer ist sagenumwoben. Das Netzwerk hält bis heute.

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Die Liste der erfolgreichen Stipendiaten ist lang: Howard Florey, der das Antibiotikum Penicillin für die Massenproduktion tauglich machte, Staatsmänner wie Bill Clinton, Goldmedaillengewinner, Harvard-Professoren oder frühere Konzernchefs. Das Rhodes-Stipendium, das seit 1903 Hochbegabte nach Oxford führt, ist legendenumwoben. Eine Erzählung handelt von Bill Clintons erstem Joint. Clinton hat zwar in Oxford keinen Abschluss gemacht, soll aber dafür gegen den Vietnamkrieg protestiert und in dieser Zeit angeblich in der „Turf Tavern“ erste Erfahrungen mit Marihuana gemacht haben. Er habe es aber nur geraucht und nicht inhaliert, so die Legende.

Das Rhodes Scholarship ist das älteste Stipendienprogramm der Welt. Es ist das einzige, das Oxford „all inclusive“ ermöglicht. Ein Graduiertenstudium - Master oder Promotion - mit Übernahme der Studien- und College-Gebühren, des Lebensunterhalts sowie des Hin- und Rückflugs. Für viele wird ein Traum wahr: verstaubte Bücher in der Bodleian-Bibliothek verschlingen, mit schwarzem Talar an langen Tischen in den alten Dinner-Halls zu Abend essen, gegen die verhassten Cambridge-Studenten auf der Themse rudern; Pauken mit Harry-Potter-Atmosphäre.

Schon der Stifter ist sagenumwoben und voller Widersprüche. Der südafrikanische Philanthrop Cecil Rhodes, Pfarrersohn, Diamantenhändler, Imperialist und Wegbereiter der Apartheid - wie auch Visionär einer vereinten Weltgemeinschaft. Er hatte selbst in Oxford studiert. Um diese Zeit ranken sich Verschwörungstheorien: Rhodes war dort Freimaurer und gründete angeblich eine weltweite Geheimgesellschaft, aus der später etwa der einflussreiche Thinktank Council on Foreign Relations entstanden sein soll. Das ist umstritten, klar jedoch ist: Als er 1902 starb, war er einer der reichsten Männer seiner Zeit und hatte in seinem Testament ein Stipendienprogramm veranlasst, das junge Menschen, die bereit seien, „den Kampf der Welt zu kämpfen“, wie er es formulierte, nach Oxford bringen sollte. Demnach sollten die Stipendiaten nach Intellekt, Charakter, Führungsqualitäten sowie ihrem Einsatz für die Gesellschaft ausgewählt werden. „Rhodes Scholars sollen keine reinen Bücherwürmer sein“, sagt Mary Eaton von der Rhodes-Stiftung. Sportler sollten die Stipendiaten sein - und Männer. Erst nach Verabschiedung des Antidiskriminierungsaktes 1975 durften auch Frauen aufgenommen werden.

Rhodes’ Vision war es, die Commonwealth-Länder zu einer großen Weltgemeinschaft zusammenzuführen. Dass sich darauf überhaupt Deutsche bewerben dürfen, ist Kaiser Wilhelm II. zu verdanken: Er hatte Englisch zu einem Pflichtfach an deutschen Gymnasien gemacht, was Rhodes offenbar imponierte. Allerdings wurde Rhodes’ Wille, Stipendiaten nach ihrem Einsatz für das Allgemeinwohl auszuwählen, in Deutschland bis 1914 monarchisch interpretiert: Der Kaiser schickte in der Regel Stipendiaten aus seinem Dunstkreis. Späteren deutschen Stipendiaten kamen ambivalente Rollen in der Geschichte zu: Das waren Widerstandskämpfer aus der Nazi-Zeit wie Adam von Trott zu Solz oder auch ein Reichsfinanzminister unter Hitler, der das Ermächtigungsgesetz unterzeichnet hat.

80 Stipendiaten gibt es jedes Jahr

Jährlich werden etwa 80 angehende Stipendiaten aufgenommen. Vor allem in Amerika genießt es hohes Ansehen, allerdings sind auch die Bewerberzahlen von deutschen Aspiranten gestiegen. Deutschland darf zwei Stipendiaten pro Jahr senden. Die deutschen Bewerber müssen sich einem mehrstufigen Aufnahmeverfahren stellen und vor einer prominent besetzten Prüfungskommission bestehen. Zuletzt gab es für die zwei Plätze 70 Bewerber. Dem Auswahlkomitee gehören der Chemie-Nobelpreisträger Gerhard Ertl an, der Physiker und Astronaut Ulf Merbold und auch der Wirtschaftsethiker Nils Ole Oermann.

Oermann, selbst Rhodes-Alumnus, sagt, dass man „nicht nach Bewerbern suche, die Lebensläufe aus dem Windkanal haben“. Daher auch ein Astronaut in der Auswahlkommission: Die Bewerber müssten sich trauen, zum Mond zu fliegen. Ein aufgenommener Rhodes Scholar konnte einmal mit elf Bällen gleichzeitig jonglieren. Es gilt: Auffallen um fast jeden Preis. Denn akademisch sehr gute Studenten gibt es sehr viele.

Treffen und durchmischen

“Ich hatte das Gefühl, dass besonders breite Interessen wichtig sind“, erzählt Katharina Behr. Die 26-Jährige arbeitet als Rhodes-Stipendiatin an ihrer Promotion im Gebiet der Teilchenphysik. Sie selbst interessiert sich nicht nur dafür, sondern spielt auch Klarinette und Klavier - und hat schon ein paar Stipendienprogramme hinter sich. Als Stipendiatin der Stiftung Maximilianeum paukte sie auch schon vor Oxford in einem Schloss.

Sozialer Angelpunkt sind die monatlich stattfindenden „Meet and Mingles“. Zu Deutsch: treffen und durchmischen. Dort können die Stipendiaten sich austauschen und über aktuelle politische Themen diskutieren. „Das sind alles keine Fachidioten“, ist sich Felix Binder sicher, der eine 1,0 im Abitur hatte und hier ebenfalls im Gebiet der Physik für seine Dissertation forscht. Langweilig werde es nie, jeder Rhodes Scholar habe interessante Geschichten zu erzählen. Binder begeistert sich für Politik: In Deutschland hat er als Sprecher der Grünen Hochschulgruppe gegen Studiengebühren in Bayern demonstriert und auch in England setzt er sich weiterhin gegen die hohen Gebühren ein, die viele seiner Kommilitonen bezahlen müssen.

Zusammenhalt wird großgeschrieben

Andere Stipendiaten studieren beispielsweise Medizin, BWL oder Musikwissenschaften - und sie kommen auch nicht alle aus Bayern. Die Aufnahme in die Rhodes-Gemeinschaft ist für viele auch eine Eintrittskarte in eine andere Welt. Mit Studienbeginn kommen etwa gleich persönliche Gratulationsschreiben von der Unternehmensberatung McKinsey und der Investmentbank Goldman Sachs in den Briefkasten geflattert. Alumni und Neuankömmlinge verbleiben im Netzwerk.

Der Zusammenhalt zwischen den 4400 lebenden ehemaligen Stipendiaten wird großgeschrieben. Der Alumniverein organisiert einmal im Jahr eine „Rhodes-Lecture“. In diesem Jahr wird auch Horst Köhler nach Oxford kommen. Der Vorsitzende der Ehemaligenvereinigung ist Hans-Paul Bürkner, der bis Januar Präsident und Vorstandsvorsitzender der Unternehmensberatung Boston Consulting Group war. Der Manager hat im Bereich der Entwicklungsökonomik in Oxford promoviert. Und wie gut der Zusammenhalt unter Rhodes-Ehemaligen ist, hat wiederum Bill Clinton bewiesen: Er brachte als amerikanischer Präsident gleich fünfzig ehemalige „Rhodies“ in Toppositionen der Verwaltung unter, darunter drei in seinem Kabinett.

In die weite Welt

Gates Scholarship

Ein Stipendium für Master oder Promotion an der University of Cambridge. Bewerbungsfrist für deutsche Bewerber ist Anfang Dezember für Studienbeginn im darauf folgenden Jahr. www.gatescambridge.org

Fulbright-Programm

Die deutsche Fulbright-Kommission vergibt Jahres- und Reisestipendien für Aufenthalte in den Vereinigten Staaten an Studierende und Doktoranden. Die Bewerbungsfristen variieren je nach Programm. www.fulbright.de

Rhodes Scholarship

Stipendium für Master oder Promotion an der University of Oxford. Bewerbungsfrist für deutsche Bewerber ist Ende September für einen Studienbeginn im darauf folgenden Jahr. www.rhodeshouse.ox.ac.uk/about/rhodes-countries/germany

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