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Rhodes-Stipendium : Gratis nach Oxford

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Bild: Peter von Tresckow

Das Rhodes-Stipendium finanziert ein Oxford-Studium mit allem, was dazugehört. Sein Gründer ist sagenumwoben. Das Netzwerk hält bis heute.

          Die Liste der erfolgreichen Stipendiaten ist lang: Howard Florey, der das Antibiotikum Penicillin für die Massenproduktion tauglich machte, Staatsmänner wie Bill Clinton, Goldmedaillengewinner, Harvard-Professoren oder frühere Konzernchefs. Das Rhodes-Stipendium, das seit 1903 Hochbegabte nach Oxford führt, ist legendenumwoben. Eine Erzählung handelt von Bill Clintons erstem Joint. Clinton hat zwar in Oxford keinen Abschluss gemacht, soll aber dafür gegen den Vietnamkrieg protestiert und in dieser Zeit angeblich in der „Turf Tavern“ erste Erfahrungen mit Marihuana gemacht haben. Er habe es aber nur geraucht und nicht inhaliert, so die Legende.

          Das Rhodes Scholarship ist das älteste Stipendienprogramm der Welt. Es ist das einzige, das Oxford „all inclusive“ ermöglicht. Ein Graduiertenstudium - Master oder Promotion - mit Übernahme der Studien- und College-Gebühren, des Lebensunterhalts sowie des Hin- und Rückflugs. Für viele wird ein Traum wahr: verstaubte Bücher in der Bodleian-Bibliothek verschlingen, mit schwarzem Talar an langen Tischen in den alten Dinner-Halls zu Abend essen, gegen die verhassten Cambridge-Studenten auf der Themse rudern; Pauken mit Harry-Potter-Atmosphäre.

          Schon der Stifter ist sagenumwoben und voller Widersprüche. Der südafrikanische Philanthrop Cecil Rhodes, Pfarrersohn, Diamantenhändler, Imperialist und Wegbereiter der Apartheid - wie auch Visionär einer vereinten Weltgemeinschaft. Er hatte selbst in Oxford studiert. Um diese Zeit ranken sich Verschwörungstheorien: Rhodes war dort Freimaurer und gründete angeblich eine weltweite Geheimgesellschaft, aus der später etwa der einflussreiche Thinktank Council on Foreign Relations entstanden sein soll. Das ist umstritten, klar jedoch ist: Als er 1902 starb, war er einer der reichsten Männer seiner Zeit und hatte in seinem Testament ein Stipendienprogramm veranlasst, das junge Menschen, die bereit seien, „den Kampf der Welt zu kämpfen“, wie er es formulierte, nach Oxford bringen sollte. Demnach sollten die Stipendiaten nach Intellekt, Charakter, Führungsqualitäten sowie ihrem Einsatz für die Gesellschaft ausgewählt werden. „Rhodes Scholars sollen keine reinen Bücherwürmer sein“, sagt Mary Eaton von der Rhodes-Stiftung. Sportler sollten die Stipendiaten sein - und Männer. Erst nach Verabschiedung des Antidiskriminierungsaktes 1975 durften auch Frauen aufgenommen werden.

          Rhodes’ Vision war es, die Commonwealth-Länder zu einer großen Weltgemeinschaft zusammenzuführen. Dass sich darauf überhaupt Deutsche bewerben dürfen, ist Kaiser Wilhelm II. zu verdanken: Er hatte Englisch zu einem Pflichtfach an deutschen Gymnasien gemacht, was Rhodes offenbar imponierte. Allerdings wurde Rhodes’ Wille, Stipendiaten nach ihrem Einsatz für das Allgemeinwohl auszuwählen, in Deutschland bis 1914 monarchisch interpretiert: Der Kaiser schickte in der Regel Stipendiaten aus seinem Dunstkreis. Späteren deutschen Stipendiaten kamen ambivalente Rollen in der Geschichte zu: Das waren Widerstandskämpfer aus der Nazi-Zeit wie Adam von Trott zu Solz oder auch ein Reichsfinanzminister unter Hitler, der das Ermächtigungsgesetz unterzeichnet hat.

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