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Researchgate : Schlaues Netzwerk für die Forschung

Auch die Bundeskanzlerin war schon bei Researchgate zu Gast. Bild: dapd

Angela Merkel war schon dort, und Bill Gates hat investiert: Das Unternehmen Researchgate will ein „Facebook für Forscher“ werden. Aber es gibt auch Kritik daran, wie Wissenschaftler dort bewertet werden.

          Als Angela Merkel im Frühjahr Ijad Madisch und sein Unternehmen Researchgate besuchte, stellte sie immer wieder die selbe Frage. Während einer Stippvisite in die Berliner Start-up-Szene erkundigte sich die Bundeskanzlerin beim Gründer des sozialen Netzwerks für Forscher mehr als einmal danach, womit er sein Geld verdiene. Bis heute hat Madisch auf die Frage noch keine abschließende Antwort gefunden. Er muss es auch noch nicht, weil Researchgate von Investoren wie dem Microsoft-Gründer Bill Gates oder den amerikanischen Investmentunternehmen Accel Partners und Benchmark Capital mehrstellige Millionenbeträge eingesammelt hat. Damit ist das weitere Wachstum trotz eines zuletzt für 2012 ausgewiesenen Jahresfehlbetrags von rund 3,7 Millionen Euro vorerst gesichert. Es hängt aber vor allem damit zusammen, dass Madisch nach eigener Aussage mehr vorhat, als nur Geld zu verdienen. Er wolle den wissenschaftlichen Fortschritt voranbringen, sagt der 33 Jahre alte Virologe, wenn er über das Ziel von Researchgate redet. Forscher sollen sich dort gegenseitig helfen, wenn sie nicht mehr vorankommen.

          Die Idee zum Netzwerk kam Madisch selbst an einem Punkt, an dem er nicht mehr weiterwusste. Ende 2007 steckte er mit seiner virologischen Forschung fest und suchte Rat, den er aber unter den ihm bekannten Kollegen nicht fand. Kurzerhand entwickelte er die Idee eines virtuellen Forschernetzwerks, in dem sich Wissenschaftler suchen, finden und austauschen können. Im Mai 2008 startete Madisch in Hannover die Researchgate GmbH. Seitdem haben sich mehr als zwei Millionen Forscher angemeldet. Derzeit gewinnt Researchgate laut Madisch jeden Tag fast 10.000 neue Mitglieder.

          Die Plattform, die der Deutsche mit syrischen Wurzeln Wissenschaftlern im Internet zur Verfügung stellt, zielt wie jedes soziale Netzwerk darauf ab, dass sich die Forscher dort aktiv beteiligen, sich und ihre Arbeit präsentieren und miteinander vernetzen. Wer zum Beispiel die Netzwerkseite des Forschers Ijad Madisch aufruft, sieht ein Foto, erfährt, wo er studiert hat, dass er innerhalb des Netzwerks 38 Publikationen hochgeladen hat und dass ihm mehr als 1500 andere Forscher folgen. Dazu gibt es eine Übersicht über die Fähigkeiten, die Madisch mitbringt, und die Themengebiete, für die er sich interessiert.

          Der Radiologe hilft dem Sozialwissenschaftler

          Alles sieht ein wenig so aus wie bei Facebook, doch in einem Punkt unterscheidet sich das Netzwerk. Denn über allem schwebt eine Zahl: der Researchgate-Score - ein Maß, mit dem das Netzwerk misst, wie die Forschung eines Mitglieds durch andere Nutzer bewertet wird. „Der Score zeigt, wie die Arbeit innerhalb des Netzwerks aufgenommen wird“, sagt Madisch, wobei Qualität zähle und nicht Quantität. Die Mitglieder bewerten ihre Beiträge und Aktivität untereinander, was den Wert des Scores in die Höhe treibt. Madisch erreicht zum Beispiel derzeit einen Wert von 41,63. Der ebenfalls im Netzwerk angemeldete diesjährige Medizin-Nobelpreisträger Randy Schekman kommt auf 39,42.

          Die Tatsache, dass ein waschechter Nobelpreisträger eine niedrigere Bewertung erhält als ein junger Nachwuchswissenschaftler, hat Madisch und Researchgate Kritik aus der Wissenschaft eingebracht. Das System sei nicht objektiv, heißt es. Der Researchgate-Gründer hält dem entgegen, dass sich die Qualität der Bewertungen im Netzwerk mit der Zeit steigert, je mehr Forscher mitmachen und dort Publikationen hochladen. Inzwischen stellen Forscher 1,2 Millionen Publikationen im Monat dort ein, die andere Forscher lesen und bewerten. „Die Spreu wird sich vom Weizen trennen“, ist Madisch überzeugt. Gerade weil es die Möglichkeit der direkten Rückmeldung gebe, werde die Qualität der Forschung im Netzwerk irgendwann steigen. Das sehen offenbar auch Wissenschaftsorganisationen wie die Max-Planck-Gesellschaft oder die Gesellschaft für Virologie so, die ihre Mitglieder dazu anhalten, das Netzwerk als Kommunikationsort zu nutzen.

          Den ständigen Austausch hält auch Madisch für entscheidend. Er sieht sein Netzwerk als „fortgesetzte Konferenz“, wo sich Forscher aller Disziplinen tummeln und im besten Fall zusammentun. So wie ein pakistanischer Sozialwissenschaftler, von dem Madisch berichtet. Der wollte die Gründe untersuchen, aus denen sich in seinem Heimatland Terrorismus entwickelt, und kam nicht mehr weiter, als er die Statistiken auswerten wollte. Ein Radiologe aus Oxford half dem Pakistaner, die Statistiken exakt zu berechnen. Im kommenden Jahr werden die beiden die daraus entstandene Publikation als Koproduktion in einer Fachzeitschrift veröffentlichen.

          Quelle: F.A.Z.

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