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Reife Leistungen : Das Glück des Streichelkalbs

Streicheln macht schwer - wirklich! Bild: dpa

Mit was sich Unis und Studenten so beschäftigen, lässt staunen: Zum Beispiel mit den Autoemissionen, die Volkswagen zuletzt so viel Ärger machten. Aber auch mit den Auswirkungen von Tierliebe - ganz wissenschaftlich.

          Ein gewisses Misstrauen gegenüber den Abgasen aus Fahrzeugen dürfte nach dem zu Ende gegangenen Jahr mehrheitsfähig sein. Insofern klingt eine Entwicklung, die von der Universität Heidelberg gemeldet wird, recht verheißungsvoll: Umweltphysiker haben dort nämlich ein Messgerät vorgestellt, das Stickstoffdioxide im Abgas vorausfahrender Fahrzeuge ermitteln kann. Das spektroskopische Instrument liefere verlässliche Emissionswerte bei realem Fahrverhalten - was bisher nur mit aufwendigen Messsystemen und bei stehenden Fahrzeugen möglich gewesen sei. Eine Art mobile Umweltpolizei, wenn man so will. Stickoxidemissionen seien von Fahrzeug zu Fahrzeug verschieden und von allerlei Parametern abhängig: Fahrzeug- und Motortyp, Abgasbehandlung, Alter, Zustand und Fahreigenschaften des Fahrzeugs zum Beispiel.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Anhand von Modellrechnungen würden Behörden oder Wissenschaft Emissionen und deren Beitrag zur Luftverschmutzung bisher schätzen - da sei so eine Messung am fahrenden Objekt doch die viel bessere Idee. Bei den Untersuchungen ist die Heidelberger Neuentwicklung in einem Fahrzeug installiert, so dass die Konzentration in Abgasfahnen von Pkw, Bussen, Lkw oder Zweirädern während der Fahrt gemessen werden kann. Ziel sei die Marktreife des neuen Messinstruments. Es wird derzeit um Messmöglichkeiten für Stickstoffmonoxid und Kohlendioxid (CO2) erweitert.

          Freundlicher Umgang mit dem lieben Vieh

          Nicht um schädliche Emissionen, sondern um nützliche Emotionen ging es Forschern der Veterinärmedizinischen Universität Wien, die zu dem anrührenden Ergebnis kamen: Gestreichelte Kälber entwickeln eine bessere Beziehung zum Menschen und nehmen schneller zu. Freundlicher Umgang kommt also auch beim lieben Vieh gut an, denn Kälber auf einem Milchviehbetrieb, die nach ihrer Geburt eine Zeitlang von Menschen gestreichelt wurden, nahmen schneller zu als ihre nicht gestreichelten Artgenossen. Das kann sich auch für den Landwirt lohnen, denn Kühe, die als Kälber schneller zugenommen haben, gäben mehr Milch.

          Untersucht wurden 104 Holstein-Kälber eines Milchvieh-Betriebs im Osten Deutschlands, wie es hieß, etwa die Hälfte der Tiere wurde nach der Geburt 14 Tage lang je drei Minuten pro Tag am unteren Hals gestreichelt, die andere Hälfte nicht. Nach etwa 90 Tagen wurde das Gewicht gemessen, und das Ergebnis - Streicheln macht schwerer - lasse regelrechte Hochrechungen zu: Die gestreichelten Kälber hatten zum Zeitpunkt des Absetzens von der Milch eine etwa 3 Prozent höhere Gewichtszunahme als die nicht gestreichelten, und das lasse sich in etwa 50 Kilogramm mehr Milch pro Kuh und Jahr umrechnen.

          Auch die sogenannte Ausweichdistanz der Tiere - sie besagt, ab welcher Distanz sich ein Kalb abwendet, wenn ein Mensch von vorne auf das Tier zugeht - habe sich positiv verändert. Kälber aus der Streichelgruppe wichen Menschen nicht so schnell aus wie die nicht gestreichelten Artgenossen.

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