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Promotion neben dem Beruf : Zwischen Büro und Bibliothek

  • -Aktualisiert am

Bild: Tresckow

Voll im Berufsleben stehen und gleichzeitig den Doktor machen - daran sind schon einige gescheitert. Doch es ist möglich, beides zu schaffen.

          Der frühere Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat es nicht geschafft, genauso wenig wie die FDP-Europapolitikerin Silvana Koch-Mehrin und vermutlich auch der niedersächsische Kultusminister Bernd Althusmann: Sie hatten sich vorgenommen, eine Doktorarbeit zu schreiben, die wissenschaftlichen Maßstäben genügt, „in jahrelanger mühevollster Kleinarbeit“ und „neben einem anspruchsvollen Beruf“, wie es Guttenberg formulierte.

          Wer voll im Berufsleben steht und nebenbei eine Dissertation verfasst, hat sich ohne Zweifel viel vorgenommen. Wer es dennoch wagt, tut dies nicht unbedingt nur aus wissenschaftlichem Interesse. Denn in einigen Branchen ist der Doktor ein Karriereturbo und bares Geld wert. Vor allem in den Rechts- und Wirtschaftswissenschaften verbessern sich die Berufschancen durch den Titel deutlich. Doch trauen sich nur wenige die Doppelbelastung zu: Gerade einmal 16 Prozent aller Doktoranden arbeiteten außerhalb des wissenschaftlichen Betriebs, schätzt das Institut für Forschungsinformation und Qualitätssicherung (IFQ) in Bonn. Etwa die Hälfte arbeitet während der Promotion auf einer Vollzeitstelle. Wie viele Doktoranden in welchen Fachbereichen das Doppelleben zwischen Wirtschaft und Wissenschaft wagen, ist aber unklar. „Belastbare repräsentative Daten fehlen“, erklärt Kalle Hauss, der am IFQ die Situation von Promovierenden untersucht. Denn in Deutschland gibt es keine offizielle Doktoranden-Statistik. Das Bundesbildungsministerium weiß lediglich, dass jährlich zwischen 23.000 und 26.000 Promotionen erfolgreich abgeschlossen werden.

          Das Hochschul-Informationssystem (HIS) in Hannover hat in einer repräsentativen Untersuchung ermittelt, dass rund ein Drittel der Promovierenden die Doktorarbeit abbricht. „Als einen der häufigsten Gründe für den Abbruch der Promotion nennen die Befragten eine zu hohe Arbeitsbelastung durch eine berufliche Tätigkeit“, sagt Kolja Briedis, Absolventenforscher am HIS. „Darunter sind aber auch Promovierende, die an der Universität angestellt sind“, ergänzt er.

          „Dann kommt der Professor regelmäßig ins Unternehmen“

          Norman Weiss vom Doktoranden-Netzwerk Thesis ist sich allerdings sicher, dass unter den Abbrechern besonders viele externe Promovierende sind. „Wer außerhalb der Universität arbeitet, muss ständig zwischen wissenschaftlichen und beruflichen Themen hin- und herwechseln“, sagt Weiss. „Außerdem fehlt externen Doktoranden das Netzwerk an der Universität, viele sehen ihre Doktorväter nur ein- oder zweimal im Jahr.“ Häufig arbeiteten sie monatelang auf sich allein gestellt an der Dissertation. „Und dann sagt der Doktorvater plötzlich, dass alles Mist war.“ Hinzu komme die Belastung, Beruf und Wissenschaft zeitlich unter einen Hut zu bekommen.

          Leichter hat es da, wer von seinem Arbeitgeber während der Promotion unterstützt wird. Vor allem große Unternehmen, die Forschungsabteilungen unterhalten, ermuntern ihre Mitarbeiter oft zum Projekt Doktortitel. Konzerne und große Mittelständler unterhalten eigene Doktorandenprogramme, ebenso wie große Anwaltskanzleien oder Unternehmensberatungen. „Die Unternehmen stellen ihre Mitarbeiter teilweise für einige Zeit von der Arbeit frei oder bieten ihnen Teilzeitstellen für die Dauer der Promotion an, oft bei vollem Gehalt“, erklärt Weiss. Manche Unternehmen gründeten sogar eigene Stiftungsprofessuren. „Dann kommt der Professor regelmäßig ins Unternehmen, um mit den Promovierenden über ihre Arbeit zu sprechen“, berichtet Weiss. Die Vorteile: weniger Zeitdruck und eine deutlich bessere Betreuung.

          Vom Arbeitgeber freigestellt

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