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Privathochschule 18.000 Pfund für ein maßgeschneidertes Studium

In London ist eine sehr teure Privathochschule gegründet worden: das New College of Humanities. Es gibt Einzelunterricht und Vorlesungen von Starakademikern. Aber auch eine Menge Widerstand gegen die Einrichtung.

© dpa Vergrößern Viel Geld für eine Elitehochschule: Studenten des New College of Humanities müssen 18.000 Pfund im Jahr bezahlen

Vor kurzem nahm der erste Jahrgang des privaten New College of Humanities in London sein Studium auf. Von dem Philosophen und ehemaligen Professor an der Universität London A.C. Grayling gegründet, ist das College eines der derzeit am kontroversesten diskutierten Experimente in der britischen Hochschullandschaft.

Kleine Klassen, Einzelunterricht, Tutorials genannt, und gelegentliche Vorlesungen von Starakademikern wie dem Historiker Niall Ferguson von der Harvard Universität oder von Cambridge-Ökonom Sir Partha Dasgupta sollen talentierte und auch zahlungskräftige junge Menschen anlocken. Denn wer keines der begehrten Stipendien ergattert, muss 18.000 Pfund im Jahr bezahlen, um in Genuss der maßgeschneiderten Bildung zu kommen.

Oxford und Cambridge dürfen maximal 9000 Pfund nehmen

Zum Vergleich: Die Eliteuniversitäten der Russel Group - der britischen „Ivy Legague“, zu der auch Oxford und Cambridge gehören - dürfen maximal 9000 Pfund im Jahr für ein Bachelorstudium verlangen. Jane Phelps, Direktorin am neuen College, ist aber sicher, dass jedes der 18.000 Pfund es wert ist. „Wir bieten den Studenten ein besseres Angebot als das, was sie in Oxbridge bekommen können“, sagt sie selbstbewusst. Schließlich vereinige das neue College das Beste aus dem englischen und dem amerikanischen System. So könnten die Studenten nach drei Jahren nicht nur einen Bachelorabschluss der Universität London in Englisch, Volkswirtschaftslehre, Geschichte, Recht oder Philosophie erreichen, sondern sie würden auch nach Vorbild der amerikanischen Liberal Art Colleges in Logik, angewandter Ethik, Grundlagen der Naturwissenschaften und Professional Skills unterrichtet. Zwar ist das New College of Humanities kein offizielles College der Universität London, doch die Studenten dürfen die berühmte „Senate-House“-Bibliothek benutzen und auch Mitglied in der Studentenvereinigung werden.

Doch wer kann sich 18.000 Pfund im Jahr plus Lebensunterhalt in London leisten? Nach Angaben des New Colleges kommt etwas mehr als die Hälfte des ersten Jahrganges von Privatschulen und Internaten, wo oft einige zehntausend Pfund im Jahr bezahlt werden müssen. Jane Phelps versichert jedoch, dass die Studenten nur aufgrund ihrer bisherigen Leistungen und ihres akademischen Potentials ausgesucht worden seien. Zudem solle künftig ein knappes Drittel der Studenten ein Teil- oder Vollstipendium bekommen.

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Bewerber müssen neben ihrem Zeugnis mindestens ein Referenzschreiben, ihren Lebenslauf und einen etwa 10.000 Wörter langen Essay einreichen. Wenn diese Hürde gemeistert ist, werden die Bewerber zu Interviews eingeladen, in denen sie nicht nur zu ihrem Lebenslauf kritisch befragt werden, sondern auch einen ihnen unbekannten Text analysieren müssen.

„Das Ziel des New College of Humanities ist es, den qualitativ hochwertigen Unterricht der Geisteswissenschaften am Leben zu halten“, sagt Jane Phelps. In der Tat hat die Regierung im Rahmen der Sparmaßnahmen das Budget der Universitäten um 40 Prozent gekürzt und die Geisteswissenschaften mag es am ärgsten getroffen haben. Weder Oxford noch Cambridge können es sich noch leisten, den Studenten Einzeltutorien anzubieten oder alle aussichtsreichen Kandidaten zu interviewen.

A.C. Graylings Traum sei es, mit dem neuen Privatcollege den Unterricht der Geisteswissenschaften wiederzubeleben, heißt beim New College of Humanities. Doch was für Grayling ein Traum ist, ist ein Albtraum für viele seiner ehemaligen Kollegen und Studenten. Auf Facebook hat sich gegen das neue College eine Gruppe formiert, und einige Professoren der Universität London wenden sich in einem offenen Brief gegen die neue Hochschule. John Kelly, Wirtschaftsprofessor an der Universität London, sagt, dass schon 9000 Pfund bizarr hoch seien und dass „Graylings College mit doppelt so hohen Studiengebühren letztendlich nur eine Universität für die oberen Zehntausend ist.“ Der Philosoph stemmt sich kräftig gegen alle Kritik, denn zumindest hofft und glaubt der bekennende Atheist, dass sein College irgendwann einmal Studenten unabhängig ihrer sozialen Herkunft aufnehmen wird.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 27.10.2012, 08:00 Uhr