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Veröffentlicht: 03.03.2016, 05:38 Uhr

Plagiate Der Fall Guttenberg und die Lehren

Eine Doktorarbeit voller Täuschungen ruinierte die Karriere des Ministers. Auch Unis und Prüfer standen damals am Pranger. Was haben sie gelernt?

von Marlene Hartz und Marvin Milatz
© dpa Macht schon wieder Schlagzeilen: Karl-Theodor zu Guttenberg

Der Eklat ist rund fünf Jahre her: Eben noch durfte sich Karl-Theodor zu Guttenberg Bundesverteidigungsminister nennen, dann trat der aufstrebende CSU-Minister Anfang März 2011 von seinen Ämtern zurück. Die Schatten der Vergangenheit hatten ihn eingeholt. Zu Guttenberg hatte in seiner Doktorarbeit an der Universität Bayreuth abgeschrieben, ohne die Passagen zu kennzeichnen. „Der Fall zu Guttenberg war eine Besonderheit“, erinnert sich Diethelm Klippel, der damals eine Untersuchung gegen zu Guttenberg einleitete - als Ombudsmann für Selbstkontrolle in der Wissenschaft an dessen ehemaliger Hochschule. „Erstens wegen der exponierten Stellung der Person. Und zweitens wegen der Dreistigkeit des Plagiats.“ Rund zwei Drittel der Arbeit hatte der Minister direkt aus anderen Texten übernommen, ohne die Quellen zu nennen. Ende Februar 2011 entzog die Universität Bayreuth dem Minister seinen Titel. Für die Politik war er damit erledigt.

Der Fall zu Guttenberg schlug hohe Wellen, Wissenschaftler diskutierten deutschlandweit, wie sich Plagiate fortan verhindern lassen könnten. Die Deutsche Forschungsgesellschaft und die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) gaben Empfehlungen und Denkschriften ab, wie Universitäten mit strengeren Regeln Plagiaten vorbeugen könnten. Auch die Rechts- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Uni Bayreuth veränderte ihre Promotionsordnung, verpflichtet seitdem ihre Doktoranden dazu, eine eidesstattliche Erklärung abzugeben. Doktoranden müssen darin versichern, sauber gearbeitet zu haben.

 
Guttenberg steht vor einem Comeback, aber auch die Unis müssen sich fragen lassen: Was haben sie gelernt?

Auch ist es nicht mehr möglich - wie im Fall zu Guttenberg -, einen emeritierten Professor und einen Ehemaligen als Gutachter einer Promotionsarbeit zu stellen. „An vielen Hochschulen sehe ich, dass sich etwas bewegt“, sagt auch Ulrike Beisiegel, HRK-Vizepräsidentin für Governance und Hochschulmanagement sowie Präsidentin der Universität Göttingen. „Aber noch nicht an jeder.“

An der Durchsetzung hapert es noch

Was sich an den Hochschulen geändert hat, sind bisher vor allem die Statuten. Doch bei der Durchsetzung hapert es noch. Die meisten deutschen Universitäten kontrollieren Abschlussarbeiten etwa nach wie vor nur stichprobenartig. Die Kontrolle jeder einzelnen Abschlussarbeit sei zu langwierig, zu teuer, mit jetzigen Kapazitäten nicht durchführbar, klagen Dozenten.

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Das Problem: Zwar gibt es mittlerweile Software, die wissenschaftliche Ausarbeitungen binnen weniger Augenblicke auf plagiierte Passagen überprüfen kann. Doch erstens entdecken diese Programme längst nicht jede abgekupferte Stelle. Und zweitens produzieren sie immer wieder Fehlalarme und brandmarken korrekt verarbeitete Zitate als illegales Werk von Kopisten. „Ein Prüfer muss alle verdächtigen Passagen stets selbst nachkontrollieren“, sagt Sebastian Sattler, Dozent an der Universität zu Köln. Das koste schlicht und ergreifend Zeit und sei bei zahlreichen schriftlichen Arbeiten, die ein Dozent heutzutage betreuen muss - von Hausarbeiten bis Habilitationsschriften -, kaum umsetzbar. Sattler führte jüngst eine Studie zu den Methoden durch, die Lehrende verwenden, um Plagiate in schriftlichen Arbeiten aufzuspüren. Das Ergebnis: Nur selten setzen sie diese Software ein, um Texte mit anderen Quellen abzugleichen. Etwas häufiger nutzen sie Suchmaschinen, um Textpassagen stichprobenartig zu kontrollieren. Am häufigsten versuchen sie immer noch, Arbeiten aufmerksam zu lesen, um Plagiate zu identifizieren. „Das ist natürlich nicht sonderlich effektiv“, sagt Sattler.

Universitäten müssen beim Raub geistigen Eigentums jeden Einzelfall untersuchen, sie gehen jedoch unterschiedlich transparent mit dem Prozess um. Sie müssen dafür eine Prüfungskommission benennen, den Beschuldigten und die damaligen Gutachter befragen. Man hört von Universitäten, die mehr als ein Jahr brauchten, nur um die aktuelle Anschrift des vermeintlichen Plagiators zu ermitteln. Auch halten sich die Sanktionsmöglichkeiten in Grenzen: Universitäten können den Doktortitel entziehen und eine Rüge aussprechen - was öffentlich geschehen kann, aber nicht muss. Ein Bußgeld oder dergleichen ist nicht vorgesehen. Zudem müssen plagiierte Arbeiten eigentlich als diese gekennzeichnet werden, etwa im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek. Allerdings gibt es dabei kein einheitliches Vorgehen. Jede Universität verfährt da anders.

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