20.03.2008 · Abiturienten wissen nicht genug über das Leben nach der Schule. Schlecht beraten brechen viele ihr Studium ab. Ein neues Projekt soll das Bildungssystem durchsichtiger und berufliche Entscheidungen treffsicherer machen.
Abiturienten sind schlecht gerüstet für ihre Studien- und Berufswahl. Mangelhaft beraten bricht jeder vierte seine akademische Ausbildung ab - teure Irrwege. Das soll besser werden. „Job Factory“ heißt das Modellprojekt, das Transparenz im Bildungssystem verspricht und so mehr Sicherheit und Zielstrebigkeit auf dem Weg in den Beruf ermöglichen soll.
Seit März erproben 18 Schüler der Fachoberschule Hof, des Gymnasiums Koszalin aus Polen sowie der Robert-Bosch-Gesamtschule aus Hildesheim neue Formen der Studien- und Berufsorientierung. Offenkundig reicht es nicht aus, wenn Abiturienten in ihrer Lebensplanung sich selbst überlassen bleiben. Forscher des Hochschul-Informations-Systems (HIS) aus Hannover haben 2007 mehr als 12.000 Gymnasiasten befragt. Das Resultat: Nur zwei Prozent fühlen sich ausreichend auf die Studien- und Berufswahl vorbereitet. Das liegt an den Informationsquellen der Schüler: 95 Prozent nannten eigene Internetrecherchen, 91 Prozent führten Ratschläge aus ihrer Familie an (F.A.Z., 8. Dezember 2007). Den jungen klugen Köpfen fehlt es also gerade in einer wichtigen Phase an geeigneter Unterstützung.
Mehrstufiges Programm über sieben Monate
Der sich verschärfende Mangel an Hochqualifizierten zwinge Schulen, Hochschulen und Wirtschaftsunternehmen zum gemeinsamen Handeln, heißt es in einer Mitteilung der Inititative. Schüler der 11. bis 13. Klasse nehmen in dieseem Frühjar an einem mehrstufigen Programm teil, das sich über sieben Monate erstreckt. Bei der öffentlichen Vorstellung des Projekts am Mittwoch in Berlin sprach Professor Klaus Hurrelmann, Erziehungswissenschaftler an der Universität Bielefeld und Autor der Shell-Jugendstudien, von einem „interessanten und dringlichen Vorhaben“. Hurrelmann begleitet das Projekt wissenschaftlich, auch weil es den „Finger in eine Wunde“ lege. Das deutsche Bildungssystem sei „nicht schlecht“, aber es weise strukturelle Defizite auf: Der Übergang von der Schule in die Arbeitswelt müsse verbessert werden, es gebe im europäischen Vergleich „auffällig wenige Abiturieten“ in Deutschland, gleichzeitig „auffällig viele Studienabbrecher“, Studierwilligkeit und Studierfähigkeit der jungen Menschen seien gesunken - und: „Die breite Mitte wird nicht gefördert, wie wir das bräuchten“, beklagt Hurrelmann.
Die 18 Schülerinnen und Schüler in dem Projekt agieren als „Botschafter“ für ihre etwa 300 Mitschüler aus Deutschland und Polen. Ihre Erfahrungen werden öffentlich im Internetportal an die Klassengemeinschaften vermittelt. Während einer Orientierungswoche standen für die Schüler zum Beispiel naturwissenschaftliche Vorlesungen, Besuche in Unternehmen oder im Auswärtigen Amt auf dem Stundenplan. Außerdem soll jeder Teilnehmer einen Mentor bekommen, der ihn auf seinem Karriereweg unterstützt. In Präsentations- und Bewerbungsschulungen sollten die jungen Leute lernen, ihre persönlichen Stärken zu vermarkten.
Praktika und „Summer School“
Im August und September werden den Schülern Praktikumsplätze in mittelständischen Unternehmen angeboten. Einige von ihnen können im September auch an einer „Summer School“ teilnehmen. Dort sollen sie zusammen mit Studierenden, Führungskräften
und Journalisten Zukunftskonzepte für Bildungsmodelle in Deutschland und Europa entwickeln. Professor Thomas Heimer von der „Frankfurt School of Finance and Management“ formuliert den Anspruch an die Konzepte: Wissen in Unternehmen und Hochschulen solle so verzahnt werden, „dass Deutschland seine führende Rolle in der Wirtschaft behalten“ könne. Die Bildungsmodelle sollten deshalb als konkrete Forderungen an Politik und Unternehmen formuliert werden, kündigt Heimer an.
Die „Job Factory“ ist Teil des „Campus of Excellence“, einer Initiative von Wirtschaftsunternehmen, Institutionen, Stiftungen und Verbänden, die sich ausdrücklich an Studierende aller Fachrichtungen richtet. Seit Mittwoch lädt der „Campus“ auf seiner Webseite www.campus-of-excellence.com wieder zur Bewerbung ein. Gesucht werden 200 Interessenten für Praktika in mittelständischen Unternehmen oder als Teilnehmer einer „Summer School“ (In der Sommerschule des Mittelstands). Zum Programm gehören Exkursionen nach Österreich, Italien sowie in die Schweiz. Bewerber sollen herausragenden Hochschulleistungen und erste Praxis- und Auslandserfahrungen vorweisen. Die Teilnahme ist kostenfrei. Die Bewerbungsfrist endet am 30. Mai 2008.
Äh,
Stefan M. Oke (stefanmoke)
- 20.03.2008, 13:35 Uhr
Bravo, Herr Oke, ...
Herrmann Mueller (Herbie_2005)
- 20.03.2008, 15:08 Uhr