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Veröffentlicht: 29.01.2013, 06:00 Uhr

Open Access Mein Haus, mein Auto - mein erster Artikel

Wer in Internet-Journalen seine wissenschaftliche Arbeit veröffentlicht, zahlt Tausende Euro drauf. Was bringt das? Den Verlagen auf jeden Fall ein gutes Geschäft.

von Philipp Alvares de Souza Soares
© Peter von Tresckow

So viel Geld, nur damit jemand einen 20 Seiten langen Text ins Internet stellt? Anfang Dezember hat Jenny Riecke ihren ersten eigenen Artikel bei einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift eingereicht. 1350 Euro muss ihr Institut für die Veröffentlichung zahlen - sofern der Text von der Zeitschrift angenommen würde. „Seltsam“, sagt die Doktorandin. Denn bislang dachte sie, dass eine Veröffentlichung zumindest kostenlos sei, da doch der Verlag später Geld mit seinen Zeitschriften verdiene.

Fast zwei Jahre arbeitete sie an dem Artikel, die erste Etappe auf dem Weg zur Promotion. Riecke promoviert im Fach Psychologie an der Universität Marburg Dort sind, wie an den meisten naturwissenschaftlichen Fakultäten, kumulative Dissertationen die Regel. Den Doktortitel gibt es nach zwei oder drei publizierten Artikeln, die eine konventionelle Monographie ersetzen.

Bis zu 3000 Euro für einen Artikel

Rieckes Institut kam sogar günstig davon. Bis zu 3000 Euro pro Artikel müssen Forscher löhnen, wenn sie ihre Ergebnisse in so genannten „Open-Access“-Journalen veröffentlichen (siehe Kasten). Open Access stellt die bisher übliche Publikationspraxis in der Wissenschaft auf den Kopf, denn jahrzehntelang mussten nicht die Autoren, sondern die Universitätsbibliotheken zahlen. Wie erfolgreich ein Journal war, bemaß sich an der Nachfrage durch Bibliothekare. Sie schlossen teure Abonnements ab, damit die Institute Zugang zu neuesten Forschungsergebnissen hatten. Hatte die Bibliothek kein Abo, mussten Wissenschaftler für Artikel etwa 30 Euro hinlegen.

Die meisten Zeitschriften, wie etwa das berühmte Naturwissenschaftsjournal „Nature“, verdienen ihr Geld auch heute noch mit Abos und Einzelverkäufen. Aber der Anteil der „Open Access“ -Titel wächst: Laut einer finnischen Studie wurden 17 Prozent der 1,66 Millionen Artikel, die 2011 auf den Markt kamen, in „Open-Access“-Journals veröffentlicht. Besonders in den Naturwissenschaften ist das Modell beliebt, da hier die Verbreitung neuer Ergebnisse, anders als in den Geisteswissenschaften, hauptsächlich über Artikel und nicht über Monographien geschieht. Und die Doktorarbeit als Buch zu veröffentlichen war auch schon früher teuer: Veröffentlichungskosten von 3000 Euro und mehr sind die Regel, da sich Dissertationen schlecht verkaufen.

Intressant ist, wie oft der Artikel zitiert wird

Doktoranden interessiert vor allem, wie oft ihr Artikel zitiert wird. Sie wollen sich einen Namen machen. Auch für Jenny Riecke gab letztendlich der sogenannte Impact-Factor den Ausschlag, der bei dem von ihr gewählten „Open-Access“-Journal „Trials“ relativ hoch war. Er gibt an, wie oft ein Artikel von Kollegen durchschnittlich zitiert wird. Einige Open-Access-Zeitschriften, wie das Physik-Journal „Living Reviews in Relativity“, sind ihren auf klassischem Weg vertriebenen Konkurrenten hier bereits überlegen.

“Qualität und Renommee einer Zeitschrift sind gerade für junge Forscher noch immer am wichtigsten“, sagt Johannes Fournier, der bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für das Thema Open Access zuständig ist. Die Autoren profitierten dank Open Access von einer besseren Sichtbarkeit - „auch außerhalb der Wissenschaftscommunity, da zum Beispiel mittelständische Unternehmen auf den Artikel zugreifen“. So werde der Artikel zu einer Visitenkarte gegenüber potentiellen Förderern. Norman Weiss von der Doktorandenvereinigung Thesis hingegen ist skeptisch. Er sagt, die Reputation von traditionsreichen, herkömmlichen Journalen sei in vielen Disziplinen besser. Der Impact-Factor sei ein Indiz unter vielen, der Ruf der Zeitschrift sei entscheidend.

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