Home
http://www.faz.net/-gyq-z4q4
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Open-Access Es wird Zeit, alle alles lesen zu lassen

Gleichheit der Forschungsverhältnisse: In Kürze wird der Öffentlichkeit eine Deklaration europäischer Spitzenuniversitäten zu „Open Access“ vorgestellt. Es gibt Forderungen, die unbedingt einzulösen sind.

© dpa Vergrößern Die Universität Freiburg zählt zur League of European Research Universities

Die Open-Access-Debatte ist im Kreis der europäischen Forschungsuniversitäten nicht nur angekommen: Sie ist jetzt auch Thema eines Strategiepapiers (LERU Roadmap Towards Open Access), das in Kürze der Öffentlichkeit vorgestellt werden wird. Einundzwanzig europäische Spitzenuniversitäten haben sich 2002 zur League of European Research Universities (kurz LERU) verbunden. Hierzu gehören Universitäten wie Oxford und Cambridge, Leiden, Leuven und Lund, aber auch drei deutsche Universitäten: Freiburg, Heidelberg und München. Es geht dabei nicht vorrangig um Urheber- und Verwertungsrechte oder vermeintliche Verlagsmonopole, sondern um den unbeschränkten, ortsunabhängigen Zugang zu wissenschaftlicher Erkenntnis weltweit.

Open Access wird als die neue Publikationsform des digitalen Zeitalters in Verbindung mit der Hauptaufgabe forschungsintensiver Universitäten gesehen, Wissen und Innovation zu erzeugen und zu verbreiten. Eine Aufgabe dabei ist es auch, auf Hürden aufmerksam zu machen, die der Verbreitung von Wissen hinderlich sind. Hürden dieser Art sind gerade auch in den traditionellen Publikationsformen wissenschaftlicher Ergebnisse zu sehen. Eine zentrale Aufgabe forschungsintensiver Universitäten besteht darin, diese Hürden abzubauen.

Mehr zum Thema

Keine „provinzielle“ Perspektive

Die Idee des Open Access entspricht ganz den traditionellen Werten und Zielen akademischen Arbeitens, das auf Kollegialität, dem Austausch von Ideen und Ergebnissen, der gemeinsamen Suche nach Erkenntnis und der Verbreitung von Wissen zum Wohle der Gesellschaft insgesamt beruhen. Erst das digitale Zeitalter ermöglicht einen gemeinsamen freien Zugang zu wissenschaftlicher Erkenntnis und zu Forschungsdaten, wie er zuvor unter den Bedingungen des Druckzeitalters nicht denkbar war. Entscheidend dabei ist die Auswirkung dieses neuen Instruments auf die Entwicklung einer Gesellschaft, die den Leitbegriffen von Open Scholarship und Open Knowledge verpflichtet ist.

Wenn es um die gesellschaftliche Rolle der Spitzenuniversitäten und deren globale Verantwortung geht, darf keine „provinzielle“ Perspektive die Open-Access-Debatte bestimmen: Die Reduzierung dieses Themas auf Verwertungsrechte, Publikationskosten, Verlagsmonopole und Fremdsteuerung der Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen geht an der Bedeutung des Themas vorbei. Universitäten und Forschungseinrichtungen weltweit verfügen historisch erstmals über die Option, Wissensbestände und Erkenntnisfortschrift nicht nur abhängig vom Bücherbestand und Budget wissenschaftlicher Bibliotheken zugänglich zu machen, sondern barrierefrei, ortsunabhängig, weltweit.

Kosten ungleich verteilt

Zugang zu wissenschaftlichen Ergebnissen ist nicht mehr privilegiert, ist nicht mehr wohlstandsabhängig, sondern nur noch abhängig von den individuellen Kompetenzen der Nutzer. Die WHO verweist nicht umsonst darauf, dass in den Entwicklungs- und Schwellenländern mehr als die Hälfte der Universitäten und Forschungseinrichtungen aus Kostengründen nicht über die führenden internationalen Fachzeitschriften verfügen. Volkswirtschaftlich dürfte der freie Zugang zu aktuellen Forschungsergebnissen - in Europa und weltweit - daher zweifelsohne einen Mehrwert erbringen, der die Kosten weit übersteigt.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 05.06.2011, 00:35 Uhr