Home
http://www.faz.net/-gyq-yuxy
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Online-Zulassungssystem verschoben Aus Hochschulstart wird Hochschulstopp

 ·  Die Plattform „Hochschulstart.de“ sollte die Zulassungen neu ordnen. Doch die Technik floppt. Ausgerechnet jetzt, da die doppelten Abiturjahrgänge an die Unis drängen.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Seit dieser Woche ist es für die angehenden Erstsemester, die sich um einen Studienplatz bewerben wollen, bittere Klarheit geworden: Auch sie werden zum kommenden Wintersemester bei möglichst vielen Universitäten gleichzeitig anklopfen müssen - denn das steigert die Erfolgschancen des Einzelnen. Für die künftigen Kommilitonen birgt das Vorgehen allerdings Probleme. Denn bekommt ein Bewerber 20 Zusagen gleichzeitig, sind zunächst 20 Plätze für Mitbewerber blockiert - obwohl jeder am Ende nur einer Uni zusagen kann. Hochschulen und Länder hatten deshalb ein Online-Zulassungsverfahren namens „Hochschulstart.de“ ausgeklügelt, das eigentlich zum Wintersemester freigeschaltet werden sollte. Der Bund hat in die Finanzierung des Projekts 15 Millionen Euro gesteckt.

Die Idee: Künftig werden alle Bewerbungsseiten der teilnehmenden Hochschulen auf einer Internetplattform gebündelt. Dort können sich Interessenten einloggen und sich bei maximal zwölf Wunsch-Unis bewerben. Aus den Bewerbungen bilden die Unis Ranglisten, die zeigen, welche Studenten sie am liebsten annehmen würden. Auf Basis der Listen kommunizieren sie über das Internetportal Zu- und Absagen an die Bewerber. Wer eine Absage erhält, kann dann zum Beispiel sehen, ob er sich auf Platz 10 oder 1000 der Liste befindet, und so seine Nachrückchancen einschätzen. Wer eine Zusage bekommt und sich seinerseits für die betreffende Uni entscheidet, gibt automatisch die restlichen elf Studienplätze, für die er sich vorsichtshalber interessiert hatte, wieder frei. Das Online-Portal gleicht die frei gewordenen Plätze mit den Ranglisten ab und aktualisiert sie. So kann jeder Interessent jederzeit einsehen, wie seine Chancen auf den Wunsch-Studienplatz stehen.

Vorerst an technischen Hürden gescheitert

Soweit jedenfalls die Theorie. Doch die Macher des Systems sind vorerst gescheitert. An technischen Hürden. „Die Datenaustauschprozesse zwischen der Plattform und der Software von etwa 170 Hochschulen funktionieren noch nicht“, so formuliert es der Sprecher der Stiftung für Hochschulzulassung (frühere ZVS), die „Hochschulstart.de“ entwickelt hat. Nun wird der erste Einsatz des Systems verschoben. Studenten- und Hochschulvertreter finden das ärgerlich. Die Verzögerung werde dazu führen, „dass Tausende ihren Weg an die Hochschule nicht finden“, sagt Florian Keller, Vorstandsmitglied des Freien Zusammenschlusses der StudentInnenschaften (FZS). Auch Astrid Irrgang, Leiterin des Studien-Service-Centers der Frankfurter Goethe-Universität, sagt, die Verschiebung gehe zu Lasten der Erstsemester. Rund 17.000 mit Numerus clausus belegte Studienplätze seien im vergangenen Wintersemester aufgrund der Mehrfachbewerbungen nicht besetzt worden - diese Zahl geistert seit einigen Tagen durch die Medien. Die Kultusministerkonferenz will sie weder bestätigen noch dementieren. Auch Irrgang kann sie nicht verifizieren, findet die Größenordnung aber „durchaus plausibel“.

Im kommenden Semester drohen die Schwierigkeiten sogar noch zu wachsen. In Bayern und in Niedersachsen werden doppelte Abiturientenjahrgänge die Schulen verlassen. Und durch das Aussetzen der Wehrpflicht werden Zehntausende junge Männer nicht mehr zur Bundeswehr eingezogen. „Das System scheitert zur Unzeit“, sagt Irrgang.

Neben der Goethe-Universität hatten schon andere Hochschulen im Vorfeld vor Kinderkrankheiten des Portals gewarnt. So wollte die Ruhr-Universität Bochum zuletzt nicht mehr an der ersten Version der Plattform teilnehmen, weil die Software keine Zweifach-Bachelor-Bewerbungen unterstützte. „Wir hätten für zwei Drittel unserer Bewerber zwei Plattformen nebeneinander gebraucht“, sagt ein Universitätssprecher. „Die Arbeit wollten wir uns nicht machen.“ Auch Dortmund, Münster und Düsseldorf hatten die mangelnde Funktionalität des Systems kritisiert.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1980, Redakteurin in der Wirtschaft.

Jüngste Beiträge