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Offene Onlinekurse Das vernetzte Lernen kommt nach Deutschland

Die bekanntesten Internetportale für offene Online-Kurse kommen aus Amerika. Nun haben auch deutsche Hochschulen das Format für sich entdeckt.

Bis vor kurzem waren „Massive Open Online Courses“ (MOOCs), in denen sich Menschen über das Internet zum gemeinsamen Lernen treffen,vor allem in Amerika verbreitet. Das ändert sich: „Deutsche Hochschulen sind dabei, das Format zu entdecken“, sagt Claudia Bremer, Geschäftsführerin von studiumdigitale, der zentralen E-Learning-Einrichtung der Universität Frankfurt. Bremer selbst hat mit zwei deutschsprachigen MOOCs zu pädagogischen Themen experimentiert. „Mir ging es vor allem darum, das Format der hiesigen Bildungsszene nahezubringen“, sagt sie. Ganz nebenbei erhob sie interessante Daten zu den Internetvorlesungen. Wer nutzt sie? Wer hält bis zum Ende durch? Wie viele formelle Abschlüsse gibt es? 1400 Teilnehmer erreichte Bremers jüngstes Angebot schließlich, 900 wollten am Ende Leistungspunkte für den Kurs erwerben. „Das sind natürlich nicht annähernd die Zahlen, die in so manchem Stanford-MOOC erreicht werden“, sagt Bremer. „Aber es ist ein erster Schritt.“

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Es blieb nicht der einzige. Neben kleineren Versuchen, wie zum Beispiel an der Psychologie-Fakultät der Universität Tübingen, stieg im September dieses Jahres das Hasso-Plattner-Institut in Potsdam in das MOOC-Geschäft ein. Über die Plattform „Open HPI“ befasste sich dort der erste Internetlehrgang mit der elektronischen Verwaltung von Unternehmensdaten. Momentan läuft der zweite Kurs; diesmal geht es um die technischen Grundlagen des Internets. Immerhin rund 10 000 Studenten aus 52 Ländern hat Open HPI bislang erreicht.

„Es fehlt oft an Spannung und Disziplin, um als Einzelkämpfer dabeizubleiben“

“Wir begleiten dieses Angebot mit interessanten Forschungsprojekten“, sagt Institutsdirektor Christoph Meinel. „Uns interessiert zum Beispiel, wie virtuelle Labore funktionieren.“ Außerdem will das Institut neuartige Online-Selbsttests entwickeln. Neben dem wissenschaftlichen Interesse ist Meinel ein großer Fan der MOOCs. „Im klassischen E-Learning wurden einfach nur Materialien ins Netz gestellt. Doch die wenigsten Menschen sind totale Autodidakten. Es fehlt oft an Spannung und Disziplin, um als Einzelkämpfer dabeizubleiben.“ Erst die MOOCs hätten dem E-Learning die soziale Komponente hinzugefügt. „Wir schaffen eine Community, in der Lernende und Lehrende ständig in Kontakt treten“, sagt Meinel. Deshalb gibt es auf Open HPI zum Beispiel in der Mitte jeder Woche ein extra Video, das wichtige Fragen aus den Diskussionsforen aufgreift.

Neben den deutschen Angeboten wächst die Zahl der amerikanischen MOOCs. Zu den größeren Plattformen gehört neben Udacity zum Beispiel Coursera, eine Homepage, die wie Udacity von Stanford-Professoren gegründet wurde. Sie bietet Hochschulen ein elektronisches Umfeld zum Einstellen ihrer Kurse. 33 Hochschulen sind dort bereits vertreten, rund zwei Millionen Studenten lernen dort. Weiterhin hat es die Plattform EdX zu einiger Bekanntheit geschafft, ein gemeinsames Angebot der Universitäten Harvard und Berkeley, der University of Texas und des Massachusetts Institute of Technology mit rund 370 000 Studenten. Zu den frühen Versuchen im Bereich der MOOCs gehört die 2009 von dem ehemaligen Hedgefonds-Analysten Salman Khan gegründete „Khan Academy“, die schon mehr als 200 Millionen Onlinelektionen an den Mann und die Frau gebracht hat. Die Legende will es, dass Khan die Idee zu seiner Internetakademie entwickelte, nachdem er Youtube-Videos genutzt hatte, um Verwandten Nachhilfe in Mathematik zu geben.

Wer zum allerersten Mal die Idee hatte, interaktive Online-Kurse anzubieten, ist indes schwer nachzuvollziehen. Ein früher Versuch stammt von zwei Kanadiern, Stephen Downes und George Siemens von der Universität Manitoba. Sie experimentierten 2008 erstmals mit einem derartigen Format. Ihr Kurs gelangte aber nur unter Bildungsexperten zu Bekanntheit. Ihr Thema hingegen wird wohl auch in Zukunft für die MOOCs von Bedeutung bleiben: Unter dem Titel „Connectivism & Connective Knowledge“ beschäftigten sie sich mit der Frage, wie Studenten in Communities vernetzt voneinander lernen.

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Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 14.12.2012, 00:40 Uhr