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Neues Berufsbild Abschluss für Berufsblogger gesucht

28.12.2011 ·  Modernes Marketing kommt ohne Web 2.0 nicht aus. Viele Firmen suchen deshalb Social-Media-Manager. Doch der Beruf muss sich erst noch entwickeln.

Von Andreas Groth
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Sein Studium der Germanistik, Geschichte und Kunstgeschichte führte ihn nach Rom. Als Lektor in einem Verlag widmete er sich später der Belletristik. Viel ist davon nicht geblieben. An die Stelle der Belletristik ist der Blog getreten, die Germanistik Guidelines dem Web 2.0 gewichen. In seinem Blog „Über Internet und echtes Leben“ lädt Christian Buggisch die Leser ein, ihm in seine digitale Welt zu folgen: Twitter, Facebook, Xing, Google+, Flickr oder Foursquare. Seit 2007 ist er Teamleiter in der Online-Kommunikation von Datev. Er gibt dem IT-Unternehmen aus Nürnberg in der digitalen Welt, allen voran den sozialen Medien, ein Gesicht.

Immer mehr Organisationen suchen Fachleute wie Buggisch. Noch existiert allerdings kein konsistentes Berufsbild, und so kursiert eine Vielzahl unterschiedlicher Bezeichnungen für die gefragten Webstrategen: Corporate Blogger, Channel Planner, Social Media Consultant oder Manager. Zwar bieten einige Akademien eine Weiterbildung zum Social-Media-Manager an. Doch einen eigenständigen Ausbildungsgang gibt es bislang nicht. So kommen die Berufsblogger aus verschiedenen Bereichen: manche von den Printmedien, andere aus der PR-Sparte oder dem Marketing, berichtet Buggisch. „Die gängigen Web-2.0-Plattformen muss man aus dem Effeff kennen“, versucht er eine übergeordnete Anforderung auszumachen. Ein abgeschlossenes Studium oder hinreichende Berufserfahrung würden in der Regel auch vorausgesetzt.

Christian Buggisch wird bald Verstärkung bekommen. Dabei ist es eigentlich eher eine Seltenheit, dass in der Marketing-Abteilung von Datev neue Stellen geschaffen werden. Aber gegen einen neuen Social-Media-Manager hatte der Vorstand nichts einzuwenden, erzählt Buggisch. Jetzt wird der Teamleiter einen Stellenbewerber auswählen, der folgende Talente mitbringt: ein abgeschlossenes kommunikations- oder wirtschaftswissenschaftliches Studium, eine hohe Textsicherheit beim Schreiben und Redigieren, ein Gespür für relevante Internettrends, Grundkenntnisse der Suchmaschinenoptimierung und sehr gute Englischkenntnisse.

Indizien für eine wachsende Nachfrage

Auf solche Angebote bewerben sich Vertreter verschiedenster Professionen, vom Anglisten über den Betriebswirt bis hin zum Politologen. Auch beim Alter ist die Spannbreite groß: Jahrgang 1967 ist ebenso vertreten wie 1988. Männer und Frauen halten sich die Waage. Buggisch wird die Netzaffinität derjenigen, die es bis zum Bewerbungsgespräch in die Nürnberger Zentrale schaffen, auf Herz und Nieren prüfen. Besonders wichtig ist ihm dabei, dass die Bewerber einen Blog haben. „Da kann man nicht theoretisch drüber reden, man muss es machen. Das ist die Königsdisziplin.“

Als IT-Dienstleister unterstützt Datev Steuerberater und Rechtsanwälte - freilich auch über Social-Media-Kanäle. Das Unternehmen hat beispielsweise im Januar 2010 eine Diskussionsgruppe auf Xing eingerichtet, die sich an Kanzleigründer richtet. Dort können Probleme rund um Kanzleigründungen diskutiert werden. 2500 Mitglieder zähle die Gruppe mittlerweile, und sie werde von einem Steuerberater und einem seiner Mitarbeiter moderiert, erzählt Buggisch. Der neue Mitarbeiter muss deswegen auch kommunikative Fähigkeiten mitbringen. Da Steuerberater nicht gerade dafür bekannt seien, an der Spitze des Fortschritts zu marschieren, zeige die Gruppe, dass das Interesse an Social Media auch bei eher konservativen Berufsständen groß sei.

Social-Media-Manager leisten sich bislang überwiegend große Firmen. Mehr als ein Viertel der von Aris befragten Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 50 Millionen Euro haben schon Mitarbeiter, die sich um Facebook und Co. kümmern. Weitere 20 Prozent dieser Unternehmen planen, einen entsprechenden Arbeitsplatz in den nächsten sechs Monaten zu schaffen. 17 Prozent der mittelständischen Unternehmen (bis 50 Millionen Euro Umsatz) beschäftigen Netz-2.0-Strategen, 4 Prozent haben es zumindest vor. Die Kleinunternehmen haben mit 4 Prozent noch Platz nach oben. Blickt man auf einzelne Branchen, so zeigt sich das Baugewerbe bislang am zurückhaltendsten: In lediglich 3 Prozent der Bauunternehmen wird auch von Berufs wegen gebloggt und getwittert.

Die Bundesagentur für Arbeit tut sich schwer, schon Trends für das neue Berufsbild auszumachen. Der Social-Media-Manager habe sich als „Tätigkeitsausübung“ noch nicht hinreichend manifestiert, wie ein Sprecher sagt. Dennoch gebe es Indizien für eine wachsende Nachfrage nach Social-Media-Experten. So haben Ende Oktober 2011 IT-Dienstleistungsbetriebe rund 1500 Mitarbeiter mehr gesucht als noch vor einem Jahr. Das entspricht einem Zuwachs von 30 Prozent.

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