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Neue Software : Ein Algorithmus gegen das Terminchaos

  • -Aktualisiert am

Wenn der Überblick fehlt, hilft der Termin-Algorithmus Bild: dpa

An der Technischen Universität Berlin hat eine Mathematikerin eine Software entwickelt, mit der Klausurtermine oder Tutorien mühelos aufeinander abgestimmt werden können.

          Früher sind sie auch an der Technischen Universität Berlin die Sache mit Excel-Tabellen angegangen. In diese wurde dann mit der Hand eingetragen, wann wer welche Termine für seine Klausuren einplant. Doch dann kamen Sparmaßnahmen und die Bologna-Reform. Das bedeutete: mehr Klausuren je Semester und Module mit bis zu 2500 Teilnehmern, die gemeinsam Prüfungen absolvierten, Terminüberschneidungen und schlecht ausgelastete Hörsäle. Das überforderte die Planer. Heute läuft die Planung der Klausurtermine an der TU weitgehend elektronisch. TU-Mitarbeiterin und Mathematikerin Mirjana Lach hat in ihrer Diplomarbeit einen Algorithmus entwickelt, der Platzbedarf, Raum- und Zeitwünsche der Dozenten, Studienverlaufspläne und Mindestabstände zwischen den Klausuren optimal berücksichtigt und vor allem Überschneidungen vermeidet. Das senkt den Stresspegel von Studenten und Planern und sorgt zudem für eine bessere Auslastung der Räume. In Deutschland ist dieses Verfahren einmalig.

          Anfangs hatte Mirjana Lach allerdings Überzeugungsarbeit zu leisten. „Das war ein ziemlicher Kampf, weil viele nicht von ihren gewohnten Terminen abrücken wollten“, erzählt die 31-Jährige. Außerdem musste sie erst einmal alle nötigen Daten zusammentragen. „Per Mail, was ziemlich zeitaufwendig und fehleranfällig war.“

          Immer mehr Befürworter

          Im Sommersemester 2010 ging die „zentrale optimierte und automatisierte Klausurterminplanung“ schließlich mit 116 Klausuren an den Start, im vergangenen Wintersemester waren es schon 197 Klausuren. Und weil die Dozenten ihre Terminwünsche bequem über eine Benutzeroberfläche eingeben und den Klausurplan jederzeit einsehen können, findet die Methode auch unter ihnen immer mehr Befürworter.

          Auch die Vergabe der Tutorienplätze wird von Lach und ihren Kollegen vom Zentrum für Multimedia in Lehre und Forschung (MuLF) algorithmisch abgewickelt. „Früher kam es bei der Einschreibung zu einem regelrechten Massenansturm“, erinnert sich MuLF-Mitarbeiter Erhard Zorn. Nur wer zuerst kam, bekam den gewünschten Platz. Seit dem Wintersemester 2004/05 können sich die TU-Studenten über das „Moses-Konto“ - Moses steht für Mobile Service for Students - für die Tutorien anmelden. Dabei dürfen sie drei Prioritäten vergeben: Eins steht für „an diesem Termin möchte ich sehr gerne“, zwei für „ist mir egal“ und drei für „da ist es für mich sehr ungünstig“. Wenn nach einem Stichtag die Daten vorliegen, rechnet das Programm die beste Lösung aus. Im Wintersemester 2011/12 bekamen auf diese Weise 7700 Studenten in 1001 Tutorien einen Platz. Die durchschnittliche Priorität, die bei der Vergabe erzielt wurde, lag bei 1,2. „Dieses Ergebnis ist optimal“, sagt MuLF-Mitarbeiter Gerald Lach.

          Die Tüftler von der TU wollen ihre Software nun auch in der Vorlesungsplanung einsetzen. Eine Machbarkeitsstudie haben sie schon durchgeführt - allerdings nicht für die TU, sondern für die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule in Aachen (RWTH). Gemeinsam mit den dortigen Wissenschaftlern wollen die Berliner die Software weiterentwickeln und an die Bedürfnisse in Aachen anpassen. Denn dort steht man vor großen Herausforderungen. „Wir erwarten hier in Nordrhein-Westfalen im Wintersemester 2013/14 doppelte Abiturjahrgänge“, erklärt Martina Dahm, Teamleiterin der Lehr- und Prüfungsplanung.

          Entsprechend werden die Studentenzahlen an der RWTH steigen, und die ohnehin schon schwierige Lage in den Hörsälen noch wird komplizierter werden. „Wir wollen diese besondere Situation aber nicht nur irgendwie bewältigen, sondern sie dafür nutzen, die Studierbarkeit zu verbessern“, ergänzt die Diplom-Ingenieurin. Dafür brauche es ein Werkzeug, das den vielen Rahmenbedingungen in Aachen gerecht werde. Ein Werkzeug, wie es die Berliner entwickelt haben.

          Quelle: F.A.Z.

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