Home
http://www.faz.net/-gyl-79pwo
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
Frauen und Karriere

Neue Schreibweise Nur noch „Professorinnen“ an der Uni Leipzig

Wer die männliche Bezeichnung „Professoren“ nutzt, meint damit in der Regel auch die Professorinnen. Die Uni Leipzig will es künftig umgekehrt machen und nur noch weibliche Bezeichnungen verwenden.

© picture alliance / ZB Vergrößern Beate Schücking ist Hochschulrektorin in Leipzig und von den neuen Bezeichnungen überzeugt.

Universitäten bemühen sich seit Jahren, Männer und Frauen sprachlich gleich zu behandeln. Schreibweisen, die beide Geschlechter einschließen, sollen dafür sorgen, dass sich Frauen nicht diskriminiert fühlen. Die Universität Leipzig geht nun einen Schritt weiter. In ihrer neuen Verfassung sind nur noch weibliche Bezeichnungen vorgesehen.

Mit „Professorin“ ist damit künftig auch ein Mann gemeint. Darauf soll dann eine Fußnote in der Verordnung hinweisen. Während sich Feministinnen freuen, zweifeln Männervertreter an der Wirkung. In Kraft getreten ist die neue Grundordnung noch nicht.

Ein großes Hochschulgremium habe beschlossen, statt der üblichen Form, in der sich die weibliche Schreibweise mit einer Fußnote begnügen müsse, umgekehrt vorzugehen, sagte die Leipziger Hochschulrektorin, Beate Schücking. Die neue Regelung verdeutliche, dass Frauen heute in der Universität in der Mehrheit seien.

Mehr zum Thema

Dass Studenten ihre Professoren künftig mit „Herr Professorin“ ansprechen müssen, schließt sie aber aus. Schücking betonte, „dass diese Neuerung auf den Alltag an der Universität und auf den universitären Sprachgebrauch keinerlei Auswirkungen haben wird.“
Das sächsische Wissenschaftsministerium als Aufsichtsbehörde hat noch einige Wochen Zeit, Änderungen an der Grundordnung zu fordern. An der sprachlichen Neuerung werde sein Haus aber nichts monieren, sagte Ministeriumssprecher Karltheodor Huttner. Sie unterliege der Autonomie der Uni. Sie sei eher eine „Geschmacks- als Rechtsfrage“, sagte er.

Die feministische Autorin Luise Pusch freut sich über die „überfällige“ Regelung. Bisher würden Frauen bei männlichen Bezeichnungen immer mitgemeint. „Das sollen wir einfach so schlucken und uns nicht so haben. Warum eigentlich?“, fragte sie. Pusch ist überzeugt, das diese Praxis nur „Machtgründe“ habe.

Klaus Schwerma, Fachreferent im Bundesforum Männer, hält eine Fußnote nicht für ausreichend. Die weibliche Form könne zwar eine Diskussion entfachen. „Aber es kommt insgesamt darauf an, die Entscheidungs- und Arbeitsstrukturen, zu verändern“, betonte er mit Blick auf die Gleichberechtigung.

Duden empfiehlt Sprache, die beiden Geschlechtern gerecht wird

Der Gleichstellungsbeauftragte der Uni Leipzig, Georg Teichert, sieht das ähnlich: Die Idee der neuen Schreibweise, die von Physikprofessor Josef Käs stamme, sei interessant. „Sie ändert aber nichts an der tatsächlichen Diskriminierung von Frauen“, sagte Teichert.

Im Duden gibt es nach Angaben von Chefredakteur Werner Scholze-Stubenbrecht bereits Empfehlungen für eine Sprache, die beiden Geschlechtern gerecht wird. Dass die Leipziger Variante nun Schule machen könnte und der Duden auch diese aufnimmt, kann er „nicht so recht glauben“.

Quelle: DPA

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Geschlechterrollen Frauen, die Großwild jagen

Keine Märchen mehr: Ein Buch und eine Freiburger Ausstellung widmen sich den Männern und Frauen der Steinzeit. Die Geschlechterforschung verdankt der Urgeschichte neue Einsichten. Mehr Von Julia Voss

19.04.2015, 14:48 Uhr | Feuilleton
Rassistische Praktikumsabsage Indischer Außenminister sieht Missverständnis

Der stellvertretende indische Außenminister Vijay Kumar Singh hat zu einer umstrittenen Äußerung einer Professorin von der Universität Leipzig Stellung genommen. Sie hatte die Bewerbung eines indischen Studenten auf einen Praktikumsplatz mit Hinweis auf die jüngsten Vergewaltigungsfälle in dem Land zurückgewiesen. Mehr

11.03.2015, 11:00 Uhr | Gesellschaft
Geschlechtsneutrales Pronomen Er, sie, hen

Mit einem geschlechtsneutralen Pronomen im Wörterbuch haben die Schweden eine jahrzehntelange Debatte beendet. In Deutschland ist ein eigenes Fürwort für transsexuelle Menschen in der Öffentlichkeit kaum ein Thema – bislang. Mehr

15.04.2015, 16:38 Uhr | Gesellschaft
Rund und schön Afrikanerinnen stehen zu ihren Kurven

Vielerorts in Afrika entsprechen weibliche Rundungen dem traditionellen Schönheitsideal - in Gabuns Hauptstadt Libreville allerdings ist der Druck auf Frauen groß, schlanken westlichen Topmodels zu ähneln. Mehr

13.01.2015, 09:49 Uhr | Gesellschaft
Vielfalt in Unternehmen Wer diskriminiert, verliert

Belegschaften waren schon immer bunt. Unternehmen fördern jedoch die Vielfalt ihrer Mitarbeiter immer gezielter. Das Zauberwort: Diversity Management. Das Ganze folgt wirtschaftlichem Kalkül. Mehr Von Ulrich Friese und Eva Heidenfelder

20.04.2015, 06:00 Uhr | Beruf-Chance
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 05.06.2013, 16:19 Uhr