Home
http://www.faz.net/-gyq-y8fd
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Minderleister Leider hochbegabt

Viele überdurchschnittlich intelligente Kinder bringen schlechte Noten nach Hause. Denn wer in der Schule unterfordert wird, schaltet ab - oder wird zum Klassenclown. Hochbegabte brauchen deshalb eine besonders gute Förderung.

© Vergrößern Ein hoher IQ ist keine Garantie für Freude am Unterricht

Lieber ein glückliches normal begabtes Kind als ein unglückliches hochbegabtes - wer sich mit Eltern überdurchschnittlich talentierter Kinder unterhält, hört diesen Satz oft. Es fällt schwer, ihn zu akzeptieren. Leben wir nicht in einem Land, das wegen seiner Armut an natürlichen Ressourcen auf den geistigen Reichtum seiner Bevölkerung angewiesen ist? Und müssten wir nicht auch jene fördern, die zu intellektuellen Höchstleistungen fähig sind? Spricht man Hochbegabten doch viele wertvolle Eigenschaften zu: Sie sind kritisch und verantwortungsbewusst. Sie engagieren sich sozial und haben einen starken Sinn für Gerechtigkeit.

Lisa     Becker Folgen:    

Doch leider scheitern nicht wenige irgendwo irgendwann im deutschen Bildungssystem. Ein großer Teil wird nicht einmal entdeckt. Aber selbst von den Kindern und Jugendlichen, deren Hochbegabung erkannt wird, können sich viele nicht entfalten. Sie schreiben in der Schule Noten, die ihre Fähigkeiten nicht abbilden, und landen später in Berufen, in denen sie sich nicht verwirklichen können.

Mehr zum Thema

Auffallend intelligent sind Menschen mit einem Intelligenzquotienten (IQ) von 115 und mehr. Das dürfte auf etwa 16 Prozent der Bevölkerung zutreffen. Einen IQ von mindestens 130 haben nur noch rund zwei Prozent aller Menschen, sie bezeichnet man als hochbegabt. In der Schule aber gehören viele von ihnen, ob entdeckt oder unentdeckt, bestenfalls zum Mittelfeld ihrer Klasse. Weil sie ihr geistiges Potential nicht ausnutzen können, bezeichnen Experten sie als „Minderleister“ oder „Underachiever“.

GilbertHeß © privat Vergrößern Gilbert Heß

Dreien und Vieren in der Schule

Auch die beiden hochbegabten Söhne von Gilbert Heß aus Göttingen können ihre Leistungsstärke im Gymnasium kaum abrufen. Ihre Eltern sind vielmehr ständig besorgt, dass sie „nicht nach unten abrutschen“. Heß, ein promovierter Philologe, der zurzeit an seiner Habilitationsschrift arbeitet, kann sich an den Fähigkeiten seiner Kinder oft nicht freuen. Zu viele Hürden seien ihnen schon in den Weg gestellt worden, berichtet der Vater. Und so kommt der Elfjährige mit Dreien und Vieren nach Hause, der Zwölfjährige hat manchmal sogar noch schlechtere Noten. „In der Schule werden oft nur Fakten abgefragt“, sagt Heß. Dafür interessierten sich Hochbegabte aber nicht so sehr; sie sprächen eher die hinter den Dingen stehenden Zusammenhänge an. „Sie möchten auch wissen, warum sie etwas lernen sollen“, erklärt Heß. Einmal durfte sein älterer Sohn schon als Grundschüler einen naturwissenschaftlichen Kurs im Gymnasium besuchen. Doch er kehrte enttäuscht zurück: Es seien nur Temperaturen gemessen worden, berichtete er. Wozu das gut sein sollte, wurde nicht erklärt.

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Sexualaufklärung in Schulen Unter dem Deckmantel der Vielfalt

Kinder sollen ihre Lieblingsstellung zeigen, Puffs planen, Massagen üben. Die sexuelle Aufklärung missachtet Grenzen. Die Politik will es so. Kinderschützer schlagen Alarm. Mehr Von Antje Schmelcher

14.10.2014, 17:00 Uhr | Politik
Die Schüler müssen im Kellerloch lernen

Unterricht trotz Bomben: Auch im blutigen Bürgerkrieg soll es für Kinder im syrischen Aleppo einen Hauch von Normalität geben. Eine Schule in der einstigen Wirtschaftsmetropole hat deshalb in einem Keller Zuflucht gefunden. Doch auch im unterirdischen Klassenzimmer ist die Angst bei vielen Schülern allgegenwärtig. Mehr

13.09.2014, 14:54 Uhr | Aktuell
So rettet man Leben Drücken ist Ihre Pflicht

Die Politik will, dass Kinder nun in der Schule lernen, wie Wiederbelebung funktioniert. Ein wichtiger Schritt, denn Deutschland ist in Sachen Erste Hilfe Schlusslicht in Europa. Warum bloß? Mehr Von Lucia Schmidt

08.10.2014, 17:19 Uhr | Gesellschaft
Schulbeginn in den Trümmern

Nach der israelischen Offensive hat das Schuljahr für die Kinder im Gazastreifen mit dreiwöchiger Verspätung begonnen. Die Lehrer wollen die ersten Unterrichtsstunden nutzen, um die traumatisierenden Erlebnisse mit ihren Schülern aufzuarbeiten. Mehr

14.09.2014, 19:50 Uhr | Politik
Armutseinwanderung Kämpfen, damit sie nicht entgleiten

Dortmund tut viel, um die Kinder von Armutseinwanderern aus Südosteuropa zu integrieren. Aber manche verschwinden einfach irgendwann oder landen auf der Straße. Es ist ein täglicher Kampf für die Integration. Mehr Von Reiner Burger, Dortmund

15.10.2014, 09:54 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 26.12.2009, 07:00 Uhr