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Mehr als 300.000 : Studentenrekord aus dem Ausland

  • Aktualisiert am

Kluge Köpfe aus dem Ausland: Die deutsche Politik bemüht sich stark um sie. Bild: ZB

Mehr als 300.000 ausländische Studierende sitzen mittlerweile in deutschen Hörsälen. Die Politik jubelt und wünscht sich sogar noch mehr. Dabei hapert es ziemlich an der Integration.

          In deutschen Hörsälen stammt mittlerweile jeder neunte Student aus dem Ausland. Im Jahr 2014 waren 301.350 ausländische Studierende hierzulande eingeschrieben. Das ist ein Rekord: Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl um sieben Prozent gewachsen; seit vielen Jahren steigt sie kontinuierlich; nach den Vereinigten Staaten und Großbritannien ist Deutschland für ausländische Studierende inzwischen das beliebteste Gastland. Trotzdem hapert es weiterhin an der Integration der ausländischen Studenten.

          Das sind die Ergebnisse der Studie “Wissenschaft weltoffen“ die das Bundesbildungsministerium (BMBF) an diesem Mittwoch gemeinsam mit dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) vorgestellt hat. Schwerpunktthema der Untersuchung sind Masterstudenten aus dem Ausland, weil sie derzeit in besonders hoher Zahl nach Deutschland kommen. Beliebt sind vor allem die Ingenieurswissenschaften - ein Bereich, in dem die deutsche Wirtschaft immer wieder über zu wenig qualifizierten Nachwuchs klagt.

          Insgesamt hat sich die Zahl der internationalen Masterstudierenden seit 2008 mehr als verdreifacht und liegt aktuell bei 67.000. Und es sind gute Studenten: 91 Prozent schließen erfolgreich ab; eine außerordentlich hohe Quote. Und - auch das ist eine gute Nachricht für die fachkräftesuchenden Arbeitgeber - viele von ihnen planen keineswegs ihre sofortige Abreise in die Heimat. 60 Prozent wollen auch nach Ende ihres Studiums mindestens eine Zeitlang in Deutschland bleiben. „Wir brauchen die besten Köpfe von überall her, um unsere Innovationskraft zu erhalten und den demografischen Wandel zu meistern“, sagte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU).

          Bund und Länder haben es sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2020 mindestens 350.000 ausländische Studierende an den Hochschulen hierzulande auszubilden. Aufgrund der aktuellen Zahlen prognostiziert das Bildungsministerium, dass dieses Ziel sogar schon vorzeitig erreicht wird. „Die weltweite Mobilität fördert nicht nur den wissenschaftlichen und kulturellen Austausch, wir möchten auch gute Fachkräfte für uns gewinnen“, sagte Wanka.

          Am Wohlfühlfaktor für die angehenden Akademiker in Deutschland fehlt es allerdings oft noch: Im alltäglichen Uni-Leben der Masterstudenten herrscht sogar häufig absolute Funkstille zwischen in- und ausländischen Kommilitonen. Nur 45 Prozent der befragten ausländischen Masterstudenten sind der neuen Studie zufolge häufig im Gespräch mit ihren deutschen Mitstudenten. Noch seltener reden sie mit Dozenten oder mit Menschen außerhalb des Unibetriebs. Fast die Hälfte nimmt noch kaum am sozialen Leben außerhalb der Universität teil: 48 Prozent der Master- und 49 Prozent der Bachelorstudenten fühlt sich nicht gut in das Leben außerhalb der Hochschule integriert.

          Gute Englischkenntnisse und die Möglichkeit den Studienalltag auf Englisch zu bewältigen führen offenbar dazu, dass es bei vielen auslädischen Masterstudenten an den Deutschkenntnissen hapert: Fast 30 Prozent der Befragten bezeichnen ihre Deutschkenntnisse als schlecht - während sich oft diejenigen besonders gut integriert fühlen, die auch gut Deutsch sprechen. Die Vermittlung von Deutschkenntnissen spiele bei der Integration eine entscheidende Rolle, entsprechenden Angeboten müsse an den Hochschulen noch mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden, sagte Wanka.

          Erst kürzlich hatte eine Studie des Forschungsbereichs beim Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) gezeigt, dass bleibewillige ausländische Studenten auch nicht ausreichend beim Wechsel von der Hochschule ins Berufsleben unterstützt werden. Zu viel Papierkram, zu wenig Bewerbungshilfen und Vorurteile bei den Arbeitgebern: Trotz großzügiger rechtlicher Bleibemöglichkeiten scheiterten viele internationale Absolventen in der Bewerbungsphase zunächst über längere Zeit, hieß es in der Untersuchung. Unter denjenigen Absolventen, die bleiben, ist laut der Studie fast ein Drittel mindestens ein Jahr auf Arbeitssuche.

          Und wo kommen die ausländischen Studierenden her? Etwa die Hälfte stammt aus Europa, doch Asien gewinnt immer mehr an Bedeutung. Die meisten so genannten „Bildungsausländer“ stammen schon seit Jahren aus China, auf Platz zwei steht ebenfalls schon seit Jahren Russland. Eine neue Entwicklung ist das stark gesteigerte Interesse indischer Studierender an Deutschland; Indien hat 2014 zum ersten Mal Rang drei der Herkunftsländer erreicht; allein von 2013 bis 2014 hat sich die Zahl der indischen Studenten in Deutschland um 29 Prozent erhöht.

          Quelle: nab.

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