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Medizinstudium in Frankfurt : „Die Qualität der Lehre zählt für die Karriere kaum“

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In manchen Punkten einig: Chirurg Robert Sader, Student Pascal Schnalke. Bild: Wonge Bergmann

Im Internet beschweren sich Studenten heftig über die Zustände im Frankfurter Medizinstudium. Ein Professor und ein Fachschaftsvertreter diskutieren darüber, was von den Klagen zu halten ist.

          „Katastrophal“, „Schikane“, „Depression im Abo“: Das sind Kommentare von Medizinstudenten zu den Studienbedingungen an der Uni Frankfurt, zitiert in einem Artikel für die Online-Community „Doc Check“. Herr Schnalke, macht Sie das Studium hier auch depressiv?

          Schnalke: Nein. Dass ich in der Fachschaft mitarbeite, zeigt ja schon, dass ich motiviert bin, etwas zu verändern. Es gibt am Fachbereich viele positive Entwicklungen. Aber wenn jemand Depressionen entwickeln sollte, dann nehmen wir das natürlich ernst.

          Herr Sader, was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie so drastische Kritik lesen wie die eingangs zitierte?

          Sader: Natürlich trifft es einen, wenn jemand etwas Schlechtes über einen sagt. Aber die Vorwürfe selbst kann ich in keiner Weise nachvollziehen. Daher hält sich mein Ärger in Grenzen.

          In dem Internetartikel und den Kommentaren dazu werden unter anderem unfaire Prüfungsfragen, gnadenloses Aussieben, Desinteresse von Professoren an der Lehre und Raummangel beklagt. Herr Schnalke, welche dieser Kritikpunkte teilen Sie?

          Schnalke: Was ich sehe, ist vielleicht nicht Desinteresse, aber zum Teil eine Überforderung der Dozenten mit der Lehre. Schon die Versorgung der Patienten nimmt den Großteil der Arbeitszeit ein, und dann sollen sie auch noch forschen und lehren. Da werden Studierende als eine weitere von vielen Lasten empfunden. Das ist jedoch kein Frankfurt-spezifisches Problem.

          Welche Vorwürfe können Sie nicht nachvollziehen?

          Schnalke: Von „gnadenlosem Aussieben“ würde ich nicht sprechen. In anderen Studiengängen ist die Durchfallquote wesentlich höher. Medizinstudenten haben oft ein sehr gutes Abitur gemacht. Wenn jemand dann im Studium plötzlich nicht mehr zu den Besten gehört, kann das für ihn sehr frustrierend sein. Aber auch das hat nichts mit „Aussieben“ zu tun. Im vorklinischen Studium sind die Dozenten sehr bemüht, die Studierenden gut auf das Physikum vorzubereiten.

          Und wie ist es mit den Lehrenden im klinischen Studienabschnitt, für den Sie, Herr Sader, zuständig sind?

          Sader: Dass Ärzte sich in der Klinik um Forschung, Lehre und Patienten kümmern müssen, hat Vor- und Nachteile. Positiv ist, dass die Lehrenden mit der Praxis und mit den neuesten Methoden der Wissenschaft vertraut sind und dies an die Schüler weitergeben können. Ein Problem besteht darin, dass die Krankenversorgung nicht immer planbar ist. Bei Operationen oder Notfällen kann kurzfristig die Kompetenz eines Oberarztes gebraucht werden, der dann nicht in die Vorlesung kann und Ersatz schickt. Das passiert nicht in großem Ausmaß, aber es kommt regelmäßig vor.

          Schnalke: Ein Arzt darf durchaus in Patientenversorgung und Forschung eingespannt sein. Aber die Lehre muss auch zu ihrem Recht kommen. Bei der Habilitation liegt der Schwerpunkt klar auf der Forschung: In Frankfurt muss man acht Publikationen als Erstautor verfassen. Wie soll da noch Zeit für die Lehre bleiben?

          Reiben sich wirklich alle Dozenten zwischen Forschung, Lehre und Klinik auf, oder gibt es auch solche, die es eher locker angehen lassen?

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