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Veröffentlicht: 23.02.2017, 13:57 Uhr

Anspruchsvolles Studium Keine Angst vor Mathe!

Mathematiker haben exzellente Chancen am Arbeitsmarkt. Doch viele schreckt das harte Studium ab. Dabei lässt sich früh herausfinden, wer sich für logisches Denken und abstrakte Beweisführung eignet.

von Rainer Weihofen
© mauritius images Quod erat demonstrandum: Wer rechnen kann, hat gute Chancen.

In der Schule war alles so einfach. Differenzieren, integrieren, Gleichungssysteme lösen - alles kein Problem. Und jetzt das: „Beweisen Sie, dass es nur eine Null gibt.“ Der Schock sitzt tief. Das erste Semester des Mathematikstudiums hat eben erst begonnen, und schon schleichen sich Zweifel ein, ob die Studienwahl wohl die richtige ist. Bei vier von fünf Studienanfängern im Fach Mathematik werden die Zweifel so groß, dass sie das Studium oft schon im ersten oder zweiten Semester abbrechen, wie eine Studie von Günter Törner und Miriam Dieter von der Universität Duisburg-Essen ergab. Dabei lohnt es sich, die Flinte nicht gleich ins Korn zu schmeißen. Denn die Berufsaussichten für Mathematiker sind ausgezeichnet.

Warum fällt aber gerade in diesem Fach der Sprung von der Schule an die Hochschule so schwer? Fast alle Studienanfänger haben zunächst große Probleme damit, die Hürde vom schulischen Rechnen zur wissenschaftlichen Mathematik zu überwinden. Und diese Hürde ist tatsächlich sehr hoch. Wer ein Mathematikstudium ins Auge fasst, hatte in der Schule mit dem Rechnen sicher keine Probleme. Er oder sie - fast die Hälfte der Erstsemester ist weiblich - wird die Rechenregeln für die Null beherrschen und wissen, dass eine Division durch diese Zahl „verboten“ ist. Im Mathematikstudium wird nun alles, was in der Schule unterrichtet wurde, noch einmal thematisiert. Allerdings aus einer vollkommen anderen Perspektive. Rechenregeln treten in den Hintergrund, und der mathematische Beweis rückt ins Zentrum. Die Mathematik wird vollständig abstrakt, und alles, was man zu wissen glaubt, wird hinterfragt. Warum ist zwei plus zwei gleich vier? Und was ist das Besondere an dieser Null, für deren Eindeutigkeit es offenbar eines Beweises bedarf?

 
Das Mathe-Studium ist hart. Wer’s schafft hat gut Lachen: Für Mathematiker gibt’s Vollbeschäftigung.

Mathematik kennt keine Kompromisse. Die Antwort auf eine mathematische Frage ist entweder richtig oder falsch, oder sie ist noch nicht gefunden. Es gibt kein „Sowohl als auch“, und es gibt keinen Raum für unterschiedliche Sichtweisen wie zum Beispiel in den Wirtschaftswissenschaften. Mathematikstudenten lernen, aufbauend auf abstrakten Objekten und Axiomen, mit strengen, rein logischen Beweisketten Antworten auf die unterschiedlichsten Fragen zu finden. Diese Fähigkeit macht Mathematiker für die Wirtschaft sehr begehrt.

Unter Mathematikern herrscht Vollbeschäftigung

Die Deutsche Mathematiker-Vereinigung schätzt, dass lediglich 0,8 Prozent aller erwerbsfähigen Absolventen mit dem Hauptfach Mathematik arbeitslos sind. Mithin herrscht Vollbeschäftigung unter Mathematikerinnen und Mathematikern. Sie arbeiten nicht nur als Wissenschaftler in der Forschung oder als Lehrer in der Schule, sondern haben mit ihrer strukturierten und formalisierten Denkweise viele Branchen erobert. Versicherungen und Finanzinstitute setzen zur Risikoabschätzung schon lange auf die Fähigkeiten von Mathematikern. Die Automobilindustrie braucht sie für komplexe Simulationen, ebenso Flugzeug- oder Maschinenbauer. Auch Unternehmensberatungen haben den Wert mathematischen Denkens erkannt und bieten Absolventen interessante Perspektiven. Darüber hinaus wird die rasant fortschreitende Digitalisierung der Wirtschaft die Aussichten für Mathematiker weiter verbessern. Lehramtsstudenten profitieren zur Zeit von einem sehr hohen Ersatzbedarf im Fach Mathematik an vielen Schulen.

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