22.09.2011 · Vielen Studenten graut es vor Mathematik - häufig brechen sie ihr Ingenieurstudium deshalb ab. Immer mehr Hochschulen steuern mit Kursen und Tests dagegen.
Von Florian VollmersRichtlinien für Lesermeinungen
Die FAZ.NET-Redaktion bietet allen registrierten und eingeloggten Nutzern die Möglichkeit, sich mit den aktuellen Beiträgen auf FAZ.NET konstruktiv und kritisch auseinanderzusetzen und eigene Leser-Kommentare zu veröffentlichen. Für jede Meinungsäußerung stehen 1000 Zeichen zur Verfügung. Voraussetzung für eine Veröffentlichung ist, dass die Verfasser und Verfasserinnen ihren wirklichen Namen nennen, d.h. in ihrer FAZ.NET-Registrierung den korrekten Vor- und Nachnamen eingetragen haben. Im Falle der Veröffentlichung des Leser-Kommentars weisen wir am Beitrag sowohl den Klarnamen als auch den Nickname des Lesers aus. Unter Pseudonym oder anonym verfasste Texte können nicht berücksichtigt werden.
Veröffentlicht werden nur Beiträge, die auf den jeweiligen Artikel und sein Thema seriös und sachbezogen eingehen. Links- und rechtsradikale, pornographische, rassistische, beleidigende, verleumderische sowie ruf- und geschäftsschädigende Inhalte können nicht berücksichtigt werden, ebenso wenig sachlich falsche oder in angemessener Zeit nicht nachprüfbare Behauptungen. Links sind in den Leser-Kommentaren von FAZ.NET nicht gestattet. Die Redaktion behält sich vor Leser-Kommentare zu kürzen oder zu modifizieren. Jeder verfasste Beitrag wird von der Redaktion geprüft und schnellstmöglich veröffentlicht, sofern er diesen Richtlinien für FAZ.NET-Lesermeinungen nicht zuwiderläuft. Nutzern, die wiederholt versuchen, den Richtlinien nicht entsprechende Beiträge zu veröffentlichen, kann die Registrierung entzogen werden.
Für veröffentlichte Meinungsbeiträge gewähren Sie uns das unentgeltliche, zeitlich und örtlich unbegrenzte und nicht ausschließliche Recht, diese Aussagen ganz oder teilweise zu nutzen, zu vervielfältigen, zu modifizieren, anzupassen, zu veröffentlichen, zu übersetzen, zu bearbeiten, zu verbreiten, aufzuführen und darzustellen, Dritten einfache Nutzungsrechte an diesen Aussagen einzuräumen sowie die Aussagen in andere Werke und/oder Medien zu übernehmen.
Wir möchten Sie ausdrücklich darauf hinweisen, dass der gesamte Auftritt von FAZ.NET von verschiedenen Suchmaschinen intensiv ausgewertet wird und die Inhalte dort auch gelistet werden. Das schließt die Leser-Kommentare automatisch ein, so dass diese auch über FAZ.NET hinaus im Internet jederzeit recherchierbar sind.
Nicht die Mathematik sondern der Mathematikunterricht
.. ist die Hürde an der die Studenten scheitern. In welchem anderen Fach ist es Usus, dass nur max 2% der Vorlesung im Grundstudium direkt folgen koennen.
Wir sassen damals sprachlos in der Vorlesung, verstanden kein Wort, und mussten uns mühsam in den Übungen die Dinge selber beibringen.
Die Älteren Semester troesteten uns damit, dass es allen so gehe, und man sich keine Sorge machen solle, bis zum Hauptstudium waere der Groschen dann auch gefallen.
Ich habe spaeter theoretische Mathematik unterrichtet: es war ein ständiger Kampf gegen die in den ersten Semestern antrainierte Unmündigkeit.
Der Artikel zeigt eigentlich sehr schön, warum Mathematik ein so schlechtes Ansehen hat, indem ein wichtiger Aspekt der Mathematikdefizitmisere gar nicht betrachtet wird, und das ist die Tatsache, daß das Schulfach mit Namen Mathematik nicht allzu viel mit der gleichnamigen Wissenschaft zu tun hat. Zumindest in meiner Schulzeit (Abi '90) habe ich Mathematik als "Kampfrechnen" erlebt. Die eigentliche Bedeutung der Mathematik als Strukturwissenschaft, also die Lehre von abstrakten Denksystemen, kam zu kurz. Das Fach wurde auch kaum systematisch aufgebaut, wie es an der Universität selbstverständlich ist. Ich habe mir dann selber geholfen und Anfängerlehrbücher für die Uni im Selbststudium erschlossen, weil ich meine Noten in Mathematik nicht akzeptabel fand. Danach waren Mathematik und später Physik meine Lieblingsfächer. Es kann auch nicht darum gehen, Mathematik gegen andere zur Allgemeinbildung zählende musische Fächer auszuspielen, wie einige hier im Forum glauben. Man muß nur endlich einmal wagen, Mathematik zu unterrichten und nicht "Kampfrechnen". Wie das geht, zeigt exemplarisch das Mathematikum in Gießen, dessen Besuch ich jedem (und jeder Schulklasse) wärmstens empfehle, denn "Mathe macht glücklich" :-).
ja sie haben recht lernfernsehen und radio gibt es nicht mehr.
aber wenn sie mal bei youtube schauen,dort bieten privatleute und professoren erklärungen für fast alle probleme.
ich habe mir dort kinematik,differential und integralrechnen beigebracht.
auch wenn die videos nur ein paar hundert leute schauen die sind absolute spitze.
ps: ich studiere auch richtung dipl.ing
@her drente
ich hingegen hatte nie ein interresse an geisteswissenschaften aber ein großes interresse an den naturwissenschaften.
Jetzt geht das Gejammer wieder los, und gleich werden Geistes- und Ingenieurswissenschaften gegeneinander abgewogen. Beides gehört auf den Lehrplan. Beide Richtungen ergänzen einander, und wer wirklich gut in einer ist, hat zumindest ein Interesse an der anderen.
Und genau die rein wertmäßige Beurteilung von Faktenwissen, das sich Studenten freudlos reinschaufelt, mindert die Lerneffekt. - Was hier im Artikel etwas überzogen als "Mathematik" bezeichnet wird, sind für TUs zu 80 Prozent Rechenschemata - bei FHs sind es 100%. Wer die Grundlagen nicht in der Schule gelernt hat und auch nicht in der Lage ist, sich dieses Wissen aus einem der Zig Lehrbücher in jeder Unibibliothek zu saugen, dem wäre ich dankbar, einen anderen, für ihn geeigneteren Beruf zu wählen.
Ich muss da was korrigieren. Immer mehr Hochschulen steuern dagegen mit Kursen etc. Welche "immer mehr" sollen das sein. Ich bin Schuklabgangsjahr 1959. Aucgh damals reichte der verabreichte Schullernstoff für die uni keineswegs aus. Auch damals wurde in den Naturwissenschaften ein Vorkurs in Mathe abgehalten. Damals, also vor 1959 hatten wir zwischen 5 bis sieben Stunden pro Woche dieses Fach, bei natürlich einer 6-Tage-Schulwoche.
Es war allerdings damals wie auch heute eine Frage der jeweiligen Lehrer. Ich hatte das Glück Lehrer zu haben, die nebenberuflich wissenschaftlich an Instituten und in Firmen arbeiteten und uns Schülern, wann immer möglich, uns auf ihren "Reisen" mitzunehmen und teilhaben zu lassen.
Bei meinen Kindern stellte ich fest, dass gerade dieses Fach viel zu aufgebauscht ist. Das wirkt abschreckend mit der Folge, dass sich viele Schüler einfach verabschieden. Junge Leute in der Schule bereits mit Zahlentheorie zu konfrontieren, dabei aber die Infinitesimalrechnung, Verktorrechnung, vor allem aber Trigonometrie bestenfalls nur kurz zu streifen, führt dann an der Uni in den entsprechenden Bereichen (Physik, Chemie, Ingenieurwissenschaften usw.) zu den bejklagten Abbrüchen.
Die mathematischen Voraussetzungen für ein Hochschulstudium sind schlecht!
Ich hatte Mathe-Leistungskurs; Mathematik, Musik und Kunst habe ich aus dem NDR-Schulfunk! Und ich bin Dr.-Ing.. Meine Tochter hat vor 2 Jahren ebenfalls Abitur mit Mathe-Leistungskurs glanzvoll absolviert und trat schwach vorbereitet in einer TU an. Das Schulniveau ist gesenkt worden und das TU-Niveau in etwa gleich geblieben!
Wir haben lange nach den Ursachen geforscht, bis wir auf meine alten Mathe-Bücher stießen. Die Anforderungen an Mathe-Schüler sind sukzessive herabgesenkt worden, um die Grundlagen auf breiter Basis überhaupt auszubilden. Nur damit können die Besitzer einer Allgemeinen Hochschulreife im Durchschnitt auf den Unis und FH's wenig anfangen. Das ist Fehler des Schul- und Bildungssystems und deren Entwickler sowie politischen Befeuerer!
Die Liebe zu Naturwissenschaften und zur Mathematik habe ich aus dem Radio. Alle sprechen von Bildung! Nur: das Angebot an werthaltiger Bildung in den Medien wird schlechter, Schulfernsehen und -radio gibt es m.W. überhaupt nicht mehr! Ergo, sind die GEZ-gepimperten Medien nicht aufgestellt, um die Kinder in der Ausbildung zu betreuen, Vorlieben auszubilden und zu befeuern. Das ist der Widerspruch in allen Verlautbarungen unserer Bildungspolitiker in Politik und Medien!
... noch gerade so mit 4.3 in Mathe durchgekommen, fuer einen Dipl. Ing der E-technik vermutlich keine Glanzleistung. Dennoch bin ich spaeter "relativ" erfolgreich geworden, verantwortlich fuer Umsaetze im zweistelligen Millionenbereich, dies im Exportbereich fuer einen deutschen Elektronikhersteller. Auch der Ingenieur wird in Feldern benoetigt fuer die Mathe nicht mehr so relevant ist. Bereiche waeren: Service, Applications, Sales, Export, Software (je nachdem) ...
Oh,oh, Frau Müller-Schmidt, da widerspreche ich heftigst.
Unsere Kinder sollen doch keine kleinen Roboter oder Computer werden - oder?
Musische Fächer, wie Kunst und Musik z.B., werden immer wieder unterschätzt. Musik ist nichts anderes als sinnlich erlebbare Mathematik, im Kunstunterricht werden der persönliche Ausdruck und die Kreativität gefördert. Meiner Ansicht nach kann es von diesen Fächern nicht genug geben. Das große Problem ist, daß die Kinder heute viel mehr passiv aufnehmen als aktiv erarbeiten - das Musik-Hören ist ein typisches Beispiel dafür. Sie haben einfach keinen Raum und keine Zeit mehr, selbst herumzuprobieren. In der Nachkriegszeit, in der ich groß geworden bin, hatten unsere Eltern genug damit zu tun, die Familie vor dem Verhungern und Erfrieren zu bewahren, sie konnten gar nicht auf uns aufpassen. Wir spielten daher überall, wo es uns interessant erschien, von der Müllhalde angefangen bis hin zu einsturzgefährdeten Ruinen - heute undenkbar. Mein Wissen über und meine Liebe zu den Naturwissenschaften rührt aber genau daher: Ich konnte völlig ungehindert meine Beobachtungen machen und meine Versuche anstellen, ich konnte tun statt denken und das, seitdem ich laufen konnte. Das fehlt unserem Nachwuchs von heute, man kann das kaum mit Unterricht nachholen.
Mathematik ist Geistesmasturbation
Ständig ist die Mathematik der Frage ausgesetzt wozu man das eigentlich bräuchte. An den Schulen wird dieser Frage ausgewichen, indem alles was unterrichtet wird, irdendwie auf einen praktischen Bezug gezwungen wird. Dabei wird aber das Wesen der Mathematik völlig verdrängt und zum Schluss hat's keiner kapiert. Niemand wagt es z.B. die Frage zu stellen wozu man nun Goethes Faust eigentlich braucht, aber die Mathematik, als einzige präzise Geistenwissenschaft, ist permanent diesen Angriffen ausgesetzt.
Natürlich braucht ein Ingenieur oder Naturwissenschaftler nur einen winzigen Ausschnitt aus der Mathematik als Werkzeugkiste, aber immer wieder werden praktische Anwendungen für die abstrusesten mathematischen Erkenntnisse entdeckt und es gibt m.E. sowieso keine bessere Denkschule als die Mathematik. Denken ist nun mal der Kern aller Wissenschaft.
Der Mathematikunterricht an den Schulen müsste viel, viel abstrakter und zweckfreier sein. Das bisschen Rechnen lernt man in der Grundschule, aber der Spaß am Denken kommt später definitiv zu kurz.
Die plakative Artikelüberschrift zeigt drastisch das beklagte gesellschaftliche Verständnisproblem - auch in der FAS - auf: Große Zahlen gleich Mathematik? Und um die geht es ja. Zu viele Geisteswissenschaftler in der Redaktion?
Ich bin kein Mathematiker ....
... aber Mathematik kann sehr, sehr faszinierend sein .... die kognitiven Grundlagen von Mathematik übrigens auch.
Wie auch immer: ein guter Teil des Problems liegt in der Lehrerausbildung für Mathematik-Lehrer und damit dann doch wieder bei den Universitäten. Mathematik ist eine der wichtigsten Grundlagen für die meisten Technologien, die unseren Alltag beherrschen ... und wir tun so, als ginge uns das nichts an.
Wir bilden zukünftige Lehrer nach wie vor so aus, als müßte Mathematik möglichst wenig anschaulich, möglichst wenig greifbar und schon gar nicht ästhetisch sein. Ernst Peter Fischer müßte zur Pflichtlektüre gemacht werden für angehende Mathematik-Lehrer; auch das Buch "where mathematics comes from" von Lakoff und Nunez müsste allen "Pädagogen" im Bereich Mathematik schlicht verordnet werden.
Mathematik (wie auch Informatik) ist eine Art des Denkens und dieses Denken kann man schulen. Wir vergeuden mit dem sub-optimalen Mathematik-Unterricht in Deutschland diejenigen Ressourcen, die wir für unsere Zukunftsfähigkeit brauchen.
Zeit, diese Fehlentwicklung zu korrigieren ....
Wenn Schüler teilweise von 30 oder mehr Schulstunden nur DREI mit Mathematik verbringen und die restlichen 27 Stunden teilweise mit so Fächern wie Religion, Kunst, Erdkunde etc. zu jeweils 2 Stunden verschwendet werden, dann braucht man sich über solche Sachen nicht zu wundern. Man wird die Lehrpläne endlich ausmüllen müssen und dabei einfach Sachen streichen: Ist es wirklich wichtig, dass man irgendwelche Bodenzusammensetzungen in Nord-China auswendig lernt? Religionsunterricht als ganzes ist eigentlich Privatsache. Kunst ist ein "nice to have"-Fach. Technisches Zeichnen zum Beispiel wäre sinnvoller.
Mathematik sollte, unabhängig von Schwerpunkten mit mindestens 6 Stunden pro Woche dabei sein. Die gesamte Schuldbildung, vor allem im Gymnasium, sollte mehr auf technische Inhalte konzentriert werden: Keine Gedichte mehr in Deutsch, deutlich mehr technisches Schreiben, Berichte, Protokolle etc. Deutsch muss ebenfalls wieder 6 Stunden bekommen. Englisch ist unabdingbar heute => ebenfalls 6 Stunden. Die restlichen 12 Schulstunden (3 * 6 = 18) können dann auf den Rest verteilt werden.