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Massive Open Online Courses : Wenn Manager freiwillig nachsitzen

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Gefilmte Vorlesungen spielen in vielen MOOCs eine entscheidende Rolle. Bild: obs

Kostenlose Online-Seminare, so genannte Massive Open Online Courses, erlebten vor kurzem einen regelrechten Hype. Gedacht waren sie eigentlich für Studenten - Interesse zeigt aber eine ganz andere Gruppe.

          Die Revolution an den Universitäten ist ausgeblieben. Dabei war die Idee doch einleuchtend: Warum sollten sich Studenten noch in überfüllte Hörsäle drängen und Zeit vergeuden, wenn Vorlesungen doch dank der rasanten technischen Entwicklungen auch bequem über das Internet von wo auch immer verfolgt werden können? Deshalb schossen vor ein paar Jahren Angebote für Online-Seminare aus dem Boden, die sogenannten Moocs - die Abkürzung steht für den englischen Begriff „Massiv Open Online Courses“. Einfach, bequem und digital, lautete das Versprechen.

          Mittlerweile blicken Hochschulen und Anbieter jedoch ernüchtert auf die Entwicklung in Deutschland: Die Nachfrage der Studenten ist bislang deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Es studiert sich wohl doch besser von Angesicht zu Angesicht und ohne Technik. Die Teilnehmeranalysen haben stattdessen gezeigt, dass ein wesentlicher Teil der Nutzer aus Berufstätigen besteht, die Kurse zur kostenlosen Weiterbildung neben der Arbeit nutzen.

          Die Kursanbieter haben sich rasch auf die veränderte Lage eingestellt und bieten nun spezielle Kurse an. Iversity, nach eigenen Angaben größter Anbieter hierzulande, startete im Jahr 2013 als erster Anbieter von Moocs in Europa. Mittlerweile hat das junge Unternehmen mit seinen rund 30 Mitarbeitern fünf dieser neuen Prokurse im Portfolio. Dabei geht es unter anderem um Themen wie visuelles Denken, Präsentationstechniken und die Kunst des Netzwerkens. Damit werden gezielt junge Berufstätige angesprochen, die sich digital weiterbilden wollen. Das Unternehmen bietet dabei die Plattform, auf der ausgewählte Hochschulen, Weiterbildungsinstitute und Unternehmen Kurse präsentieren. Iversity bürgt für die Qualität der Kurse und übernimmt die Plattformpflege, im Gegenzug erhalten die Produzenten für jeden Teilnehmer ihres Kurses einen Umsatzanteil. Anders als reine Studentenkurse ist das neue Angebot allerdings nicht kostenlos: Die Gebühr beträgt für jeden Teilnehmer 399 Euro.

          Testfragen und Aufgaben für mehr Lernerfolg

          Auch didaktisch gibt es Unterschiede. „Diese Kurse sind prägnanter und praxisorientierter aufgebaut“, sagt Florian Nickels-Teske von Iversity. Testfragen und Aufgaben am Ende jedes Kapitels sollen den Lernerfolg nachhaltig erhöhen. Tutoren begleiten zudem den Kurs, und eine Logbuch-Funktion soll den Austausch erhöhen. „Die Kommunikationsmöglichkeiten sind unheimlich wichtig und werden von den Teilnehmern auch sehr gut genutzt“, sagt ein Sprecher von Iversity. Im Laufe eines Kurses wird jede Woche ein neues Kapitel freigeschaltet, das den Teilnehmern anschließend für längere Zeit zur Verfügung steht. Abschließend besteht die Möglichkeit, eine Prüfung abzulegen und damit ein Zertifikat zu erlangen.

          Eines der ersten Unternehmen, das an den Proseminaren teilgenommen hat, ist die Deutsche Bahn. Rund 20 Führungskräfte durchliefen vor kurzem den Kurs zu visuellem Denken von Iversity. Jakob Hasselgruber, zuständig für e-Learning in der DB Akademie, ist von der digitalen Weiterbildung überzeugt: „Die Rückmeldungen unserer Führungskräfte sind positiv. Viele Teilnehmer schätzen besonders die Möglichkeit, sich unabhängig von Ort und Zeit weiterbilden zu können“, sagt er. Anfangs, so Hasselgruber, falle manchem die Umstellung hin zu selbstorganisiertem Lernen schwer, aber der Lerneffekt sei dafür oft umso größer. Er sieht in den Kursen eine gute Ergänzung zu den Präsenzweiterbildungen.

          Auch wenn die Kursanbieter nun Berufstätige als neue und zahlkräftige Kundschaft entdeckt haben, geraten die Studenten deshalb nicht aus dem Blickfeld. Im Gegenteil, der Iversity-Sprecher traut den Moocs noch immer eine große Zukunft zu. Seiner Meinung nach hatten die Nutzer anfangs allerdings eine falsche Vorstellung : „Viele dachten, dass sie sich berieseln lassen können wie bei einem Film auf Youtube. Aber Wissen muss man sich aktiv aneignen“, sagt er. Das wird sich wohl auch durch die Digitalisierung nicht ändern.

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