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Veröffentlicht: 29.12.2012, 08:00 Uhr

Maschinenbau Werkzeugkasten für mehr Absolventen

Die Hochschulen sind zu theorielastig und bilden zu wenige Ingenieure aus. So jedenfalls lautet eine bekannte Klage der Maschinenbauer. Jetzt nehmen sie selbst Geld für eine bessere Lehre in die Hand.

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Die Bilanz in den Studiengängen Maschinenbau und Elektrotechnik ist ernüchternd. Nach Angaben des Maschinenbauverbands VDMA hat von den Studienanfängern der Jahre 2006 und 2007 an den Fachhochschulen jeder Dritte sein Bachelorstudium ohne Erfolg beendet, an den Universitäten sogar etwa jeder zweite. Zugleich benötigten die Unternehmen aber immer mehr Ingenieure, nicht nur für die Forschungsabteilungen, sondern auch für den Vertrieb, das Personalwesen und die Produktion, sagt Eckart Kottkamp, langjähriger Geschäftsführer von Industriebetrieben und Sprecher der VDMA-Ingenieurinitiative. „Es ist nicht akzeptabel, dass wir jeden zweiten Ingenieurstudenten verlieren“, ergänzt Hartmut Rauen, Mitglied der VDMA-Hauptgeschäftsführung.

Die Maschinenbauer wollen den Universitäten sowohl Dampf machen, damit diese ihre Studienangebote verbessern; sie wollen ihnen aber auch helfen, die Abschlussquoten zu erhöhen. Viele Universitäten analysierten gar nicht, warum die Abbrecherquoten so hoch sind und an welchen Hürden die Studenten zumeist scheiterten, sagt Rauen. Und dort, wo solche Daten bekannt seien, folge nichts daraus. „Wir wollen daher zusammen mit den Hochschulen Ideen entwickeln, die für bessere Studienbedingungen sorgen.“

Zwei Millionen Euro für das Projekt Maschinenhaus

Dafür hat der VDMA das Projekt Maschinenhaus ins Leben gerufen, für das er zwei Millionen Euro zur Verfügung stellt. Ziel ist es, eine Art Werkzeugbox mit Handlungsanweisungen für die Hochschulen zu entwickeln. Erste Studien mit neun Hochschulen wurden schon gemacht, und die Erkenntnis daraus lautet unter anderem, dass die Institute viel zu selten auf die individuellen Bedürfnisse der Studenten eingehen - etwa wenn sie nebenher arbeiten oder Kinder erziehen müssen.

Eine Umfrage habe ergeben, dass etwa die Hälfte der Professoren noch immer der Ansicht sei, der erfolgreiche Studienabschluss sei allein Sache der Studenten, sagt Kottkamp, der auch Vorsitzender des Hochschulrats der Hochschule für angewandte Wissenschaften Hamburg ist. „Das hat uns doch negativ überrascht.“

„Die Lehre muss sich ändern“

In den nächsten eineinhalb Jahren will der VDMA nun in jedem Bundesland eine Universität und eine Fachhochschule dafür gewinnen, das Projekt Maschinenhaus mit mehr Leben zu füllen. „Die Lehre muss sich ändern“, fordert Rauen. Als ein Beispiel nennt er den zu hohen Anteil der theoretischen Lehre in den Fächern Maschinenbau und Elektrotechnik. „Es gibt viel zu wenig Praxisunterricht, das vertreibt die Studenten“, sagt er. Besser müssten die Hochschulen in der Betreuung der Erstsemester werden. So sollten Beratungsgespräche verpflichtend sein, um Studenten bei ihrer Fächer- und Prüfungsplanung zu helfen.

Richtig sei, dass eine Ausweitung solcher Förderangebote in der Regel auch mehr Personal und mehr Geld erfordere. „Manchmal fehlt tatsächlich nicht der Wille, es fehlen die Mittel“, räumt Rauen ein. Daher wolle der VDMA die Hochschulen auch unterstützen, mehr staatliche Zuwendungen zu bekommen. Der Staat sollte nicht nur die Spitzenforschung fördern, ergänzt Kottkamp. Genauso wichtig sei, die Zahl der erfolgreichen Ingenieurstudenten auf breiter Front zu erhöhen.

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Dabei wiegten sich jedoch manche Hochschulen in einer trügerischen Sicherheit, weil es derzeit wegen der verkürzten Gymnasialzeiten und des Wegfalls der Wehrpflicht wieder eine kleine Studentenschwemme gebe. Das werde sich in den kommenden Jahren aber ändern, warnt Kottkamp. Und keineswegs genüge es, nur die Besten zum Abschluss zu bringen. „Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie verschwindet blitzschnell, wenn die Ingenieure fehlen“, warnt er.

Um die Hochschulen zur Entwicklung von Ideen zu animieren, lotet der VDMA vom kommenden Jahr an im zweijährigen Rhythmus auch einen Preis für das beste Maschinenhaus aus, der mit 100 000 Euro dotiert ist.

Quelle: F.A.Z.

 

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