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Management-Studium Goldrausch auf dem MBA-Markt

 ·  Mit MBA-Programmen lässt sich Geld verdienen. Deshalb schießen sie auch in Deutschland wie Pilze aus dem Boden. Den Vergleich mit angelsächsischen Angeboten müssen die meisten aber scheuen. Viele werden wieder verschwinden.

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© Peter von Tresckow

Johannes Fischers Berufswunsch ist es, „im Management einer Premium- oder Luxusmarke zu arbeiten“. Doch nach einem kommunikationswissenschaftlichen Studium an der Universität Hohenheim und sechs Jahren Berufserfahrung in den Marketingabteilungen global agierender Optikunternehmen fehlt dem 28-Jährigen für den letzten Karriereschritt eine entscheidende Kompetenz. „Ich möchte mich über meinen Fachbereich hinaus und insbesondere im Bereich Leadership weiterentwickeln. Daher habe ich mich entschieden, einen MBA zu machen“, sagt Fischer, der seit Januar ein Vollzeit-MBA-Programm an der European School of Management and Technology (ESMT) in Berlin absolviert.

Der „Master of Business Administration“ ist ein begehrter Titel unter aufstrebenden Nachwuchskräften, der in der Regel nach einem Erststudium und einigen Jahren im Beruf angestrebt wird, um sich für Führungsaufgaben zu qualifizieren. Viele Jungmanager sind bereit, dafür eine Auszeit zu nehmen und mehrere 10000 Euro zu investieren. So kostet eine MBA-Ausbildung an der Mannheim Business School rund 50000 Euro. Viele, die ein MBA-Studium aufnehmen, gehen an eine renommierte Schule im Ausland, doch entscheiden sich auch immer mehr Studierende für einen MBA in Deutschland. Wie Johannes Fischer: „Ich habe nach einem Programm gesucht, das über eine hohe Qualität und einen guten Ruf verfügt. Und da ich in Deutschland bleiben wollte, boten sich daher nicht viele Möglichkeiten neben der ESMT.“

MBA ist an deutschen Hochschulen noch unterentwickelt

Im Vergleich zu den Vereinigten Staaten und Großbritannien ist die akademische Ausbildung zum MBA an deutschen Hochschulen immer noch unterentwickelt. Zwar schossen in den vergangenen fünf Jahren Hunderte von MBA-Programmen sowohl an staatlichen Hochschulen als auch an privaten Business Schools wie Pilze aus dem Boden. Doch reicht nach Ansicht von Fachleuten die Mehrzahl von ihnen qualitativ nicht an die internationale Konkurrenz heran.

Knapp 10 Prozent der rund 1000 betriebswirtschaftlich orientierten Master-Programme in Deutschland tragen den Titel „Master of Business Administration“. Nach Angaben des Centrums für Hochschulforschung (CHE) sind davon nur rund 15 Prozent bei privaten Trägern angesiedelt. „Die staatlichen Hochschulen haben MBA-Programme als Lücke in ihrem Angebot erkannt, mit dem sich Profit machen lässt“, erklärt Isabel Roessler vom Centrum für Hochschulentwicklung in Gütersloh. Inzwischen böten nicht mehr nur die alteingesessenen Universitäten und lange bestehenden Business Schools, sondern auch immer mehr kleine und mittlere Fachhochschulen einen MBA-Titel an und vermarkteten ihn regional.

Dabei bleibt der deutsche MBA-Markt unübersichtlich. „Das Qualitätsspektrum reicht von einigen wenigen Programmen, die weltweites Top-Niveau besitzen, bis hin zu Studiengängen, die die international anerkannten Standards nicht erfüllen und daher das Label MBA eigentlich zu Unrecht tragen“, bilanziert Bernd Helmig, Vizepräsident des Deutschen Hochschulverbandes (DHV). So sieht das auch Johannes Fischer: „Wem es nur um den Titel MBA geht, der hat sicherlich kein Problem, in Deutschland einen Studiengang zu finden“, sagt der ESMT-Student. „Wer allerdings darum bemüht ist, eine hochqualitative Ausbildung zu bekommen, die auch den Zugang zu einem hervorragenden Netzwerk bietet, der trifft hier auf ein sehr überschaubares Angebot.“

Führend in internationalen MBA-Rankings sind seit Jahren amerikanische Anbieter, die etwa die Hälfte der gelisteten Hochschulen ausmachen, sowie britische Kaderschmieden, die durchschnittlich 15 Prozent der Hitlisten besetzen. Deutsche Hochschulen sind oft gar nicht vertreten. MBA-Experten rechnen deshalb mit einer Konsolidierung des derzeit noch üppigen deutschen MBA-Markts. „Viele Programme, die in Deutschland während des MBA-Goldrauschs der letzten fünf Jahre gegründet wurden, werden schließen, da sie nicht die erforderlichen Teilnehmer gewinnen“, schätzt Nick Barniville, MBA-Direktor an der ESMT. „Ich glaube, dass es in fünf Jahren zwei bis drei große, international erfolgreiche Wettbewerber auf dem deutschen Markt geben wird, zwischen fünf und zehn national wettbewerbsfähige Schulen und einige erfolgreiche Teilzeitprogramme in jeder Region.“ Isabel Roessler vom Centrum für Hochschulentwicklung geht davon aus, dass das deutsche MBA-Angebot eher stagnieren wird. „Der MBA ist eine sehr spezialisierte Form der Ausbildung, weil zum Beispiel Berufserfahrung notwendig ist, um angenommen zu werden.“ „Insofern ist das derzeitige Angebot für die in Deutschland herrschende Nachfrage völlig ausreichend.“

Führende deutsche Anbieter müssen sich nicht verstecken

Führende deutsche Anbieter wie die WHU - Otto Beisheim School of Management oder die Mannheim Business School müssen sich nach Ansicht von Fachleuten jedenfalls nicht vor der internationalen Konkurrenz verstecken. Die guten hiesigen Programme punkteten mit der Internationalität der Studierendengruppen, den Ausbildungskonzepten, der Qualität von Forschung und Lehre sowie der Dauer der Ausbildung, findet DHV-Vizepräsident Helmig. Im Trend lägen kompakte einjährige Programme, wie sie die führenden deutschen Business Schools - anders als die Wettbewerber in den Vereinigten Staaten - anböten.

Henry Kobsch, an der RWTH Aachen für das Executive MBA-Programm verantwortlich, sieht manche deutsche Anbieter sogar im Aufwind: „Sicher sind die deutschen Anbieter in den internationalen Rankings noch nicht sichtbar, wobei dies allein ja auch kein Qualitätsindikator ist. Aber Deutschland holt schnell auf“, sagt Kobsch. Die deutschen Spitzenuniversitäten hätten in den vergangenen zwei Jahren viele deutsche Top-Wissenschaftler aus dem amerikanischen Exil zurückgewinnen können. „Eine solche Entwicklung sehen wir auch bei den MBAs. Mittlerweile ist es keine Überraschung mehr, wenn Teilnehmer aus ganz Europa sich für deutsche MBAs interessieren.“

In internationalen Unternehmen ein gefragter Abschluss

Der Umgang mit dem MBA-Titel unter Arbeitgebern ist ähnlich unübersichtlich wie der Ausbildungsmarkt. In international ausgerichteten Unternehmen hat sich der MBA zu einem gefragten Abschluss entwickelt, während er in kleineren, national agierenden Unternehmen oftmals eine untergeordnete Rolle spielt. „Für Kandidaten, die eine Position im Mittelstand anstreben, ist oft die Arbeitserfahrung von entscheidender Bedeutung - noch vor dem MBA“, sagt Nick Barniville, MBA-Direktor der ESMT. Doch der Druck auf Arbeitgeber, sich mit dem MBA-Markt auseinanderzusetzen, wächst von Seiten des Führungsnachwuchses.

Nach einer Studie der Mannheim Business School, an der mehr als 1000 Fach- und Führungskräfte teilgenommen haben, ist für 92,5 Prozent der Befragten eine Management-Weiterbildungsmaßnahme vorstellbar, ein Drittel hat sie schon fest geplant. Auf allen Karrierestufen wird dabei der MBA als Abschluss gegenüber dem Master of Science bevorzugt. „Ein MBA wird heute durchaus als Führungskräfte-Entwicklung gesehen, zudem ist er in einer Zeit mangelnder Fachkräfte ein Mittel, Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten. Diese Erkenntnis ist relativ neu“, sagt Henry Kobsch von der RWTH Aachen.

Rankings geben Orientierung
  • Plazierungen in den weltweit wichtigsten Rankings, internationale Akkreditierungen und die Reputation der Hochschule zeigen an, ob ein MBA-Programm internationalen Standards entspricht.
  • Die international wichtigsten MBA-Rankings werden von amerikanischen Magazinen veröffentlicht: von „Business Week“, „Economist Intelligence Unit“, „Financial Times“, „U.S. News & World Report“ und dem „Wall Street Journal“.
  • Interessenten können außerdem an den Hochschulen eine Liste von Alumni anfordern und diese nach ihren Erfahrungen mit dem entsprechenden MBA-Studium befragen.
  • Fachleute raten, vor einer Entscheidung mit dem Arbeitgeber zu sprechen.
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