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Logistikstudium Zwischen Pandabär und Gabelstapler

24.08.2008 ·  An rund 130 Hochschulen von Aachen bis Zwickau kann man Logistik studieren. So sehr die Schwerpunkte sich von Ort zu Ort unterscheiden, Mobilität ist für die Karriere überall unverzichtbar.

Von Julia Wittenhagen
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Acht Stunden Zeit haben die Logistikstudenten an der privaten SRH Fachhochschule in Hamm für Projekte wie diese. "Sorgen Sie dafür, dass ein Pandabär aus Berlin und eine Pandabärin aus Sidney zwecks Paarung am gleichen Tag im Zoo Johannesburg ankommen", so lautet ihre Aufgabe. Eine Chance, sie zu lösen, haben sie nur im Team, so komplex ist sie. Wie schickt man einen lebendigen Bären auf Reisen? Was kostet ein Flug? Wie lange dauert es auf dem Seeweg? Welche Zoll- und Einfuhrbestimmungen gelten in welchem Land? Und wie schafft man es, das Bärenpaar wirklich zeitgleich ankommen zu lassen?

Das ist Logistik pur. Ihr traditionelles graues Lager-und-Laster-Image hat sie längst abgeschüttelt. "Die Branche hat nicht den Ruf, vornehm zu sein", räumt Monika Berane ein, die Logistikexpertin der Personalberatung Kienbaum. "Aber sie bietet Akademikern hochkomplexe, spezialisierte Arbeitsplätze." Allerdings hängt die Bezahlung stark davon ab, von wo aus man Lieferketten steuert. Die Einstiegsgehälter liegen zwischen 32 000 und 41 000 Euro im Jahr, als Faustregel gilt: Die Industrie zahlt besser als der Handel, und Transportunternehmen liegen am unteren Ende der Skala. Dafür ist die Logistik eine Wachstumsbranche mit Nachholbedarf: Laut einer Fraunhofer-Studie fehlen bis zu 5000 Akademiker im Jahr.

Technik und BWL aus einem Guss

Denn wenn man die Pandabären gegen Autos, Stahlwerke oder Lebensmittel austauscht, spiegelt die Projektaufgabe aus Hamm, vor welchen Herausforderungen heute alle Unternehmen stehen, die global einkaufen, produzieren und verkaufen. Von Aachen bis Zwickau gibt es in Deutschland rund 130 Möglichkeiten, der Hochschulausbildung einen logistischen Dreh zu geben - sei es auf Berufsakademien, an Universitäten oder Fachhochschulen, im Erststudium oder als "Master of Business Administration" für Studenten mit Berufserfahrung.

Die reinen Logistikstudiengänge allerdings sind noch in der Minderzahl. "Ihr Ansatz ist es, Technik und BWL aus einem Guss anzubieten", sagt Matthias Hoffmann, der Gründer der Internet-Stellenbörse logistic-jobs.de. Die Idee dahinter erklärt er so: "Wenn der Studierende die Bestellmenge optimieren will, hilft es ihm, gleichzeitig zu wissen, wie ein Hochregallager funktioniert und wie viele Gabelstapler er zum Einräumen braucht."

Keine Spezialisierung ohne Grundlagen, so lautet dagegen das Konzept jener Hochschulen, die Logistik erst im Master-Studiengang auf den kaufmännischen oder ingenieurwissenschaftlichen Bachelor draufsatteln. Zum Beispiel die Universität Duisburg-Essen, die in der Rangliste der Fachzeitschrift "Logistik Inside" den ersten Platz belegt. Hier punktet der interdisziplinäre Ansatz des Zentrums für Logistik & Verkehr (ZLV) mit seinen 29 Mitgliedslehrstühlen, zweisprachigen Vorlesungen und einem Mentorensystem, das Kontakte zur Wirtschaft schafft. "Jeder kann sich so stark spezialisieren, wie er will", sagt ZLV-Mitarbeiter Albert Hölzle dazu. "Entweder integriert er Logistik-Module in sein allgemeines Studium, oder er entscheidet sich für einen unserer sechs Logistik-Masterstudiengänge." Betriebswirte spricht vermutlich eher "Logistikmanagement" an, Ingenieure dürften sich zur "Technischen Logistik" hingezogen fühlen.

„Master of Science“ allein ist keine Orientierungshilfe

Ob wirtschaftswissenschaftlich oder stärker technisch ausgerichtet, das ist auch andernorts die Gretchenfrage bei der Sondierung der Bildungsmöglichkeiten. Der Abschluss "Master of Science" allein ist dabei noch keine Orientierungshilfe, denn er wird in beiden Richtungen verliehen. Der "Master of Engineering" allerdings verrät eindeutig eine technische Ausrichtung.

"Ich rate jedem Abiturienten, sich genau zu informieren, was ihn in einem bestimmten Studiengang erwartet", sagt Anette Chmielewski von der Fakultät Maschinenbau an der Technischen Universität Dortmund. Denn wer sich schon in der Schule mit Mathematik schwergetan habe, den retteten auch ein paar kaufmännische Anteile in einem Logistikstudiengang, wie ihn ihre Uni anbiete, nicht: Dortmund gilt als "Wiege der technischen Logistik" in Deutschland, behauptet Chmielewski. "Wir haben schon vor mehr als zehn Jahren einen Diplom-Studiengang Logistik geschaffen und decken mit den vier Lehrstühlen Logistik, Förder- und Lagertechnik, Verkehrssysteme und Fabrikorganisation wirklich die gesamte Prozesskette ab." Ähnlich breit ist das Angebot auch in Dresden, Magdeburg, München, Darmstadt, Berlin und in Duisburg-Essen. In Dortmund sind die universitären Einrichtungen aber zudem eng mit dem Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML) verbunden: Drei Lehrstuhlinhaber leiten die Teilbereiche des Instituts.

Fachhochschule Hamm mit gutem Kontakt zur Wirtschaft

Gut ein Drittel der 2000 Maschinenbaustudenten in Dortmund hat sich auf Logistik spezialisiert, wegen der großen Nachfrage gibt es sogar einen Numerus clausus. Für die entsprechend unpersönliche Atmosphäre und das anfangs kaum überschaubare Curriculum hätte Julian Koenen sich nicht begeistern können. "Ich wollte gerne in kleinen Gruppen studieren, in denen ich auch mal Fragen stellen kann", sagt der gelernte Speditionskaufmann. Deshalb schrieb er sich von Malaysia aus, wo er für den Schweizer Logistikkonzern Kühne + Nagel im Vertrieb arbeitete, an der privaten Fachhochschule Hamm für Logistik und Wirtschaft ein. "In den ersten beiden Semestern ging es zwar noch nicht so sehr um Logistik als vielmehr um Grundlagen in Technik, Wirtschaft und Softskills", berichtet er. "Aber der Kontakt zur Wirtschaft ist super." Regelmäßig hielten Praktiker Vorträge, und Studentenjobs zu finden sei kein Problem.

Drei weitere Semester wird sich Koenen nun reinen Logistikfächern widmen und über das abschließende Praxissemester dann seine Abschlussarbeit schreiben. 21 600 Euro kostet das Studium in Hamm, dafür verspricht die Fachhochschule eine individuelle Förderung und Betreuung in Gruppen von nicht mehr als 30 Personen. Seit 2005 wird der Studiengang angeboten. "Nun reißen die Firmen uns unsere ersten Absolventen aus den Händen", berichtet Marketingleiter Jürgen Albers.

Mehr als nur Transport von A nach B

Inga von Nolcken, die beim Paketversender Hermes für das Personalmarketing zuständig ist, bestätigt diese Beobachtung. "Wir freuen uns sehr über die neuen Logistikstudiengänge, weil sie deutlich machen, dass mehr hinter unserem Geschäft steht als nur der Transport von A nach B", sagt sie. Auch Bernhard Bingenheimer, Personalchef des Großhändlers Lekkerland, lobt das Angebot der Hochschulen. "Die Absolventen sind pragmatischer, was Fragen wie Lagertechnik, Kennzahlen, Umweltschutz, Tourenplanung angeht - und dadurch auch direkter einsetzbar." Wer nicht gleich mit diesem Spezialwissen komme, könne sich als Quereinsteiger oder Trainee allerdings auch noch im Unternehmen entsprechend entwickeln.

Privat oder staatlich, groß oder klein - welche Universität, welche Fachhochschule ist die richtige für die Logistiker von morgen? Branchenkenner Matthias Hoffmann warnt Studenten ausdrücklich vor unbekannten Hochschulen, die in den Personalabteilungen auf wenig Resonanz zählen können. "Ich würde mir eine Uni oder FH aussuchen, die meinen Logistikstudiengang schon ein paar Jahre anbietet", rät er.

Davon mag es aber sinnvolle Ausnahmen geben. Die Kühne School of Logistics in Hamburg-Harburg etwa bietet von diesem Herbst an den Master-Studiengang "Logistik, Infrastruktur und Mobilität" an, der die Unternehmensperspektive mit der politisch-planerischen eines Staates oder Landes verknüpft. Welche Infrastruktur ein Land braucht, wie man Klimaschutz berücksichtigt - das ist neben Technik und BWL der dritte Themenkomplex, der sich hinter dem Begriff Logistik oder Verkehrslehre verbergen kann. Bekannt geworden ist die Hochschule durch ihr MBA-Programm, das seit 2004 in Vollzeit, seit 2006 auch berufsbegleitend angeboten wird. Die Kosten von mehr als 20 000 Euro übernehmen häufig die Arbeitgeber, berichtet Pressesprecher Dirk Laschke.

So viele Wege es gibt, Pandabären in den Johannesburger Zoo zu bringen, so viele Wege gibt es auch, sich für die Planung, Steuerung und Kontrolle von Gütern, Dienstleistungen und Informationen fit zu machen. Wer damit Karriere machen will, der muss aber auch dazu bereit sein, sich selbst auf den Weg zu machen. "Logistik ist ein internationales Geschäft", sagt Bernhard Bingenheimer von Lekkerland. "Da muss man echte Mobilität mitbringen."

Das geht von zu Hause

  • Einen schnellen Überblick über das vielfältige Angebot einschlägiger Studiengänge bietet die Internetseite: www.logistik-studium.de
  • Speziell an Berufstätige richten sich die Angebote der Zentralstelle für Fernstudien an Fachhochschulen; jetzt gibt es dort erstmals ein MBA-Programm mit dem Schwerpunkt Logistik. Details unter: www.zfh.de
  • Wer gern in virtuellen Gemeinschaften lernt, für den ist vielleicht das neue Online-MBA-Programm für angehende Logistiker der Universität Stuttgart die richtige Wahl. Mehr unter: www.loma.uni-stuttgart.de
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