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Lerntechniken : Bloß nicht verzetteln

Bild: Peter von Tresckow

Wie lernt man effektiv? Textmarker und stures Pauken sind nicht die beste Wahl. Studenten sollten sich für den Stoff interessieren - oder ihr Hirn mit Motivationstricks überlisten.

          David Rump denkt an die bisher „wohl schlimmste Zeit“ seines Lebens zurück: „Ich war monatelang kaum an der frischen Luft, hatte eine Hautfarbe wie eine Tapete. Ich habe mich gefühlt wie ein chinesischer Arbeiter in einer Apple-Fabrik.“

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Die Rede ist von seinem ersten Staatsexamen in Jura beziehungsweise von der anderthalb Jahre dauernden Lernphase davor. Sechs Tage die Woche, zehn Stunden am Tag habe er gebüffelt, sagt der 28 Jahre alte Rechtsreferendar. Seine Methoden waren vielfältig: Er nutzte Karteikarten, sagte sich die Lösungen zu Fällen im Geiste auf und traf sich regelmäßig mit einer Lerngruppe. Darin spielte abwechselnd immer einer der Teilnehmer den Mentor, der die anderen abfragte oder ihnen den Lernstoff erklärte. Ferner besuchte David Rump einen Klausurenkurs und ein Repetitorium. Am Ende schaffte er tatsächlich seine Prüfung; auch mit der Examensnote war er zufrieden. Das war ihm als Jurist wichtig: „Das Abschlusszeugnis ist die Eintrittskarte ins Berufsleben, die einem erlaubt, zu entscheiden, was man später machen will.“

          Selbsttests und kleine Häppchen

          Damit das Lernen besonders in „Büffelfächern“ wie Jura oder Medizin nicht mehr zur Tortur wird als nötig, beschäftigen sich Pädagogen und Psychologen schon lange damit, die optimalen Lernstrategien zu ergründen. Erst kürzlich erregte eine Studie aus Amerika Aufsehen, die beliebte Techniken wie das Unterstreichen in Büchern für ziemlich nutzlos befand und Studenten riet, sich vor allem möglichst häufig selbst Testaufgaben zum Lernstoff zu stellen. Außerdem seien Lernpläne, mittels derer sich die Studenten den Stoff über längere Zeit in kleine Häppchen aufteilen, das „A und O“, besagte das Papier der Forscher um den Psychologen John Dunlosky von der Kent State University.

          Sollten Studenten, wie die Studie nahelegt, die Textmarker fallen lassen, Karteikärtchen in die Ecke verbannen und sich vor allem alten Klausuraufgaben und selbst entworfenen Frage-Antwort-Spielchen widmen? Sind „gute“ Lernmethoden für alle Studenten gut, oder gibt es verschiedene Lerntypen? Muss ein Mediziner die Grundlagen der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde anders lernen als Volkswirte die Effekte einer Steuererhöhung in der Finanzwissenschaft?

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          Test : Wie lernen Sie?

          Zumindest zur Frage der Einteilung von Menschen in Lerntypen äußern sich fast alle Experten deutlich: Dies sei „überhaupt nicht sinnvoll“, befindet die Psychologin Elsbeth Stern, Professorin für Verhaltenswissenschaften an der ETH Zürich, die schon viele Artikel zu diesem Thema veröffentlicht hat: „Das ist pseudowissenschaftliches Schubladendenken.“ Wer glaube, dass manche Menschen bildhaft lernten und andere den Stoff am besten durch Hören aufnähmen, vergesse, dass solche Verhaltensweisen vor allem eingeübt seien. „Vielleicht hat eine Person, die beim Lernen auf Stichworte zurückgreift, bloß keine Ahnung, wie man Skizzen anfertigt“, sagt Stern. Wenn Studenten dem Irrtum aufsäßen, sie müssten eine Lernmethode wählen, die ihrem Typ entspreche, verbauten sie sich die Offenheit dafür, so zu lernen, wie es dem Stoff angemessen sei.

          Andreas Gold, Professor für Pädagogische Psychologie an der Goethe-Universität Frankfurt bestätigt: „Vokabeln lernt man anders als die Ursachen und Folgen der Punischen Kriege.“ Unbekannte Wörter, Begriffe oder Bezeichnungen, die sich nicht mit vorhandenem Wissen verknüpfen ließen, müsse man sich tatsächlich durch stures Wiederholen oder mit Eselsbrücken aneignen. „Wenn der Lernstoff hingegen vor allem auf logischen Zusammenhängen beruht, kann man in Lerngruppen hervorragend lernen, zum Beispiel in Mathe oder Wirtschaftswissenschaften“, sagt Gold. Große Informationsmengen in Texten, wie etwa in den Sozialwissenschaften, ließen sich mit Zusammenfassungen auf den Punkt bringen. Und hier sei auch das Unterstreichen von Textpassagen nicht ohne Effekt: Vorausgesetzt der Student wisse, was relevant sei. „Wichtig ist vor allem, möglichst viele Lerntechniken zu kennen und eine Idee davon zu haben, für welche Aufgaben man sie am besten einsetzt“, sagt Gold (siehe dazu unseren interaktiven Test „Wie lernen Sie?“). So sei es auch sehr nützlich, sich selbst zu testen, indem man das Gelernte ständig hinterfrage.

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