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Lernfabriken : Studenten an die Maschinen!

  • -Aktualisiert am

Handarbeit: Vielen Studenten fehlen handwerkliche Grundlagen. Bild: Maximilian von Lachner

Wie schaltet man eine Sägemaschine an? Den Ingenieuren von morgen fehlen oft praktische handwerkliche Erfahrungen. Lernfabriken sollen das ändern. Können sie die Wissenslücken füllen?

          Bevor wir mit Industrie 4.0 anfangen, sollen unsere Studenten im Maschinenbau die grundlegenden Fertigungsprozesse mit einfachen Methoden in den Griff bekommen“, sagt Thom Wienbruch. Der wissenschaftliche Mitarbeiter am Lehrstuhl für Produktionssysteme der Ruhr-Universität Bochum betreut dafür eine Übung in der hauseigenen Lernfabrik für Prozessoptimierung. In der nachgebauten Werkshalle testen die sieben Teilnehmer, ob die Richtlinien zu Ordnung und Sauberkeit an den Arbeitsstationen erfüllt sind. „Ein aufgeräumter Arbeitsplatz spart Zeit und Geld“, ist Wienbruch überzeugt.

          Ordnung macht die Arbeit auch leichter, wie die Studierenden im fünften Bachelor-Semester schnell merken. „Wo ist der Gewindebohrer nur?“, fragen sie sich beim Suchen in Schubladen mit unklarer Beschriftung. „Wie geht die Sägemaschine bloß an?“, rätseln sie, weil die Bedienungsanleitung Lücken hat und Schritt-für-Schritt-Bilder fehlen. Erst mit Hilfe eines Facharbeiters bekommen sie die Bandsäge zum Laufen. „Ohne Standardisierung dauert alles doppelt so lange“, erkennt Nadine Reifen, eine der Studentinnen, die hier auf der Suche nach handwerklicher Orientierung sind. „Auch die Risiken steigen“, findet sie. Denn: „Wie schnell könnte eine Hand ab sein.“

          Vergleichbare Szenen spielen sich unter angehenden Ingenieuren auch anderswo ab. Ganz ähnlich will zum Beispiel die Lernfabrik am Karlsruher Institut für Technologie, kurz KIT, Grundlagen vermitteln, bevor es ums große Ganze geht. Am KIT, einer der renommiertesten Universitäten des Landes, ist die Lernfabrik dem Thema globale Produktion gewidmet und eine Idee des Instituts für Produktionstechnik - eine klassische Spielwiese für Maschinenbauer also. Dort heißt es, dies sei die einzige Lernfabrik der Welt mit einem solchen Schwerpunkt. Gleichzeitig gibt es die praktische Anwendung im Kleinen: Bei Professor Albert Albers, dem Leiter des Instituts für Produktentwicklung am KIT, liegt sie im Keller seines Lehrgebäudes in einem unscheinbaren, fensterlosen Zimmer fernab der üblichen Wege an der Uni. Hier liegen in einem ausladenden Regal kleinere und größere Werkstücke. Albers hält sie in Ehren - und legt sie seinen Studenten wärmstens ans Herz.

          Das Grundverständnis ist nicht mehr selbstverständlich

          Früher seien angehende Maschinenbauer mit gewissen handwerklichen Fähigkeiten ins Studium gestartet - und mit einem Grundverständnis für Funktionsweisen oder Technik, wie er sagt. Heute sei das anders. Da habe mancher gar keine Vorstellung, wie sich so ein schwerer Metallkorpus in der Hand überhaupt anfühle. Geschweige denn, welche Funktionen und Möglichkeiten in ihm stecken könnten. Er müsse das vielen erst vermitteln, sagt Albers. Denn all das Werkeln und Tüfteln und handwerkliche Ausprobieren, das einem solchen Studium früher vorangegangen sei, spiele im Leben vieler Studenten keine Rolle mehr.

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