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Latein als Studienvoraussetzung Cicero wird noch gebraucht

Früher war Latein eine Grundvoraussetzung für viele Studiengänge. Das hat sich in Teilen geändert: Für Medizin benötigt man kein Latinum mehr, für viele Bachelor-Studiengänge auch nicht. Im Masterstudium kommt man aber oft nicht ohne aus.

© Peter von Tresckow

„Salvete!“ Die stilechte Begrüßung gehört für den pensionierten Lateinlehrer Hans-Wolfgang Reimers dazu. Am Ende seines anderthalbstündigen Sprachkurses an der Bremer Uni, zu dem jeden Freitagmittag 16 junge Frauen und Männer zusammenkommen und Vokabeln samt Grammatik büffeln, zeichnet der 69-Jährige ein Strichmännchen auf das Whiteboard und beschriftet die einzelnen Körperteile: „collum“ für Hals, „pectus“ für Brust, „mammae“ für Brustwarzen, „umbilicus“ für Bauchnabel. Man müsse die Studenten bei Laune halten, sonst blieben sie weg, sagt Reimers. Schließlich seien alle Teilnehmer freiwillig gekommen, fürs Studium brauche hier niemand mehr Latein. Nur wer seine Masterarbeit in Alter oder Mittelalterlicher Geschichte schreibt, muss in Bremen noch das Latinum vorweisen.

Den Kursteilnehmern geht es vielmehr darum, sich für einen möglichen Uni-Wechsel zu rüsten: An vielen Hochschulen gehört Latein noch zum Pflichtprogramm. Gerade in Fächern wie Geschichte und Romanistik streiten sich die Gelehrten allerdings darüber, ob die Sprache Cäsars und Ciceros für Studenten Pflicht sein soll oder nicht. „Wir haben uns dagegen entschieden, weil es für Schüler oft nicht realistisch ist, mehrere romanische Sprachen zu lernen“, sagt Maren Schmidt-von Essen, Dozentin an der Bonner Romanistik-Fakultät. „Latein ist oft eine Entscheidung gegen moderne Sprachen, und das ist schade.“

Zusätzliche Belastung für ausländische Studierende

Zudem stelle Latein für Studenten mit ausländischen Wurzeln eine zusätzliche Belastung dar. Allerdings eigne sich jeder, der wissenschaftlich arbeiten wolle, Latein sowieso aus freien Stücken an. „Wer aber mit einem wirtschaftswissenschaftlichen Schwerpunkt ins Berufsleben geht, der braucht dafür kein Latein“, erklärt Schmidt-von Essen den Standpunkt ihrer Fakultät.

In Münster hingegen muss das Latinum spätestens zu Beginn des Masterstudiums vorliegen. Auch in Heidelberg verzichtet man nicht darauf. Hier verlangt man das Latinum sogar schon im Bachelorstudium, und zwar nicht nur für evangelische und katholische Theologie und Klassische Philologie, sondern auch für Christentum und Kultur, Geschichte, Historische Hilfswissenschaften, Archäologie, Philosophie, Portugiesisch sowie die Lehramtsfächer Französisch, Spanisch und Italienisch. Auch wer Musikwissenschaft studiert, bekommt ohne Lateinkenntnisse keinen Abschluss.

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An der Uni Bonn muss, wer Geschichte als Bachelor-Kernfach oder auf Lehramt studiert, das Latinum, mindestens aber Lateinkenntnisse zum Beginn des dritten Semesters nachweisen. „Unsere Ausbildung umfasst alle Epochen. Wenn man Quellen lesen will, kommt man auch im Bachelorstudium nicht ohne Latein aus“, rechtfertigt Simon Ebert von der historischen Fakultät die Bedingung, an der nicht wenige Studenten zu knabbern haben, weil sie in der Schule kein Latein gelernt oder es früh abgewählt haben.

Zum Masterstudium ziehen dann aber auch in Bonn neben Geschichte, Theologie und Klassischer Philologie weitere Fächer die „Latein-Schranke“ hoch: Germanistik, Mittelalterstudien, Philosophie, Ägyptologie, Kunstgeschichte, Klassische und Frühgeschichtliche Archäologie, Renaissance-Studien, Deutsch-Französische Studien.

So mancher kommt um das Lateinbüffeln nicht herum

Rainer Kolk, Kustos der Bonner Germanistik-Fakultät, begründet das so: „Der Bachelor ist eher auf den Beruf ausgerichtet. Wer danach die Uni verlässt, kommt als Germanist auch ohne Lateinkenntnisse zurecht. Im Masterstudium spitzt sich der wissenschaftliche Anspruch aber zu.“ Deshalb verlange man hier für alle drei Profile - Mediävistik, Sprachwissenschaft und Neuere deutsche Literaturwissenschaft - auch den Lateinnachweis.

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