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Veröffentlicht: 15.12.2014, 06:00 Uhr

Die ideale Lehranstalt Wann ist eine Schule wirklich gut?

Wonach sollten Eltern fragen: Nach Klassengrößen, Menge der Hausaufgaben, Fortbildung der Lehrer, Computerausstattung? Nein - bei der Wahl der Schule sind andere Kriterien wichtiger.

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© dpa Schüler einer Rostocker Privatschule: Ob sie besser lernen als Kinder an staatlichen Schulen?

Jedes Jahr suchen Hunderttausende Eltern in Deutschland nach der idealen Schule für ihr Kind. 708 000 Erstklässler gab es im vergangenen Jahr. Und für die weiterführende Schule geht die Suche noch einmal los. Da werden Elternabende besucht, Klassenräume besichtigt, Konzepte geprüft. Nachmittage gefüllt mit Diskussionen darüber, wieso man sich „bewusst“ für die Stadtteilschule entschieden hat oder wieso es Waldorf oder Montessori sein muss - oder eben gerade diese Privatschule, die je Kind und Monat mehr als 1000 Euro verlangt.

Nichts ist wichtiger als Bildung, wenn es darum geht, später eine gute Stelle zu bekommen. Aber haben die Eltern bei der Auswahl der Schule die richtigen Kriterien? Wonach sollte man fragen am Elternabend? Nach Klassengrößen? Menge der Hausaufgaben? Fortbildung der Lehrer? Computerausstattung?

Forscher halten all das für die falschen Kriterien. Zumal es eine ganze Reihe von Untersuchungen gibt, die nicht bestätigen konnten, dass gerade so intuitiv einleuchtende Dinge wie die Klassengröße und die Lehrerfort- oder Ausbildung eine große Rolle spielen. Mittlerweile verfolgen einige Wissenschaftler eine ganz neue Idee: Könnte es sein, dass für Schulen das Gleiche gilt wie für Firmen - dass nämlich die besser sind, die besser gemanagt werden?

Erstaunliche Doppelblind-Studie

Vier Forscher aus Stanford, Harvard und der London School of Economics haben diese Idee in großem Stil verfolgt. Nicholas Bloom, Raffaella Sadun, Renata Lemos und John Van Reenen haben Gespräche mit Schulleitern auf der ganzen Welt geführt. Vordergründig ging es darum, Methoden des Managements von Schulen kennenzulernen. In Wirklichkeit ging es darum, diese Methoden auch zu bewerten.

Die Gespräche waren doppelblind: Die Schulleiter wussten nicht, was das eigentliche Ziel der Befragung war, und die jeweiligen Interviewer wussten nichts über die Ergebnisse und Leistungen der Schule, mit deren Schulleiter sie sprachen. Auf Basis der Berichte wurde die Intensität und Effektivität des Schul-Managements in vielen Kategorien bewertet. Angefragt wurden nur Schulen, die auch 15-Jährige unterrichten.

Parallel suchten die Studienleiter zu jeder Schule Daten darüber, wie gut ihre jeweiligen Schüler im Vergleich mit anderen im Land abschnitten. Dazu wählten sie je nach Land ganz unterschiedliches Material aus - in der Regel nationale Vergleichstests. Deutschland war eines der wenigen Länder, für die es solche Vergleichsdaten (noch) nicht gab.

Besser gemanagte Schulen schneiden besser ab

Der Vergleich ergab einen eindeutigen Zusammenhang: Je besser eine Schule geführt ist, desto besser waren auch die Leistungen der Schüler. Besonders gut schnitten Privatschulen und private Ersatzschulen ab, was Ergebnisse und Management-Qualität angeht. Da drängt sich natürlich, wie immer, wenn es um Schulen geht, ein Verdacht auf: Haben die besser gemanagten Schulen vielleicht einfach deshalb bessere Schüler, weil sie Geld kosten und deshalb nur für bessergestellte Eltern bezahlbar sind? Oder ziehen sie von Anfang an die interessierteren Eltern an, die wiederum tendenziell klügere Kinder haben? Sind also gut gemanagte Schulen vielleicht nur deshalb besser, weil sie bessere Schüler haben?

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Um das zu widerlegen, braucht es Informationen, die es in vielen Ländern nicht gibt. Wohl aber in Großbritannien. Dort gibt es Daten darüber, wie stark eine Schule die jeweiligen Schüler im Vergleich zu vorherigen Leistungen verbessert. Genauer: eine Zahl, die wiedergibt, wie sich die durchschnittliche Leistung der Schüler steigert zwischen Eintritt und Austritt aus der Schule. Nimmt man diese Zahl als Vergleichsmaßstab, dann zeigt sich deutlich: Management wirkt. Denn besser gemanagte Schulen schneiden dann sogar noch besser ab.

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