http://www.faz.net/-gyl-7x7nn

Die ideale Lehranstalt : Wann ist eine Schule wirklich gut?

  • -Aktualisiert am

Schüler einer Rostocker Privatschule: Ob sie besser lernen als Kinder an staatlichen Schulen? Bild: dpa

Wonach sollten Eltern fragen: Nach Klassengrößen, Menge der Hausaufgaben, Fortbildung der Lehrer, Computerausstattung? Nein - bei der Wahl der Schule sind andere Kriterien wichtiger.

          Jedes Jahr suchen Hunderttausende Eltern in Deutschland nach der idealen Schule für ihr Kind. 708 000 Erstklässler gab es im vergangenen Jahr. Und für die weiterführende Schule geht die Suche noch einmal los. Da werden Elternabende besucht, Klassenräume besichtigt, Konzepte geprüft. Nachmittage gefüllt mit Diskussionen darüber, wieso man sich „bewusst“ für die Stadtteilschule entschieden hat oder wieso es Waldorf oder Montessori sein muss - oder eben gerade diese Privatschule, die je Kind und Monat mehr als 1000 Euro verlangt.

          Nichts ist wichtiger als Bildung, wenn es darum geht, später eine gute Stelle zu bekommen. Aber haben die Eltern bei der Auswahl der Schule die richtigen Kriterien? Wonach sollte man fragen am Elternabend? Nach Klassengrößen? Menge der Hausaufgaben? Fortbildung der Lehrer? Computerausstattung?

          Forscher halten all das für die falschen Kriterien. Zumal es eine ganze Reihe von Untersuchungen gibt, die nicht bestätigen konnten, dass gerade so intuitiv einleuchtende Dinge wie die Klassengröße und die Lehrerfort- oder Ausbildung eine große Rolle spielen. Mittlerweile verfolgen einige Wissenschaftler eine ganz neue Idee: Könnte es sein, dass für Schulen das Gleiche gilt wie für Firmen - dass nämlich die besser sind, die besser gemanagt werden?

          Erstaunliche Doppelblind-Studie

          Vier Forscher aus Stanford, Harvard und der London School of Economics haben diese Idee in großem Stil verfolgt. Nicholas Bloom, Raffaella Sadun, Renata Lemos und John Van Reenen haben Gespräche mit Schulleitern auf der ganzen Welt geführt. Vordergründig ging es darum, Methoden des Managements von Schulen kennenzulernen. In Wirklichkeit ging es darum, diese Methoden auch zu bewerten.

          Die Gespräche waren doppelblind: Die Schulleiter wussten nicht, was das eigentliche Ziel der Befragung war, und die jeweiligen Interviewer wussten nichts über die Ergebnisse und Leistungen der Schule, mit deren Schulleiter sie sprachen. Auf Basis der Berichte wurde die Intensität und Effektivität des Schul-Managements in vielen Kategorien bewertet. Angefragt wurden nur Schulen, die auch 15-Jährige unterrichten.

          Parallel suchten die Studienleiter zu jeder Schule Daten darüber, wie gut ihre jeweiligen Schüler im Vergleich mit anderen im Land abschnitten. Dazu wählten sie je nach Land ganz unterschiedliches Material aus - in der Regel nationale Vergleichstests. Deutschland war eines der wenigen Länder, für die es solche Vergleichsdaten (noch) nicht gab.

          Besser gemanagte Schulen schneiden besser ab

          Der Vergleich ergab einen eindeutigen Zusammenhang: Je besser eine Schule geführt ist, desto besser waren auch die Leistungen der Schüler. Besonders gut schnitten Privatschulen und private Ersatzschulen ab, was Ergebnisse und Management-Qualität angeht. Da drängt sich natürlich, wie immer, wenn es um Schulen geht, ein Verdacht auf: Haben die besser gemanagten Schulen vielleicht einfach deshalb bessere Schüler, weil sie Geld kosten und deshalb nur für bessergestellte Eltern bezahlbar sind? Oder ziehen sie von Anfang an die interessierteren Eltern an, die wiederum tendenziell klügere Kinder haben? Sind also gut gemanagte Schulen vielleicht nur deshalb besser, weil sie bessere Schüler haben?

          Um das zu widerlegen, braucht es Informationen, die es in vielen Ländern nicht gibt. Wohl aber in Großbritannien. Dort gibt es Daten darüber, wie stark eine Schule die jeweiligen Schüler im Vergleich zu vorherigen Leistungen verbessert. Genauer: eine Zahl, die wiedergibt, wie sich die durchschnittliche Leistung der Schüler steigert zwischen Eintritt und Austritt aus der Schule. Nimmt man diese Zahl als Vergleichsmaßstab, dann zeigt sich deutlich: Management wirkt. Denn besser gemanagte Schulen schneiden dann sogar noch besser ab.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Unruhe bei Sozialdemokraten : Was will die SPD?

          Bloß keine Neuwahlen! Und bloß keine Große Koalition! Die SPD trägt ihren inneren Konflikt zur eigenen Zukunft mittlerweile offen aus.Parteichef Schulz steht bereits unter Beschuss. Wie viel Unterstützung hat er noch?
          Fingerabdruck-Kontrolle auf einer Registrierungsstelle für unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge in Baden-Württemberg.

          Flüchtlinge : Viele „Minderjährige“ sind über 18

          Von den Migranten, die als „unbegleitete Minderjährige“ gelten, sind viele eigentlich schon volljährig. In den meisten Fällen hat das aber nichts mit Täuschung oder falscher Altersschätzung zu zun.
          Bei dem Unfall in der Münchner Innenstadt wurden zwei Personen schwerverletzt, ein Fahrer erlitt leichte Verletzungen.

          Bei Unfall in München : Über 200 Gaffer behindern Rettungskräfte

          Zahlreiche Schaulustige haben bei einem Unfall in der Münchner Innenstadt die Rettungskräfte zum Teil massiv behindert. Erst nach zahlreichen Platzverweisen kommen Polizei und Feuerwehr zu den Verletzten durch. Das könnte Konsequenzen haben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.