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Kommunikationsplattform : Soziales Netzwerk für Mediziner

Für fast alle Berufsgruppen gibt es soziale Netzwerke. Nur für die Ärzte war das lange Zeit nicht der Fall. Bild: dpa

Zwei junge Chirurgen haben im Internet eine Plattform für Ärzte gegründet. Kliniken suchen dort nach Ärzten, Ärzte nach Stellenangeboten, Studenten nach Nebenjobs oder Doktorandenstellen, Erstsemester nach Gleichgesinnten oder einfach nach Erfahrungsaustausch.

          Ihr Wohnzimmer gleicht einer Presselounge. Roman Rahimi und Matthias Wähmann sitzen auf einer schwarzen Ledercouch. Getränke und kleine Snacks sind vorbereitet. Im Hintergrund steht ein mannshohes Werbebanner, auf dem Wohnzimmertisch liegen lila Informationsbroschüren. Nur die Zeit ist für einen Interviewtermin ungewöhnlich: Freitagabend 21 Uhr. „Früher ging es leider nicht. Wir sind beide erst vor kurzem von unserem Dienst aus der Klinik gekommen“, sagt der 29 Jahre alte Wähmann. Seit Monaten gehen die beiden tagsüber ihrem Beruf als Assistenzärzte in der Chirurgie nach. In ihrer freien Zeit sind sie Geschäftsführer von Imedcon. „Imedcon ist ein soziales Netzwerk für Mediziner, eine Stellenbörse, eine Plattform zur Kommunikation und zum Wissensaustausch“, erklärt Rahimi.

          Lucia Schmidt

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Vor fast drei Jahren hatten die beiden Freunde die Idee dazu. Er habe damals Examen gemacht und sei auf der Suche nach einer passenden Stelle in der Chirurgie gewesen, erzählt Wähmann. Dafür habe er sich durch die Internetseiten der Kliniken geklickt, in Personalabteilungen angerufen, auf Tipps von Bekannten gehört und das „Deutsche Ärzteblatt“ durchgeblättert.

          Oft können die Ärzte wählen, wo sie hingehen wollen

          Was in anderen Branchen seit Jahren selbstverständlich ist, ist für Mediziner noch ein unentdecktes Feld. „Headhunting 2.0 ist in den Personalabteilungen vieler Kliniken kein Thema“, sagt Wähmann. Dort suche man nach Personal, wie man es seit Jahrzehnten mache. „Das funktioniert aber nicht mehr, da sich die Bedingungen grundlegend geändert haben.“ Früher stapelten sich auf den Schreibtischen der Chefärzte Bewerbungen, die nach Bedarf aussortiert werden konnten. „Wer damals keinen Doktortitel hatte, kam beispielsweise schon von vorneherein nicht in die engere Auswahl“, sagt Rahimi. Doch mittlerweile können wegen des Ärztemangels oft nicht mehr die Kliniken und Praxen aussuchen, wen sie nehmen, sondern die Ärzte entscheiden, wo sie hingehen wollen.

          Für die Generation Y - Ärzte, die nach 1980 geboren sind - spielen geregelte Arbeitszeiten, ausreichend Freizeit, eine Balance von Familie und Beruf, gute Fortbildungsmöglichkeiten und Teamarbeit eine entscheidende Rolle. „Kliniken müssen also mit attraktiven Angeboten selbst aktiv werden, um qualifizierten Nachwuchs zu erreichen. Denn das Beschaffen von Informationen über die Internetseiten der Kliniken oder soziale Netzwerke gehört für junge Leute zum Standard“, fasst Wähmann die Erwartungen an die Arbeitgeber zusammen.

          Die Machtverhältnisse am Arbeitsmarkt haben sich zugunsten der Bewerber verändert. Nach dem „Deutschen Krankenhaus Institutsbarometer“ hatten rund drei Viertel der Kliniken im vergangenen Jahr Schwierigkeiten, ihre freien Stellen zu besetzen. 3800 Stellen im ärztlichen Dienst konnten 2011 gar nicht besetzt werden. Und Umfragen zeigen: Schon heute halten 40 Prozent der Mediziner im Internet oder auf Internetseiten von Kliniken nach neuen Stellen Ausschau.

          Seit Mitte September sind die beiden Mainzer mit ihrem Portal online. Sie haben an ihrem Internetauftritt alles selbst gestaltet - das Logo, die Farben, den Slogan, die Texte. Zusammen mit Informatikern haben sie sich in die Technik eingearbeitet, das Layout gestaltet und Datenschutzrichtlinien umgesetzt. „Es ist, wie wenn man ein neues Haus baut und alles nach seinen Vorstellungen entwirft“, sagt Rahimi.

          Sie haben sich alles selbst beigebracht und „einiges an Lehrgeld bezahlt“. Nach dem Konzept hinter ihrem „Start up“ gefragt, sprudelt es Antworten: neu, einzigartig, eine Herzenssache, dringend gebraucht, eine Marktlücke. „Es ist ein Portal, das auf die Mediziner zugeschnitten und von Medizinern gemacht ist.“

          Skepsis gegenüber dem Internet

          Imedcon will „Suchende mit Sucher verbinden“, ist Headhunting und Stellenbörse in einem. Sowohl Mediziner als auch Kliniken können sich in dem Portal ein Profil anlegen. Für die Mediziner ist dies kostenlos. Für die Kliniken kostet es je nach Größe des Unternehmens einen monatlichen Beitrag. Gesucht werden kann durch bestimmte Voreinstellungen nach fast allem: Kliniken nach Ärzten, Ärzte nach Stellenangeboten, Studenten nach Nebenjobs oder Doktorandenstellen, Erstsemester nach Gleichgesinnten oder einfach nach Erfahrungsaustausch.

          Derzeit versuchen die Gründer Personalmanger und Klinikleitung von ihrer Idee zu überzeugen. Dabei warten sie oft stundenlang im Verwaltungstrakt der Krankenhäuser. „Viele dort stehen der Personalakquise im Internet skeptisch gegenüber. Eine große Anzahl der Klinikleiter stammt aus einer anderen Generation“, sagt Wähmann.

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