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Kennwort-Bewerbung : Einstiegshilfe für Profisportler

  • -Aktualisiert am

Susanne Hahn ist amtierende deutsche Meisterin im Marathon. Jetzt kümmert sie sich neben ihrer Sportkarriere um den Berufseinstieg. Bild: ddp

Damit Leistungssportler einen leichteren Berufseinstieg haben, gibt es die Möglichkeit der Kennwort-Bewerbung. Durch das Kennwort sieht die Personalabteilung, dass es sich um einen Athleten handelt. Drei bekannte Unternehmen machen schon bei dem Projekt mit.

          Susanne Hahn hat einen langen Atem und braucht Ausdauer. Die 34 Jahre alte Sportlerin ist amtierende deutsche Meisterin im Marathon. Sie hat in Bonn Deutsch und Latein auf Lehramt studiert und das erste Staatsexamen in der Tasche, aber kein Referendariat. Nun kümmert sie sich neben ihrer sportlichen Karriere um ihren Berufseinstieg. „Im etwas gesetzteren Alter“, wie Hahn es formuliert. Der Grund: In ihrem bisherigen Leben nimmt der Sport einen großen Stellenwert ein und steht im Vordergrund.

          Damit Leistungssportler einen leichteren Berufseinstieg haben, gibt es die Möglichkeit der Kennwort-Bewerbung. Dieses besondere Angebot bieten bislang die Deutsche Bank, die Telekom und der Außenwerbespezialist Ströer an, erklärt Dieter Hahn von der Deutschen Sporthilfe. Die Sportler können sich bei den Unternehmen mit Verweis auf die Sporthilfe bewerben. Dann sieht die Personalabteilung, dass es sich um einen Athleten handelt. Denn der fällt normalerweise durch das übliche Bewerbungsverfahren. Oft studieren die Sportler länger als der Durchschnitt oder sie haben nicht die geforderten Praktika. Häufig sind sie älter als andere Bewerber. „Die Kennwort-Bewerbung garantiert nur den Vorstellungstermin“, sagt Hahn. Danach durchlaufen die Bewerber das ganz normale Verfahren. Das Konzept soll ausgebaut werden und gilt für alle von der Sporthilfe geförderten Sportler. Es gibt keinen Unterschied zwischen Olympia-Sieger oder einem deutschen Meister.

          „Die Sportler wollen eine Perspektive“

          Bei der Unterstützung durch die Wirtschaft geht es neben dem Geld auch um die Bereitstellung von Praktikumsplätzen. „Die Sportler wollen nicht in erster Linie Geld, sondern eine Perspektive“, sagt Hahn. So schickt beispielsweise die Telekom ihre Experten der Personalabteilung und bietet Bewerbungstrainings an.

          Fußballer sind in der Regel privilegierter als andere Sportler, wenn es um das Thema Berufseinstieg geht, heißt es. Bei der Telekom werden die besonderen Fähigkeiten der Athleten geschätzt. Sie seien strukturierte Menschen, die sich den Tag einteilen könnten. „Und sie sind es gewohnt, auf den Punkt hinzuarbeiten“, sagt ein Telekom-Sprecher. Sie hätten früh gelernt, sich selbst zu organisieren. Der Tagesablauf eines Spitzensportlers ist straff. Der 25 Jahre alte Schwimmer Steffen Deibler studiert seit 2008 in Hamburg Umwelttechnik. Aktuell ist er im neunten Semester. Nach den Sommerspielen in London steht für den Olympiateilnehmer wieder das Studium im Mittelpunkt. Trainiert wird trotzdem. Der Schwabe steht um 5.20 Uhr auf und startet mit dem Training um 6.15 Uhr. Von 8.30 bis 14 ist er an der Uni, von 16.30 bis 20 Uhr trainiert er wieder. „Das Jahr vor London habe ich fast gar nicht studiert“, sagt er. Deibler peilt die Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro an und rechnet damit, frühestens in zwei bis drei Jahren seinen Hochschulabschluss zu haben.

          Gute Selbsteinschätzung

          Bis Marathonläuferin Susanne Hahn ihren endgültigen Arbeitsplatz gefunden hat, kann es noch dauern. Sie macht erst einmal ein Praktikum in der Presseabteilung des Kölner Ströer-Konzerns. Die Olympia-Teilnehmerin von Peking und London möchte „in den Bereich Kommunikation hineinschnuppern“. Sie habe seit Sommer zahlreiche Bewerbungen geschrieben. „Eine Einladung zu einem Bewerbungsgespräch gab es nicht“, sagt die junge Mutter. Zu ihren Stärken zählt sie vor allem ihre Erfahrung im Ausland, die sie infolge der zahlreichen Wettkämpfe gewonnen hat. „Ich habe verschiedene Kulturen kennengelernt und bin es gewohnt, mich öffentlich zu präsentieren.“

          Leistungssportler seien in der Selbsteinschätzung oftmals besser als der normale Bewerber, betont man bei Ströer: Das sei wichtiger als ein durchgestylter Lebenslauf. Das Unternehmen rechnet bei einer Ausweitung des Projekts der Kennwort-Bewerbung mit einem Schub von Interessenten.

          Quelle: F.A.Z.

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