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Karriere im Start-up : Student, Gründer, Chef

Das große Krabbeln: Timo Bäcker und Christopher Zeppenfeld mit ihren Insekten Bild: Swarm

Start-ups stellen gern Freunde von der Uni an, machen garantiert Anfängerfehler und bekommen gute Leute nur gegen gutes Geld. Oder etwa nicht? Berichte aus der Gründerszene.

          Schon mal gekochte Hornissenlarven gegessen? Wasserwanzen vielleicht? Oder, mit noch mehr Lust an exotischer Vielfalt, gleich einen ganzen Insektenteller? Timo Bäcker und Christopher Zeppenfeld können jede dieser Fragen nicht nur mit Ja beantworten, sie haben aus ihren kulinarischen Erfahrungen sogar eine Geschäftsidee gemacht. Es war eine mehrwöchige Asienreise, auf der beide allerlei Insekten kennenlernten, die hierzulande allenfalls Spezialisten bekannt sind, in Ländern wie Vietnam oder Laos aber ganz selbstverständlich auf dem Teller landen. Die Frage, ob Essen aus Insekten auch bei uns eine Chance hat, haben sie mit der Gründung ihres Start-ups „Swarm“ beantwortet. Sie wissen aus eigener Erfahrung, was es bedeutet, als ehemaliger Student in die Chefrolle zu wachsen.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Swarm hat Proteinriegel entwickelt, die aus gemahlenen Grillen hergestellt werden, gezüchtet von thailändischen Kleinbauern. Die Geschmacksrichtungen klingen auch für europäische Ohren verlockend: Red Berries, Chia Hazelnut und Raw Cacao. Die Riegel seien nicht nur eine hochwertige und – jawohl! – köstliche Proteinquelle, versprechen die Gründer. Grillen verbrauchten im Vergleich zu Rindern nur acht Prozent des Futters und zwei Prozent des Wassers. Außerdem produzierten sie gerade mal ein Prozent der Treibhausgase. So weit die Agenda der Jungunternehmer.

          Beide legten das eine oder andere Jahr zwischen ihre Uni-Abschlüsse und die ersten Gehversuche als Gründer. Zeppenfeld studierte erst BWL und anschließend VWL an der Universität Köln, die Promotion erfolgte im Jahr 2015. Bäcker wurde auf der Kunsthochschule Kassel zum Diplom-Designer ausgebildet, danach arbeitete er zunächst für zwei renommierte Agenturen. Als feste Größen der Kölner Gründerszene waren ihre Erfahrungen auch über Swarm hinaus gefragt. Zumal die Insekten-Idee gut ankam: Seit Sommer vergangenen Jahres wird Swarm mit einem Gründerstipendium des Bundeswirtschaftsministeriums und des Europäischen Sozialfonds unterstützt. Außerdem gewann das junge Unternehmen, das sich zusätzlich die Ernährungs- und Sportwissenschaftlerin Daniela Falkner, eine alte Schulfreundin, an Bord geholt hat, mehrere Businessplan-Wettbewerbe. Das brachte eine fünfstellige Fördersumme und verbesserte die Perspektiven. Die Sporthochschule Köln und das Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie hatte Swarm ohnehin schon als Partner für sich gewonnen.

          „Start-ups fischen oft im eigenen Umfeld“

          „Wir haben unsere Idee jedem erzählt, der in Reichweite war“, sagt Bäcker. „Besonders an Universitäten haben wir in Vorlesungen und Seminaren gesprochen und viel wertvolles Feedback erhalten.“ Mehr noch: „Als Nebeneffekt haben diese Vorträge unerwartet als Recruiting-Event gedient.“ Schließlich waren sie keine Studenten mehr, sondern potentielle Chefs. Und weil sie immer gern mit Interessierten über essbare Insekten plauderten, seien regelmäßig Studenten auf sie zugekommen, sagt Bäcker. Was so entspannt und konstruktiv klingt, hat allerdings Tücken. Denn junge Unternehmen auf Personalsuche können in Fallen laufen.

          „Start-ups fischen oft im eigenen Umfeld“, sagt die Psychologin Nicola Breugst, die an der Technischen Universität München Professorin für „Entrepreneurial Behaviour“ ist – eine Spezialistin für die Chancen und Fallstricke der Gründerjahre. Dieses Fischen im vertrauten Umfeld habe ja auch Vorteile, denn so könne man „Kandidaten leichter beurteilen“. Allerdings: „Manche stellen auch einfach jeden ein, den sie kennen – schlichtweg weil sie keine Zeit für lange Bewerbungsverfahren haben.“ Allzu zukunftstauglich sei das nicht.

          Auch Jakob Bitner kommt von der TU München (TUM), er hat von dort aus das Unternehmen „Volt Storage“ aufgebaut – mit Anfang dreißig, wie die beiden Kölner Gründer. Bitners Gründung hat einen Energiespeicher für Privathaushalte entwickelt, mit dem tagsüber produzierte Solarenergie nachts genutzt werden kann. Das Gerät soll nächstes Jahr in Serie gehen und nutzt eine Batterietechnologie, die bislang nur im Industrie-Maßstab einsetzbar war. Bitner ist kein Einzelkämpfer, Mitgründer an der TUM sind der Wirtschaftsingenieur Michael Peither und Felix Kiefl, Student der Elektrotechnik. Die drei haben den Charme, aber auch die Schwierigkeiten des Anfangs kennengelernt. „Wir haben zu Beginn Fehler gemacht“, sagt Bitner. Und zwar „weil wir Gründer weiter so geredet haben, als wären wir noch unter uns“. Ein Beispiel für die Unbedarftheit der Anfänger: „Wir haben offen über mögliche Investoren oder einzelne Mitarbeiter diskutiert.“ Dagegen habe das Trio zu wenig darüber gesprochen, „was unsere Ziele sind“. Mithin: „Warum arbeiten wir derzeit an diesem Thema, und wohin führt das?“

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