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Jugendlicher Designer : Markenmode aus dem Kinderzimmer

Ende offen: Dovjenko legt ohne eine konkrete Idee los Bild: Anja Wiroth Agency

Der Kölner Schüler Magomed Dovjenko hat sich als Grafikdesigner einen Namen gemacht: Er ist zwar erst 16 Jahre alt, hat aber schon für Nike, Diesel und Toyota gezeichnet.

          Bis zum Nachmittag geht Magomed Dovjenko zur Schule. Danach beginnt sein Arbeitstag als Nachwuchsdesigner. Am PC in seinem Jugendzimmer entwirft der 16 Jahre alte Kölner Gesamtschüler Grafiken, die Firmen als Aufdruck für T-Shirts, als Logos oder für Werbeplakate verwenden. Besonders stolz ist er auf seinen jüngsten Auftrag, der von Nike kam. Für den amerikanischen Sportartikelkonzern hat Dovjenko Motive für zehn T-Shirts gestaltet. „Ich habe schon in Kölner Geschäften danach gesucht“, berichtet er. Doch noch sind die Modelle nicht in Europa erschienen.

          Christine Scharrenbroch

          Freie Autorin im Wirtschaftsteil.

          Mago, wie sich Dovjenko als Designer nennt, hat in seinem jungen Alter schon für einiges Aufsehen gesorgt. Im vergangenen Jahr gewann er beim Digital Artist Award den zweiten Platz für zweidimensionale Illustrationen. Im Frühjahr lud ihn Stefan Raab in seine Fernsehsendung TVTotal ein. Kurz darauf besuchte Dovjenko in den Ferien in Amsterdam den niederländischen Fußballspieler Edgar Davids, um für dessen Modelabel Monta Grafiken zu entwerfen. Die Liste seiner Auftraggeber ist beachtlich: Neben Adidas, Reebok und Diesel hat er schon für Toyota, den amerikanischen Pharma- und Medizintechnikkonzern Johnson & Johnson und die Cognac-Brennerei Hennessy gearbeitet. Agenten in Berlin, London und New York sind für ihn tätig.

          Mit 14 angefangen

          Angefangen hat seine ungewöhnliche Laufbahn, als Dovjenko 14 Jahre alt war. Zunächst auf Papier, dann am PC entwickelte er Designs, die er auf Internetplattformen zeigte. Schnell wurden Unternehmen auf ihn aufmerksam. Seine ersten Aufträge erhielt er von kleineren amerikanischen Modefirmen. Dann mailte Dovjenko die New Yorker Werbe- und Strategieagentur Keystone Design Union an und stellte seine Arbeiten vor - wobei er zunächst geflissentlich verschwieg, dass er erst 14 Jahre alt war. Die Agentur zeigte Interesse und störte sich auch nicht an seinem Alter, als sie es erfuhr. Inzwischen hat sie ihm schon mehrere Aufträge vermittelt, auch den von Nike.

          Woher er seine Ideen nimmt, kann Dovjenko nicht richtig beantworten. Er beginne stets mit einem weißen Hintergrund und zeichne einfach drauflos. „Ich weiß vorher nie, was dabei herauskommt.“ In die Computerprogramme habe er sich alleine eingearbeitet, dazu hin und wieder einen Workshop besucht. Auch seine Internetseite hat er selbst entworfen, die Programmierung hat ein Freund übernommen.

          „Ich arbeite ziemlich schnell“

          Mit seinen Honoraren, über deren Höhe er nicht sprechen will, hat der Schüler sich eine spezielle Ausstattung zugelegt. Neben zwei Rechnern gehört dazu ein sogenanntes Graphiktablett, mit einer Art Stift kann er direkt auf dem Display zeichnen. Wenn viel zu tun ist, verbringt er täglich mehrere Stunden vor dem PC. Mit der Schule lasse sich das gut vereinbaren, beteuert er. „Ich arbeite ziemlich schnell.“ Auch zum Fußballspielen, für Besuche im Fitnessstudio und Treffen mit Freunden bleibe ihm genug Zeit. Und wie reagieren die Mitschüler auf seinen Nebenerwerb? „Meistens positiv.“

          Die Schule will Dovjenko, der 1994 mit seinen Eltern als Flüchtling aus Tschetschenien nach Deutschland kam, noch bis zum Abschluss der zehnten Klasse im nächsten Sommer besuchen. „Dann will ich gerne nach New York“, sagt er selbstbewusst. Um seine berufliche Zukunft macht er sich jedenfalls keine Sorgen. Die „Keystone Design Union“ hat ihm schon eine Ausbildung zum Grafikdesigner angeboten, und auch eine Amsterdamer Agentur würde ihn gerne unter Vertrag nehmen.

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