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Jessup Moot Court : Weltmeisterschaft für Jungjuristen

  • -Aktualisiert am

Ähnlich wie beim Debattieren kommt es auch beim Jessup Moot Court auf große Gesten und gewichtige Worte an. Bild: Sick, Cornelia

Der Jessup Moot Court ist die Simulation einer Gerichtsverhandlung im Völkerrecht. Monatelang bereiten sich die Studenten darauf vor und üben, in kraftvollen Bildern zu sprechen.

          Im Sitzungssaal des Max-Planck-Instituts in Heidelberg ist der Sonnenschutz halb heruntergelassen. Die Jurastudentin Evgeniya Yushkova tritt an das Rednerpult und sortiert ihre Unterlagen. Vor ihr sitzen vier ihrer Kommilitonen, ein Richter und zwei wissenschaftliche Mitarbeiter des Instituts. Es ist Probe.

          Die Verteidigung – sie selbst und Benjamin Nussberger – sitzt rechts, die Anklage – Elena Marie Kullak, Victoria Otto und Robert Pfeiffer – links. Mit gerader Haltung und würdevoller Stimme richtet sich Yushkova an den Richter. „Mr. President, dear Chancellor, may it please the court.“ Die fünf Studenten simulieren nun schon zum 18. Mal die Verhandlung, es ist das letzte Training vor dem Finale des Jessup Moot Court in Washington. Zum 18. Mal hält Evgenja das gleiche Plädoyer, 21 Minuten lang, auf Englisch.

          Die bedeutendste simulierte Völkerrechtsverhandlung der Welt

          Ein Moot Court ist die Simulation einer Gerichtsverhandlung. Der Jessup Moot Court, an dem die Heidelberger Gruppe teilnimmt, ist der größte der Welt für Völkerrecht. Für ihn haben auch sechzehn deutsche Universitäten Studententeams aufgestellt; sie arbeiten vier Monate lang an einem fiktiven Fall und verfassen 30-seitige Gutachten. Dann kommt es zur nationalen Ausscheidung, in der sich die Studentengruppen mit ihren Plädoyers gegenübertreten, und einer Gerichtsverhandlung.

          Eine weitere Besonderheit der Veranstaltung: Schon in der nationalen Entscheidung reden die Teilnehmer vor namhaften Richtern, zum Beispiel vom Internationalen Gerichtshof in Den Haag, vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte oder vom Bundesverfassungsgericht. Diese vergeben Punkte für die Plädoyers und Gegenplädoyers, sie bewerten die einzelnen Teilnehmer, und sie entscheiden, welches Team in die nächste Runde einzieht. Die zwei besten Teams aus Deutschland treten schließlich in Washington an – gegen Abordnungen von 500 Fakultäten aus 80 Ländern.

          Jungjuristen, die an die Kraft des Völkerrechts glauben

          Bei der nationalen Vorentscheidung in Bochum wird das Team der Heidelberger Ruprecht-Karls-Universität für den besten Schriftsatz geehrt. Drei Heidelberger Studenten gehören zu den besten vier Rednern, die Gruppe muss sich nur der Friedrich Schiller Universität aus Jena geschlagen geben. So ist der Weg nach Washington frei. Das Finale in Washington ist so etwas wie eine Weltmeisterschaft für talentierte Jungjuristen, für hervorragende Studenten, die es nicht in Wirtschaftskanzleien zieht, sondern die an die Kraft des Völkerrechts glauben.

          Victoria Otto, die zur Anklage gehört, antwortet ebenfalls genau 21 Minuten lang auf das Plädoyer der Verteidigung. Dann versucht Benjamin Nussberger von der Verteidigung ihre Argumente wiederum zu entkräften. Der Richter stellt Fragen. Sie sind es, die die Teilnehmer ins Straucheln bringen können. Es wird deutlich, wer festgefahren und wer flexibel ist.

          Das Studium steht erstmal hinten an

          “Unsere Teilnehmer haben in den Verhandlungen Argumenten entgegnet, die wir uns vorher noch nie so überlegt haben“, sagt Johannes Fuchs. Der Leiter der Gruppe ist zufrieden. Das Max-Planck-Institut bereitet sein Team intensiv und beharrlich auf das Finale in Washington vor. Die Teilnehmer haben in den vergangenen sechs Monaten ihr Studium vernachlässigt – und doch härter gearbeitet als die meisten Kommilitonen: acht Stunden am Tag, sechs Tage die Woche. „Du findest um halb vier morgens in einem Aufsatz einen Satz, eine Idee, ein Argument; dann kommt es schon mal vor, dass du einen kleinen Freudentanz aufführst“, sagt Robert Pfeiffer.

          Es sind Studenten wie Pfeiffer, der im vierten Semester ist, für den die International Law Students Association seit 1959 den Moot Court veranstaltet. Er ist der beste Redner der Gruppe, in Bochum wird er zum Besten der Veranstaltung gewählt. In langsamen klaren Worten wirbt er für das Recht zwischen den Völkern.

          In der letzten Probe sollen die Argumente noch einmal in Bilder gepackt werden. In dem Plädoyer geht es darum, den Klang der Wörter zu finden, ihnen Würde zu verleihen. „Was Robert beherrscht, ist die große Geste. In Amerika und zunehmend in Europa und Deutschland wird Wert darauf gelegt, in kraftvollen Bildern zu sprechen, pathetisch“, sagt Fuchs. In Washington landet die Heidelberger Gruppe auf dem 26. Platz. Pfeiffer kommt unter die dreißig besten Redner.

          Quelle: F.A.Z.

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