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IT-Studiengänge : Irgendwas mit Digitalisierung

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Auch wenn Digitalisierung nicht draufsteht, steckt Digitalisierung drin: Informatik-Studenten an der Technischen Universität Dresden Bild: ddp Images

Viele Studiengänge schmücken sich mit dem Schlagwort der IT-Revolution. Aber nicht immer steckt viel dahinter.

          Ein Redner steht hinter einem Logo der Vereinten Nationen, er stellt die Frage: „Wer von euch glaubt, dass Blockchain die Zukunft des Bankwesens ist?“ Die Zuhörer strahlen, alle Hände sind oben. Der Redner fragt weiter: „Wer von euch kann erklären, was Blockchain ist?“ Nun sind alle Blicke und Hände gesenkt, nur eine Fliege dreht einsam ihre Kreise. So stellt es ein kleiner Cartoon dar, den Professor Key Pousttchi gerne auf Twitter teilt oder in Interviews vorstellt. Und zwar in der Überzeugung, dass die Geschichte anders ausgegangen wäre, hätte der Redner seine Fragen nicht an einem UN-Pult, sondern an der Universität Potsdam gestellt. Dort lernen Studenten nämlich gerade in dem neuen Master-Studiengang Wirtschaftsinformatik und Digitale Transformation, kritische Fragen zu stellen – und vor allem auf den Punkt zu kommen, sagt Pousttchi. Denn: „Wenn man die Dinge nicht einfach erklären kann, dann hat man sie nicht verstanden.“

          Das gilt auch für die sogenannte dezentralisierte Datenhaltung, die in den vergangenen Jahren Furore gemacht hat: „Die Blockchain ist Lifestyle, und alle rennen ihr hinterher – ohne zu wissen, warum“, sagt Pousttchi. Dabei sei diese Technologie nicht nur ein ineffizienter Stromfresser. Sie bedeute auch das Ende der Banken, sollte sie sich eines Tages durchsetzen: „Wenn eine Bank ihr zentralisiertes System der Datenhaltung aufgibt, schafft sie sich selbst ab“, sagt Pousttchi. Genau diese Zusammenhänge sollen seine Studenten erkennen und benennen können. „Fakten auf den Tisch legen, Technologien bis zum letzten Bit und Byte erklären, die Puzzleteile zusammenfügen – und dann entscheiden. Wir bilden Unternehmenslenker für die digitalisierte Welt aus“, sagt der Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik und Digitalisierung an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam.

          Dafür müssen sich Studienanfänger allerdings im ersten Semester eine Menge Stoff aneignen. An den drei Pflichtfächern – Anwendungsentwicklung mit dem Schwerpunkt Industrie 4.0, Social Media Research sowie Mobile und Digital Business – kommt keiner der angehenden Master vorbei, bevor sie in den folgenden drei Semestern eigene Schwerpunkte setzen und an aktuellen Themen oder den Grundlagen der digitalen Transformation arbeiten können. „Am Ende ist 90 Prozent ehrliche Arbeit“, sagt der Hochschullehrer, der regelmäßig Vorträge mit dem Titel „Megatrends Mobile, Digitalisierung und Big Data“ hält. „Und dann findet so eine Idiotendiskussion wie um die Blockchain hoffentlich nicht mehr statt – jedenfalls nicht mit den Leuten, die wir ausgebildet haben.“

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