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Interview „Wir haben jetzt die strikteste Promotionsordnung“

27.01.2009 ·  Die Jura-Fakultät der Uni Hannover ist in die Schlagzeilen geraten, weil ein Professor Promotionskandidaten gegen Geld angenommen hat. Dekan Volker Epping erklärt, was Betrüger riskieren und wie er ihnen das Handwerk legt.

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Herr Epping, Ihre Fakultät ist in die Schlagzeilen geraten, weil ein Jura-Professor Promotionskandidaten gegen Geld angenommen hat. Wie verhindern Sie dieses Problem in Zukunft?

Wir dürften derzeit die strikteste Promotionsordnung Deutschlands in Bezug auf die Beteiligung privater Promotionsvermittler haben: Seit 2004 muss jeder Kandidat bei der Abgabe seiner Dissertation versichern, dass er ganz ohne die Hilfe kommerzieller Promotionsvermittler ausgekommen ist, wie auch immer die aussehen mag. Kann er diese Versicherung nicht abgeben, wird die Zulassung zur Promtion abgelehnt.

Folgen andere Fakultäten dem Vorbild?

Es mag die eine oder andere Fakultät geben, die unserem Beispiel mittlereweile gefolgt ist. Eine genaue Zahl kenne ich nicht. Der Deutsche Hochschulverband empfiehlt im Übrigen derartige Klauseln in Promotionsordnungen.

Ein paar Promotionsstudenten klagen jetzt gegen die neuen Vorschriften, weil sie ihre Arbeit noch mit Hilfe eines Vermittlers angefangen haben.

Derzeit sind in der Tat zwei Klagen anhängig. Die Kläger wollen erreichen, dass sie nach der Rechtslage der alten Promotionsordnung behandelt werden. Denn wegen der vorhin erwähnten Versicherung können sie nach der neuen Promotionsordnung nicht mehr bei uns promovieren.

Gilt das auch, wenn man die Arbeit ansonsten völlig eigenständig anfertigt?

Es kommt nicht nur auf die Anfertigung der Arbeit an, sondern auch darauf, dass man die Themensuche, die Literaturrecherche und die Suche nach einem Betreuer selbständig durchführt. Bei guten Leuten genügt dafür manchmal schon ein Anruf an einem Lehrstuhl oder eine E-Mail. Wenn man schon dies nicht aus eigener Kraft schafft, wie will der Doktorand dann eine Arbeit mit neuen juristischen Gedanken verfassen? Ich bin zuversichtlich, dass das Oberverwaltungsgericht Lüneburg uns recht geben wird.

Was riskiert man rechtlich, wenn man die Hilfe von Promotionsberatern nutzt?

Es ist natürlich bis zu einem gewissen Grad eine rechtliche Grauzone. Aber aus meiner Sicht gehen die Kandidaten ein erhebliches strafrechtliches Risiko ein. Bei den hohen Beträgen, die sie für die Vermittlung zahlen, können auch Laien nicht ausschließen, dass der Vermittler einen Teil des Geldes an den Betreuer weiterleitet. Dieser wiederum ist ein Amtsräger und darf für die Betreuung der Promotion, für die er ja vom Staat bezahlt wird, kein Geld annehmen. Damit sprechen wir über Bestechung und Vorteilsannahme. Je nachdem, wie viel die Kandidaten davon wussten, können auch sie ins Visier der Staatsanwälte geraten.

Viele Promotionskandidaten dürften die Absprachen ihrer Vermittler mit den Professoren nicht kennen.

Ich halte diese Leute für einfach naiv. Man kann doch nicht davon ausgehen, dass für die Annahme eines oftmals nicht geeigneten Promotionskandidaten kein Geld fließt. Die Masse der Auftraggeber hat sich gerade deshalb an einen privaten Promotionsvermittler gewandt, weil sie schlechte Examensnoten hatten. Wer gut ist, der kommt auch alleine unter.

Wie viele Leute haben dank der Schmiergeld-Aktion schon einen Doktortitel der Uni Hannover erworben?

Früher hatte die Fakultät keinen Überblick über die Zahl der von den Professoren betreuten Doktoranden. Inzwischen müssen die Professoren alle Doktoranden, die sie angenommen haben, der Fakultät melden. Wir wissen von neun Personen, deren Titel auf Vermittlung des kommerziellen Anbieters zustande kam. Die Verfahren zur Aberkennung ihrer Titel wurden schon eingeleitet und die Fakultät hat die Betroffenen schon angehört.

Wissen Sie noch von anderen Universitäten oder Fakultäten in Deutschland, deren Mitglieder von dem privaten Vermittler geschmiert wurden?

Unser ehemaliger Kollege, der übrigens zu drei Jahren Freiheitsstrafe ohne Bewährung verurteilt wurde, seinen Status und seine Altersversorgung verloren hat, war sicher kein Einzelfall. Die Staatsanwaltschaft schätzt, dass noch etwa 100 andere Professoren aus allen Teilen der Bundesrepublik – nicht nur Juristen – in vergleichbarem Umfang involviert waren. Das fiel bei der Durchsuchung der Geschäftsräume des Promotionsvermittlers in Bergisch-Gladbach auf. Wir können damit rechnen, dass in nächster Zeit noch einige Bomben hochgehen.

Muss man den Erfolg der kommerziellen Promotionsberater nicht auch damit erklären, dass die Doktoranden nicht gut genug betreut werden?

Das Gegenteil ist der Fall! Die Doktoranden werden immer besser betreut. Die Universitäten werben um gute Kandidaten mit strukturierten Doktoranden-Programmen und Graduiertenkollegs.

Nach einem Schmiergeld-Skandal um Promotionen änderte die Jura-Fakultät Hannover ihre Promotionsordnung. Prompt gab es Klagen – ohne Erfolgschancen, sagt Volker Epping.

Das Gespräch führte Melanie Amann

Quelle: F.A.Z.
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