Was erwarten junge Akademiker heute von ihrem künftigen Beruf?
Für die Absolventen steht der Spaß im Beruf mit weitem Abstand an erster Stelle. Danach kommt die Bedeutung der Familie. Das Image des Berufes spielt die geringste Rolle, also die Frage, welches soziale Ansehen ich in meinem Umfeld habe; ob ich also eine angesehene Ärztin bin oder im Vertrieb arbeite, was mit einem niedrigen Image verbunden wird.
Wie wichtig sind klassische Karriereaspekte wie Geld und Macht?
Sie spielen zwar nach wie vor eine Rolle, aber keine herausgehobene mehr. Gerade die Bedeutung von Macht hat in den vergangenen sechs Jahren erheblich abgenommen.
Worauf führen Sie das zurück?
Wir erleben eine Abkehr vom klassischen Karrierebild nach dem Motto: Jetzt habe ich ein Studium, nun will ich auch Führungskraft werden. Der Mehrheit geht es darum, dass Macht im Unternehmen auch mit Inhalten gefüllt wird. Unter den Frauen ist im selben Zeitraum eine starke Zunahme der Bedeutung von ethischen Werten zu beobachten. Frauen möchten schon etwas zu sagen haben und gestalten können, aber nicht als Selbstzweck, sondern um einen Sinn dahinter zu erkennen.
Gibt es gravierende Unterschiede zwischen den Geschlechtern?
Leider ja. Männer streben weitaus stärker als Frauen nach Macht und Geld. Umgekehrt sind Frauen eben Spaß und Werte im Beruf wichtig.
Warum bedauern Sie das?
Weil Hochschulabsolventen in Einstellungsgesprächen, vor allem aber in den ersten Wochen im Beruf, von Vorgesetzten schnell in „Kästchen“ gesteckt werden, aus denen sie später oft nur schwer wieder herauskommen. Wenn dem Personalverantwortlichen jemand gegenübersitzt, dem aus jeder Pore dringt: „Ich will Macht, ich will Geld, ich will nach oben“, dann wird diese Person rasch als „potentielle Führungskraft“ einsortiert und entsprechend gefördert. Dagegen kommen Leute, die Spaß und Werte betonen, schnell auf die Schiene „brave Sachbearbeiter“.
Ist das in der Diskussion um Frauenquoten für Führungspositionen nicht Wasser auf die Mühlen derer, die sagen, dass Frauen gar nicht nach oben wollen?
Zumindest können wir nach unseren Ergebnissen sagen, dass für die meisten Absolventinnen Geld und Macht nicht die stärksten Karriereanreize sind. Es kann aber sein, dass Frauen nach den ersten Berufsjahren ihre Einstellung ändern, wenn sie sehen, dass in ihren Augen weniger begabte Kollegen an ihnen vorbeiziehen, während sie brav ihre Sachgebiete bearbeiten.
Sollten Unternehmen darauf reagieren?
Weil es schon demographisch bedingt immer schwieriger wird, gute Leute zu finden, müssen die Arbeitgeber aus meiner Sicht etwas tun. Zum einen kann das Personalmarketing deutlicher herausstellen, dass es sich um eine interessante, wichtige, mit persönlichen Werten vereinbare Tätigkeit handelt. Zum anderen sollte nach etwa zwei Berufsjahren geprüft werden, ob die Einordnung in potentielle Führungskraft und Sachbearbeiter noch zutrifft, weil sich Einstellungen gerade in den ersten Berufsjahren doch stark verändern können.
Die Ansprüche sind das eine, die Potentiale der Absolventen das andere. Wer hat das Zeug zur Führungskraft?
Die Welt ist offen und durch die Demographie sind die Aufstiegschancen für leistungsstarke Personen sehr gut. Leider gibt es auch hier Unterschiede. Frauen wollen vor allem Misserfolge vermeiden, also nichts falsch machen, sie wollen sozial anerkannt werden, sie sind sehr zuverlässig und verfügen über ein besseres Selbstmanagement. Männer sind deutlich durchsetzungsstärker, auch in Sachen Gelassenheit und Stressresistenz liegen sie vorne und, für mich überraschend, auch die Teamorientierung ist größer. Damit haben es Frauen in der Regel schwerer zu vermitteln, dass sie für eine Führungsaufgabe die optimalen Voraussetzungen mitbringen.
Von Anspruch und Wirklichkeit
Andreas Koerner (follow22)
- 27.02.2011, 11:39 Uhr
das alte (falsche) Schema, die Männer sind die bösen, die Frauen sind die guten.
Wolfgang P. Bayerl Dr. (Dr.Bayerl)
- 27.02.2011, 12:18 Uhr
Psychologen und/oder Psychopathen?
Helga Hummel (colalola)
- 27.02.2011, 12:26 Uhr
2022, 10 Jahre nach Einführung der Quote...
Christian Heiligmann (c.heiligmann)
- 27.02.2011, 15:44 Uhr
Kalter Kaffee
lothar kempf (wilkem)
- 27.02.2011, 16:04 Uhr
