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Interview : Schwänzen ist respektlos

  • Aktualisiert am

Tassilo Schmitt ist Vorsitzender des Philosophischen Fakultätentages. Bild: Mac Fotoservice

Der Vorsitzende des Philosophischen Fakultätentages, Tassilo Schmitt, fordert die Anwesenheitspflicht an der Hochschule. Allerdings: Nur dasitzen reicht ihm nicht aus. „Man muss sich aktiv einbringen“, sagt er.

          Herr Schmitt, gibt es noch eine Anwesenheitspflicht an den Unis?

          Das ist in den Prüfungsordnungen sehr unterschiedlich geregelt. So würde niemand einem Mediziner die Approbation gegeben, wenn er nicht regelmäßig käme. In Fächern, wo die Laborplätze knapp sind, ist das nicht anders machbar. Aber Zeit ist ein knappes Gut! Generell herrscht Einigkeit darüber, dass man eine Anwesenheitspflicht nur für Übungen und Seminare einfordern kann, nicht für Vorlesungen.

          Warum ist die Pflicht in den Geisteswissenschaften notwendig?

          Studentenvertreter meinen, sie sei mit der Studierfreiheit nicht vereinbar. Dagegen steht formal sogar höher gewichtig die Lehrfreiheit des Dozenten. In den Geisteswissenschaften besteht der Kern eines Seminars ja aus dem Gespräch, hier sollen Methoden erprobt und eingeübt werden. Auch sollten alle Teilnehmer auf dem gleichen Stand sein. Wenn ständig jemand fehlt, kann man keine gemeinsame Grundlage voraussetzen. Diese zu erarbeiten und zu erweitern, liegt in der Verantwortung aller Beteiligten. Völlig inakzeptabel ist es, wenn Studenten ohne guten Grund Veranstaltungen versäumen und hinterher in der Sprechstunde um Einzelberatung bitten, um trotzdem für die Prüfung vorbereitet zu sein. Als Dozent nehme ich mir lieber Zeit für die, die sich aktiv engagieren.

          Schwänzen denn wirklich so viele Studenten die Veranstaltungen?

          Man hat den Eindruck, dass manche vor allem gegen Ende des Semesters einen großen Druck empfinden, um sich auf bestimmte Prüfungen vorzubereiten. Das geht dann zu Lasten anderer Veranstaltungen, und das geht so weit, dass sie nicht erscheinen, obwohl sie selbst im Seminar Beiträge abzuliefern hätten. Das ist mangelnder Respekt sowohl den Lehrenden als auch den Kommilitonen gegenüber.

          Was halten Sie von der Regelung, Anwesenheit-Credits auf die Klausurnote anzurechnen?

          Gar nichts. Nur Dasitzen bringt nichts, man muss sich aktiv einbringen. Das ist die klassische Unterscheidung zwischen notwendiger und hinreichender Bedingung: Es ist notwendig, dass man anwesend ist, aber nicht hinreichend. Man muss schon mitmachen.

          Aber wie soll man in einem Seminar mit 100 Leuten mitmachen?

          Da sind natürlich die Lehrenden und die Verantwortlichen in der Verwaltung gefragt. Man muss vernünftige Obergrenzen definieren und dann auch Klein-, Untergruppen und Tutorien bilden. Ein gutes Seminarziel kann mit zu vielen Teilnehmern natürlich nicht erreicht werden. Es kann natürlich nicht sein, dass sich Seminare von Vorlesungen nur dadurch unterscheiden, dass jetzt die Studenten es sind, die etwas vorlesen.

          Das Gespräch führte Birgitta vom Lehn.

          Quelle: F.A.Z.

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