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Interview : „Meine Mentorin kitzelt einiges aus mir heraus“

  • Aktualisiert am

Die 24 Jahre alte Nicole Nowak hat im Herbst ihr Masterstudium in Wirtschaftsmathematik begonnen. Bild: Privat

Studentinnen und Doktorandinnen der Uni Mannheim treffen sich regelmäßig mit weiblichen Führungskräften. Nicole Nowak, Studentin der Wirtschaftsmathematik, hat in ihrer Mentorin ein Vorbild gefunden.

          Frau Nowak, was haben Sie gedacht, als Sie von „Pole Position“, dem Mentoring-Programm eigens für Frauen an der Uni Mannheim, erfahren haben?

          Ich fand es sofort interessant. Ich habe größtenteils männliche Kommilitonen und fast nur männliche Professoren, Doktoranden und Übungsleiter in meinem Umfeld als Studentin der Wirtschaftsmathematik. Ich wollte mehr Frauen in einem professionellen Rahmen kennenlernen.

          Erwarten Sie, von einer Frau als Mentorin etwas anderes zu erfahren als von einem Mann?

          Ein Mann kann wahrscheinlich für die speziellen Herausforderungen für Frauen kurz vor Berufsstart weniger Verständnis aufbringen. Zudem ist er im Allgemeinen weniger mit der Frage konfrontiert, wie er Beruf und Privatleben vereinbaren kann. Das ist immer noch ein typisch weibliches Thema.

          Woraus besteht das Programm?

          Aus vier Projektbausteinen. Die Mentoring-Beziehung bildet den Rahmen. Dann gibt es Workshops zu Schlüsselqualifikationen wie dem Zeit- und Selbstmanagement. Zudem finden Kamingespräche statt, in denen man die anderen Mentees und Mentorinnen kennenlernt. Und man hat zwei Einzelgespräche mit einem professionellen Coach. Das ganze Programm dauert ein Jahr.

          Welcher Baustein interessiert Sie vor allem?

          Zuerst haben mich vor allem die Workshops interessiert. Als ich dann aber meine Mentorin kennengelernt habe, habe ich gemerkt, dass die Beziehung zu ihr das ist, was das Programm eigentlich für mich ausmacht.

          Wer ist Ihre Mentorin?

          Sie ist Direktorin einer Deutsche-Bank-Filiale in Neustadt an der Weinstraße. Sie arbeitet auch in einem männlich dominierten Umfeld. Sie ist so, wie man sich eine Powerfrau vorstellt: ehrgeizig, hochmotiviert, zielstrebig - aber auch motivierend. Sie ist zudem wie ich ein Nicht-Akademiker-Kind. Sie passt richtig gut zu mir.

          Wie oft sehen Sie sich?

          Wir treffen uns alle sechs Wochen für zwei bis drei Stunden.

          Sie setzen sich dann gegenüber und reden - oder wie läuft das ab?

          Ja, genau. Und es liegt an mir, das Treffen vorzubereiten. Die Themen sollten nicht nach zehn Minuten abgehandelt sein. Bisher hat sich vieles von selbst ergeben, ohne dass ich einen Fragebogen runtergerattert habe. Insgesamt geht es darum, welche Gedanken ich mir gerade mache.

          Worüber reden Sie denn?

          Die letzten Male haben wir vor allem darüber geredet, wie ich mir meine berufliche Zukunft vorstelle. Sie hat da einiges aus mir rausgekitzelt, was mir selbst gar nicht so bewusst war.

          Haben Sie schon Wichtiges erkannt?

          Was ich schon herausgefunden habe, ist, dass ich nichts machen werde, was man sich unter einem typischen Mathematikerberuf vorstellt: den ganzen Tag modellieren und programmieren. Ich möchte meine Kommunikations- und Durchsetzungsfähigkeit einsetzen. Ich sehe mich zum Beispiel eher im Projektmanagement.

          Es ist aber nicht so, dass Ihnen jetzt eine Powerfrau sagt, wo es langgeht?

          So ist das nicht. Man nimmt viel von ihren Erfahrungen mit. Aber sie sagt nicht: „Mach das am besten so.“ Das kommt von mir. Es ist keine Mutter-Tochter-Beziehung. Es ist auf der gleichen Ebene, eher freundschaftlich.

          Ist Ihre Mentorin ein Vorbild für Sie?

          Ich hatte bisher noch kaum Vorbilder in meinem Leben. Aber meine Mentorin ist schon so eine Art Vorbild für mich: von ihrem Auftreten, von ihrer Art, vom dem, was sie als Nicht-Akademiker-Kind erreicht hat.

          Brauchen junge Frauen weibliche Führungskräfte als Vorbilder?

          Es ist schon wichtig, dass man wirklich mal gesehen und nicht nur gehört hat, dass es geht.

          Kommen Frauen schwerer in Führungspositionen?

          Man will sie doch haben. Wenn man es selbst möchte, dann dürfte es doch eigentlich nicht so schwierig sein.

          Und das Programm hilft Ihnen, sich darüber klarzuwerden, was Sie möchten?

          Es ist der perfekte Rahmen, um darüber nachzudenken, was man unabhängig von gesellschaftlichen Erwartungen will. Ohne das Programm würde man sich nicht so intensiv die Zeit nehmen.

          Das Gespräch führte Lisa Becker.

          Quelle: F.A.Z.

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