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Interview „Ich denke jetzt bei Erdbeeren immer an Romantik“

In Hildesheim haben Psychologiestudenten und Koch-Azubis ein „Kochbuch der Gefühle“ erarbeitet - mit Rezepten zu Angst, Wut und Trauer. Wir haben eine Studentin und einen Azubi aus dem Projekt befragt, wie es ist, wenn Theoretiker und Praktiker zusammenarbeiten.

© Archiv Vergrößern Koch-Azubi Jan Baegetius fand die Studenten wider Erwaren alle „ganz cool“.

Wie sind Sie zu dem Projekt gekommen?

Jan Baegetius: Das war einfach Teil unseres normalen praktischen Kochunterrichts.

Laura Flatau: Ich wurde von der Projektleiterin gefragt. Es hat mich sofort gereizt, mit Azubis zu tun zu haben und ein Alltagsthema und ein psychologisches Thema zu verbinden. In Anlehnung an das Projekt habe ich sogar meine Bachelorarbeit geschrieben.

22386321 © Archiv Vergrößern Studentin Laura Flatau hat in Anlehnung an das Projekt ihre Bachelorarbeit geschrieben.

Welche Erwartungen hatten Sie an die Studenten, Herr Baegetius?

Ich dachte, Psychologiestudenten quatschen womöglich sehr viel. Manche von uns haben auch befürchtet, dass wir Versuchspersonen spielen sollen und uns auf die Liege legen oder so. Aber das war überhaupt nicht der Fall. Die Studenten waren alle ganz cool.

Frau Flatau, hatten Sie erwartet, dass das Projekt reibungslos verläuft?

Ich hatte schon ein bisschen Angst, dass sich die beiden Gruppen spalten würden. Das kann ja passieren, wenn Leute mit sehr unterschiedlichen Hintergründen aufeinandertreffen.

Wie ist die Zusammenarbeit genau abgelaufen?

Laura Flatau: In den ersten Sitzungen haben wir Studenten psychologische Themen ausgesucht und den Azubis nähergebracht - mit Vorträgen und Spielen. Später haben die Azubis Lebensmittel zu den Emotionen ausgesucht und Ideen für Gerichte entwickelt. Die haben wir dann alle gemeinsam gekocht. Zum Schluss haben wir daraus Kochbuchseiten gestaltet.

Konnten die Studenten kochen?

Jan Baegetius: Naja, wir mussten schon manchmal aufpassen, dass die Studenten sich nicht die Finger abschneiden. Im Großen und Ganzen waren wir aber positiv überrascht.

Haben Sie sich denn immer gut verstanden? Sicherlich hat doch jeder seinen ganz eigenen Fachjargon?

Laura Flatau: Wir haben schon darauf geachtet, dass wir alles so formulieren, dass es auch Nichtpsychologen verstehen können.

Jan Baegetius: Es waren eher die Studenten, die Schwierigkeiten mit unseren französischen Fachbegriffen hatten. Zum Beispiel wussten sie nicht, dass ein Chinois ein spitzes Sieb ist.

Was haben Sie von den Studenten gelernt, Herr Baegetius?

Ich nehme die Zutaten anders wahr, die ich verwende. Ich denke mehr darüber nach, zu welchem Anlass ich was einsetze. Zum Beispiel denke ich jetzt bei Erdbeeren immer an Romantik.

Mit welchem Gefühl haben Sie sich besonders ausführlich beschäftigt?

Jan Baegetius: Mit dem Ekel. Das war eine echte Herausforderung. Denn normalerweise will man beim Kochen den Ekel ja immer vermeiden.

Laura Flatau: Mit dem Gefühlschaos. In einer Studentenkneipe in Hildesheim gibt es einen Tisch, in den ganz viele kleine Wörter und Sprüche eingekratzt sind. Die haben alle damit zu tun, wie sich die Leute in dieser Kneipe in einem bestimmten Moment gefühlt haben. Das hat uns inspiriert, zum Thema Gefühlschaos ein passendes Menü zu entwerfen.

Sind am Ende zwischen Studenten und Azubis Freundschaften entstanden?

Jan Baegetius: Es ist sogar ein Liebespaar entstanden ...

Laura Flatau: Für mich sind nicht unbedingt Freundschaften entstanden. Aber wir haben sehr viel zusammen gelacht und gescherzt.

Im Kochbuch tauchen die Studenten als Rezept-Autoren auf, die Koch-Azubis nur als „Unterstützer“. Ist das gerecht?

Laura Flatau: Die Zeit reichte nicht mehr, um mit allen zusammen die Seiten für das Kochbuch zu gestalten. Das haben wir Studenten dann gemacht. Das ist vielleicht der einzige Punkt, an dem eine solche Zusammenarbeit dann doch nicht so gut harmoniert: Wir haben völlig unterschiedliche Stunden- und Zeitpläne.

Jan Baegetius: Ich hätte es schon schöner gefunden, wenn wir alle gleichberechtigt im Inhaltsverzeichnis erschienen wären.

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Die Fragen stellte Nadine Bös.

Quelle: F.A.Z.

 
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