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Interview „Den iPad-MBA gibt es schon“

Früher funktionierte ein Fernstudium über Studienbriefe. Aber ist das in Zeiten von Laptop, Tablet und Smartphone überholt? Wie interaktiv ist ein Fernstudium heutzutage? Wir haben den Fernstudienexperten und Buchautor Markus Jung dazu befragt.

© fernstudium-infos.de Vergrößern Markus Jung betreibt das anbieterunabhängige Fernstudien-Portal „fernstudium-infos.de“ und ist Autor des Ratgebers „100 Fragen und Antworten zum Fernstudium“.

Herr Jung, sind gedruckte Studienbriefe out?

So würde ich es nicht formulieren. Ich würde schätzen, dass mehr als 90 Prozent der Fernstudenten noch immer Printmaterial nutzen. Sie schätzen die gedruckten Seiten, weil sie dort Dinge markieren können oder sich Randnotizen machen. Höchstens ein Zehntel der Leute studiert komplett online. Was sich aber verändert hat: Viele nutzen elektronische Medien parallel zu den gedruckten Studienbriefen. Das ist ein ganz klarer Trend.

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Welche Medien sind das genau?

Am wichtigsten bleibt der Studienbrief. In der elektronischen Variante kommt der dann als E-Book oder als einfache PDF-Datei auf den Rechner. Häufig gibt es außerdem Online- Studienzentren, die den Fernstudenten etwa Foren bieten, um sich auszutauschen. Oft findet dort auch die Prüfungsverwaltung statt und andere organisatorische Dinge.

Das habe ich mir jetzt irgendwie interaktiver vorgestellt...

Das Interaktive gibt es auch, aber wirklich multimediale Formate sind noch selten und gerade erst im Kommen.

Wenn es sie gibt, wie sehen sie aus?

Zum Beispiel erklären Mathematikdozenten per Video komplizierte Sachverhalte. Die versteht man oft besser, wenn ein Mensch sie wirklich erläutert, als wenn da gedruckte Terme im Studienbrief stehen. Oder es gibt Selbsttests, z.B. im Multiple-Choice-Format, mit denen man sofort sein Wissen überprüfen kann. Früher musste man im Fernstudium dafür so genannte Einsendeaufgaben an die Dozenten schicken. Dann kam manchmal erst nach drei Tagen eine Rückmeldung.

Kann man heute auch schon per Smartphone studieren?

Das meiste in dem Bereich sind noch Spielereien. Es gibt vereinzelt Apps für iPhone und Ko. Mal ein kleiner Test, den man unterwegs auf dem Handy lösen kann oder Ähnliches. Und es gibt sogar schon einen iPad-MBA - ein Studiengang, der komplett auf das iPad ausgerichtet ist und sogar das zugehörige Gerät beinhaltet. Bislang ist das aber noch ein absoluter Ausnahmefall!

Sind reine Online-Fernstudiengänge billiger als die Printvariante?

Möchte man meinen, weil sich die Anbieter die Druckkosten sparen. Es ist aber nicht der Fall. Die Anbieter sagen, dass sie statt dessen hohe Entwicklungskosten für die elektronischen Formate haben. Für die Studenten kommt es jedenfalls meist auf das Gleiche raus.

Aber sind nicht gerade Massive Open Online Courses (MOOCs) voll im Trend, die für die Studenten komplett kostenlos zu haben sind?

Ja schon, aber dort gibt es anders als im klassischen Fernstudium kaum Betreuung durch Dozenten. Die Kurse leben davon, dass die Online-Community große Teile des Professoren-Jobs übernimmt. Deshalb sind sie auf sehr große Studentenzahlen angewiesen. So können möglichst immer irgendwelche Kommilitonen zeitnah auf Fragen antworten.

Was kann Print bis heute besser als Online?

Die Prüfungen! Akademische Abschlüsse sind in der Regel nur zu haben, wenn Sie Präsenzklausuren schreiben. Allein schon, damit der Prüfling sich ausweist und sichergestellt ist, dass er es ist, der die Klausur schreibt und nicht jemand ganz anderes. Was es aber schon online gibt sind Vorprüfungen, bei denen es nur um die Zulassung zu einer Klausur geht. Wenn Fernstudenten da schummeln und jemand anderen vor den Rechner setzen, schneiden sie sich letztlich ins eigene Fleisch: Hinterher bestehen sie die Prüfung dann meist doch nicht.

Markus Jung betreibt das anbieterunabhängige Fernstudien-Portal „fernstudium-infos.de“ und ist Autor des Ratgebers „100 Fragen und Antworten zum Fernstudium“.

Quelle: Das Gespräch führte Nadine Bös

 
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Veröffentlicht: 11.02.2013, 14:00 Uhr