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Integration : Eine Brücke für geflüchtete Wissenschaftler

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Fuß fassen in Deutschlands Unilandschaft: Für Geflüchtete ist das gar nicht so einfach. Bild: dpa

Mit einer Vortragsreihe finden geflüchtete Studenten und Wissenschaftler Gehör, die in Deutschland wieder Fuß fassen wollen. Denn gar nicht wenige Flüchtlinge haben einen akademischen Hintergrund, auf dem sie hierzulande aufbauen möchten.

          Viele geflüchtete Studierende und Lehrende möchten in Deutschland ihre akademische Karriere fortsetzen - und der Verein Academic Experience Worldwide gibt geflüchteten Wissenschaftlern mit der Vortragsreihe „Opening Academia“ eine Plattform, damit sie „auch einen Schritt Richtung Uni-Leben machen können“, wie Merle Becker sagt. Zusammen mit einer Kommilitonin hatte sie den gemeinnützigen Verein im Jahr 2013 während ihres Studiums der Friedens- und Konfliktforschung gegründet. Von Anfang an ging es darum, Flüchtlingen auf Augenhöhe zu begegnen - zumal durchaus sehr viele Hochqualifizierte nach Deutschland gekommen seien.

          So sieht das auch Marius Jakl, Projektleiter des akademischen Willkommensprogramms (AWP) der Goethe-Universität in Frankfurt. Vor einem Jahr begann das erste Semester des „Brückenprogramms“. Ziel ist es, Geflüchteten ein bis maximal drei Semester lang eine kostenlose Vorbereitung auf ein Studium in Deutschland zu bieten. Ihr Aufenthaltsstatus ist dabei egal, aber gute Grundkenntnisse der deutschen Sprache sowie eine Hochschulzugangsberechtigung werden vorausgesetzt.

          Manche Bewerber haben bereits ein Bachelor- oder Masterstudium in ihrem Heimatland begonnen oder abgeschlossen. Mittlerweile besuchen 104 Menschen zum Teil schon im dritten Semester vertiefende Deutschkurse und als Gasthörer Lehrveranstaltungen. Angeboten werden außerdem Mentorprogramme sowie eine Beratung zur Berufs- und Studienorientierung und zur Finanzierung. Voriges Semester gab es mehr als 200 Bewerbungen - doch die Kapazitäten reichen nur für knapp 50 Plätze je Semester aus.

          Die ersten Teilnehmer haben das Programm mit Erfolg abgeschlossen

          Einige der ersten Teilnehmer des Willkommensprogramms hätten dieses bereits beendet. Zwei von ihnen hätten einen Studienplatz gefunden, davon einer an der Goethe-Universität. Ein Teilnehmer habe eine Ausbildung begonnen, ein anderer ein vielversprechendes Vollzeitpraktikum, ein Ehemaliger promoviere mittlerweile. Entstanden war das Projekt auf Initiative der Vizepräsidentin Tanja Brühl, denn die Goethe-Universität sehe sich als Stiftungsuniversität im Dienste der Stadt und ihrer Bürger. Die Bürgeruniversität der Hochschule ist auch einer der Partner der Vortragsreihe „Opening Academia“. Das freut Merle Becker besonders, denn sie wolle sich „nicht nur im akademischen Elfenbeinturm“ bewegen, sondern auch die Stadt und ihre Bürger mit einbeziehen.

          Ein gutes Beispiel für die Arbeit und die Ziele des Vereins ist der erste Vortrag am 16. November in Frankfurt. Khaldoun Abaza wird unter dem Motto „Design by Nature“ über seine Arbeit im Bereich Robotik sprechen. Abaza forschte und lehrte im Fach Ingenieurswesen an den Universitäten Stuttgart, Ilmenau und Damaskus, dann musste er nach Deutschland fliehen. Ähnlich erging es auch Salim Jallouf, der mit seiner Familie aus Aleppo fliehen musste. Dank eines Stipendiums des „Scholar Rescue Funds“ arbeitet er momentan an der Technischen Universität Darmstadt. Wenn geflüchtete Experten wissenschaftlich wieder Fuß fassen können, so die Grundidee, dann profitiere auch der Wissenschaftsstandort Deutschland.

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