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Informatik : Eine Heimat für Hacker

  • -Aktualisiert am

„Computer an!“, heißt es in Hamburg. Bild: Hacker School

Die IT-Branche braucht dringend Nachwuchs. Doch im Informatik-Unterricht lernen Schüler oft nur, wie man Powerpoint-Folien bastelt. Eine private Extra-Schule soll helfen und echte Hacker ausbilden. Warum das sogar ganz legal ist.

          Andreas Ollmann ist kein besonders aufbrausender Mensch, aber es gibt ein Ereignis, das knapp zwei Jahre zurückliegt und ihn noch heute fassungslos macht. In Hamburg wurde damals über die Abschaffung von Informatik als Pflichtfach an den weiterführenden Schulen diskutiert. Es hieß, eine weitere Fremdsprache sei wichtiger als eine Programmiersprache.

          Ollmann, einer von drei Geschäftsführern der Hamburger Werbeagentur Ministry, bildet in seinem Unternehmen auch angehende Fachinformatiker aus. Die Motivation des IT-Nachwuchses für die Wahl ihres Berufes, erzählt er, sei seit Jahren die gleiche: Man sei viel in sozialen Netzwerken unterwegs, spiele oft am Computer - und Powerpoint, ja, das brauche man für die Schule. Ob sie denn schon mal programmiert hätten, will Ollmann dann von den Bewerbern wissen und blickt meist in ratlose Gesichter. „Wie kann man sich für einen Beruf entscheiden, mit dem man bislang noch nie in Berührung gekommen ist?“, fragt Ollmann und schüttelt ungläubig den Kopf.

          Hier können sich IT-Talente in Kursen mit ehrenamtlichen Lehrern austoben.
          Hier können sich IT-Talente in Kursen mit ehrenamtlichen Lehrern austoben. : Bild: Hacker School

          Die Schuld an der weitverbreiteten Ahnungslosigkeit sieht er nicht nur bei den Bewerbern, sondern vor allem in ihren Schulen. Informatik findet auf deutschen Lehrplänen nur selten Platz, „und wenn“, sagt Ollmann, „dann müsste das Fach eigentlich Medienkompetenz heißen“. Ein bisschen googeln, den Umgang mit Facebook, die Anfänge von Excel und Powerpoint - mehr lernen Schüler dort in der Regel nicht. „Damit bilden wir eine Generation von Anwendern aus“, sagt Ollmann. „Aber um entscheiden zu können, ob Informatik etwas sein könnte, womit ich mich beruflich beschäftigen will, muss ich doch mal gesehen haben, was hinter so einem Programm steckt.“

          „Wir Unternehmen sind auf den Nachwuchs angewiesen“

          Für Ollmann und seine Geschäftsführer-Kollegen David Cummins und Timm Peters war diese Erkenntnis Grund genug, die Hacker School zu gründen: „Wir Unternehmen sind auf den Nachwuchs angewiesen. Wenn die Schule es nicht schafft, die Kinder mit Informatik in Berührung zu bringen, müssen wir selber ran“, sagt Ollmann. Dass das erst mal illegal klingt, ist einem weitverbreiteten Irrtum geschuldet: Hacken bedeutet in der Computerszene nichts weiter, als mit Hilfe einer Programmiersprache eine schnelle Lösung für ein Problem zu finden. Die vermeintlich bösen Hacker, die sich in fremde Systeme einschleichen, Trojaner plazieren und mitunter großen Schaden anrichten, nennen Experten Cracker. In der Hacker School wollen Ollmann und seine Kollegen keine Informatiker heranzüchten, sondern Schüler inspirieren. Es sind deshalb auch keine klassischen Lehrer, die vor den durchschnittlich Zehn- bis Fünfzehnjährigen stehen, sondern Softwareentwickler, Computerspiele-Programmierer oder Robotik-Experten. Menschen, die in ihrem Beruf täglich mit dem Thema zu tun haben, das sie den Jugendlichen näherbringen. Einen Monat lang treffen sie sich einmal pro Woche mit ihren Schülern. Zeigen, welche Programmierbefehle ein Roboter braucht, um im Kreis zu fahren, bauen mit den Jugendlichen Whats-App-ähnliche Chatprogramme oder kleine Computerspiele, in denen Boote miteinander um die Wette fahren.

          Len, 15 Jahre alt, und Richard, 13, haben das an der Hacker School schon ausprobiert. „Ziemlich logisch“ findet Len das Programmieren. Mit der Programmiersprache Java hat er Zeichentrick-Kühe erzeugt, die in Flammen aufgehen, wenn man mit der Maus darüberfährt. Sich einfach so zu Hause hinsetzen und von Grund auf ein eigenes Spiel programmieren, das könnten beide jetzt zwar noch nicht. Aber für sie war nach dem Kurs zumindest klar, dass sie sich für später „irgendwas mit Programmieren“ vorstellen können. In der Schule hat Richard bisher nur einen kleinen Einblick in die Programmiersprache html bekommen. Len hat gelernt, wie man mit Google die Öffnungszeiten eines Geschäftes herausfindet.

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