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Nebenjobs im Studium : Tausende Studierende verdienen weniger als den Mindestlohn

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Nach wie vor ein klassischer Studentenjob: Kellnern. Bild: dpa

Viele Studierende finanzieren ihr Leben durch Nebentätigkeiten. Eine Studie hat nun in acht Branchen untersucht, ob sie dort unter Mindestlohn bezahlt werden. In einer ist das ziemlich oft der Fall.

          Ob Studierende, die einem Nebenjob nachgehen, den Mindestlohn von derzeit 8,84 Euro pro Stunde erhalten, hat nun eine bundesweite Erhebung für sieben ausgewählte Branchen ermittelt: Gastronomie und Events, Büro, Einzelhandel, Logistik und Produktion, Soziales, Kundenbetreuung und Support, IT und Software sowie Marketing und Marktforschung. Tätigkeiten, die nicht einer dieser Branchen zugeordnet werden konnten, wurden unter „Sonstiges“ zusammengefasst.

          Die Erhebung kam zu dem Ergebnis, dass im Sommersemester 2017 bundesweit mindestens 87.000 der gut zwei Millionen Studierenden, die erwerbstätig waren, unter Mindestlohn beschäftigt waren, was einer Quote von gut 4,4 Prozent entspricht. Während im Bereich Logistik und Produktion 1,8 Prozent der Beschäftigten weniger als die gesetzliche Vorgabe erhielten, waren es im Bereich Soziales 6,3 Prozent.

          Die Daten wurden im September 2017 für die Studienreihe „Fachkraft 2030“ von Studitemps, einem Personaldienstleister für Studierende und Berufseinsteiger, in Kooperation mit der Maastricht University erhoben. Für die Analyse wurden fast 18.000 Studierende, Exmatrikulierte und Schüler aus ganz Deutschland über Jobmensa, eine Jobbörse für Studentenjobs, repräsentativ zu ihrer allgemeinen und wirtschaftlichen Lebenssituation befragt.

          Weibliche Studierende häufiger unterbezahlt

          Mit Blick auf die Höhe des Mindestlohns in verschiedenen Branchen bietet ein Nebenjob im Bereich IT und Software mit durchschnittlich 11,60 Euro pro Stunde die besten Gehaltsaussichten, während der Durchschnittsverdienst in den Branchen Gastronomie & Events mit 9,86 Euro sowie dem Einzelhandel mit 9,84 Euro pro Stunde deutlich geringer ausfällt. Bemerkenswert ist mit Blick auf das Lohnniveau der verschiedenen Branchen jedoch auch das vergleichsweise hohe Lohnniveau von 10,95 Euro im Bereich Soziales.

          Mit Blick auf die Bundesländer und Stadtstaaten verdienten Studierende in Bayern im Sommersemester 2017 am besten: Dort erhielten sie in ihren Nebentätigkeiten durchschnittlich 10,83 Euro pro Stunde, in Hamburg verdienten arbeitende Hochschüler 10,80 Euro und in Hessen 10,73 Euro. Am wenigsten verdienten die Studierenden im Nebenjob mit 10,15 Euro in Thüringen, gefolgt von Sachsen mit 9,70 Euro und Sachsen-Anhalt mit 9,62 Euro pro Stunde.

          Mit Blick auf den Bundesdurchschnitt ergab sich somit ein studentischer Stundenlohn von 10,50 Euro pro Stunde. Bei der Analyse stellte sich zudem heraus, dass weibliche Studierende eher unter Mindestlohn bezahlt werden, als männliche. Während lediglich 3,7 Prozent Studenten unter 8,84 Euro pro Stunde verdienten, waren es bei den Studentinnen 4,8 Prozent. Somit erhielt fast jede 20. weniger als die Lohnuntergrenze.

          Studenten haben nicht immer Anspruch auf den Mindestlohn

          Zum 1. Januar 2015 wurde in Deutschland der flächendeckende gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro eingeführt. Die von der Bundesregierung beauftragte Mindestlohnkomission hat den Auftrag, die Lohnuntergrenze alle zwei Jahre neu festzulegen.

          Seit dem 1. Januar 2017 liegt der Mindestlohn bei 8,84 Euro, für den nächsten Turnus empfiehlt die Kommission eine stufenweise Erhöhung zum 1. Januar 2019 auf 9,19 Euro und zum 1. Januar 2020 auf 9,35 Euro,die zugehörige Verordnung der Bundesregierung steht allerdings noch aus.

          Anspruch auf den Mindestlohn haben Arbeitnehmer, aber auch Praktikanten, die berufliche Fähigkeiten erwerben, ohne bereits in einer Berufsausbildung zu sein. Ausgenommen von diesem Anspruch sind Langzeitarbeitslose, jugendliche Arbeitnehmer und Auszubildende.

          Und auch für Schüler oder Studierende, die ein Praktikum im Rahmen ihrer Schulausbildung oder ihres Studiums ableisten müssen oder ein bis zu dreimonatiges Orientierungspraktikum absolvieren, gilt der Mindestlohn nicht.

          Laut amtlicher Statistik haben beispielsweise 2016 dennoch mehr als eine Million Menschen mit Anspruch auf den gesetzlichen Mindestlohn weniger als diesen pro Arbeitsstunde erhalten, die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung geht sogar von mehr als zwei Millionen Arbeitnehmern aus.

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