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Im Kampf mit der Abbrecherquote Die Fabrik der Studenten

10.08.2010 ·  Ein Maschinenbaustudium ist in Deutschland ein Risiko: In kaum einem anderen Fach geben so viele Studenten auf halber Strecke auf. Die TU Darmstadt hat nun den Studiengang umgekrempelt - mit Erfolg.

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Cafer Dargin schaut abwechselnd auf den Zylinderdeckel aus Aluminium und das Modell auf dem Bildschirm, zieht die Stirn in Falten und beugt sich über die Zahlenkolonnen auf seinem Block. „Irgendwas stimmt noch nicht“, grantelt der Vierundzwanzigjährige. „Spindelgeschwindigkeit? Vorschub?“ Es ist Sommer in Darmstadt, aber auf dem Campus der TU ist von Ferien nicht viel zu spüren. Zusammen mit sechs Kommilitonen tüftelt sich Dargin, in Deutschland geboren, in der Türkei aufgewachsen und zum Masterstudium zurückgekommen, durch ein Tutorium. „So viel Disziplin habe ich in Istanbul nie erlebt“, sagt er. „Genau deshalb wollte ich in Deutschland studieren.“

Dabei ist ein Maschinenbaustudium in Deutschland ein Risiko: In kaum einem anderen Fach geben so viele Studenten auf halber Strecke auf. Auch in Darmstadt sind noch vor drei Jahren von zehn Erstsemestern nur sieben bis zum Examen gekommen. „Heute liegt unsere Erfolgsquote bei 90 Prozent“, schätzt Manfred Hampe, der als Studiendekan für die Umstellung des Diplomstudiengangs auf den Bachelor- und Masterabschluss verantwortlich war. In der deutschen Professorenschaft ist er einer der wenigen glühenden Anhänger der Studienreform. „Die Bologna-Hölle, von der viele reden, gibt es hier nicht. Wir sind im Bologna-Himmel“, schwärmt er – und verweist auf die gesunkene Abbrecherquote.

Fünf Bausteine

Auf fünf Bausteinen ruht nach Darmstädter Überzeugung das Erfolgsmodell. Als Fundament gilt das Auswahlverfahren: Alle Erstsemester müssen, sofern ihre Abiturnote nicht besser ist als 2,0, ein Eignungsgespräch bestehen, das zusammen mit Personalfachleuten aus der Wirtschaft entwickelt wurde. Stimmen Motivation und Vorstellung vom Studienfach nicht, gibt es keine Zulassung.

Andernfalls folgt noch im ersten Semester ein einwöchiger Projektkurs, in dem die Studenten in Teams an einer komplexen Fragestellung arbeiten. Im vergangenen Jahr galt es etwa gemeinsam mit Politologen und Biologen herauszufinden, ob Flugdrohnen zur Bekämpfung des Drogenanbaus in Afghanistan taugen. „Das ist unser Initiationsritus“, beschreibt Hampe die Wirkung. „Es bilden sich Lerngruppen – und eine Idee davon, wozu Ingenieure ihr theoretisches Wissen später gebrauchen können.“

Nach dem zweiten Semester steht dann ein ausführliches Vier-Augen-Gespräch mit einem Professor über den bisherigen und künftigen Verlauf des Studiums im Curriculum – verpflichtend. Und weil das zwar ein Fortschritt gegenüber früher ist, als Betreuung aber nicht genügt, hat der Fachbereich eine Psychologin und drei Pädagoginnen eingestellt, die sich kontinuierlich um die Sorgen und Nöte der Studenten kümmern.

Die fünfte Zutat zum Erfolgsrezept lernt Cafer Dargin gerade kennen. Der Deckel, an dem er feilt, soll später ein Stockwerk tiefer in einen funktionsfähigen Pneumatikzylinder eingebaut werden. Fräs- und Drehmaschine, Montagestation und Qualitätskontrolle – die vor drei Jahren eröffnete Prozesslernfabrik enthält einen wirklichkeitsgetreuen Fertigungsweg. „Maschinenbau kann man nicht mit Büchern und Folien lernen“, sagt Manfred Hampes Kollege Eberhard Abele. Unter seiner Leitung steht die Fabrik, zu deren Finanzierung ein Dutzend Partnerunternehmen beitragen. „Die Praxis ist entscheidend.“ Der Satz lässt sich auf den Umgang mit der Studienreform übertragen: Da gibt die Praxis den Darmstädter Maschinenbauern recht. lzt.

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