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Im Gespräch: Vladimir Istochnikov : „Wer nie die eigene Sprache spricht, fühlt sich verloren“

  • Aktualisiert am

Vladimir Istochnikov Bild: Irl, Maria

Vor drei Jahren ist der junge Usbeke, Gewinner des Ausländerpreises des Deutschen Akademischen Austauschdienstes, zum Studium nach Deutschland gekommen. Er hat hier einen Verein für russischsprachige Menschen gegründet.

          Herr Istochnikov, seit wann sind Sie in Deutschland?

          Ich bin vor drei Jahren hierher gekommen. Vor zwei Jahren habe ich an der Fachhochschule Frankfurt den englischsprachigen Master-Studiengang „Information Technology" begonnen und Mitte September abgeschlossen.

          Sie waren gut im Studium.

          Meine Abschlussnote ist eine 1,5. Ich hätte also noch besser sein können.

          Sie sind anspruchsvoll.

          Sonst erreicht man nichts.

          Warum können Sie so gut Deutsch?

          Ich bin doch in einem Land, in dem man Deutsch spricht.

          Konnten Sie schon Deutsch, bevor Sie hierher kamen?

          Nur ein paar Worte.

          Wie lange hat es gedauert, bis Sie sich im Deutschen sicher gefühlt haben?

          Das hat ein Jahr gedauert.

          Sie engagieren sich für russischsprachige Menschen in Deutschland. Dafür haben Sie gerade den Ausländerpreis des DAAD gewonnen. Was tun Sie?

          Ich habe vor zwei Jahren in Frankfurt einen Verein mitgegründet; er heißt Venikki und ist eine lokale Filiale des bundesweiten Verbandes JunOst. Dort treffen sich junge Leute, um gemeinsam etwas zu unternehmen, zum Beispiel um Filme zu schauen oder Musik zu machen. Wir sind offen für alle; es kommen aber vor allem russischsprachige Menschen, viele von ihnen studieren oder sind Hochschulabsolventen.

          Warum ist Venikki wichtig?

          Wir sprechen oft Russisch. Das gibt uns ein Heimatgefühl, und wir können vieles zusammen unternehmen.

           Ist es wichtig, wenn man als Ausländer in Deutschland lebt, immer wieder die eigene Sprache zu sprechen?

          Sehr wichtig. Wenn man in einem anderen Land ist und nie die eigene Sprache spricht, dann verliert man seine Identität und fühlt sich verloren. Wenn man aber in seiner eigenen Sprache sprechen kann, dann fühlt man sich sicherer und ist offen für Neues.

          Wie war das bei Ihnen?

          In einer fremden Umgebung fühlt man sich schon manchmal alleine. Das sind Gefühle, die nur in einem selbst entstehen. Sie haben viel damit zu tun, dass man seine Gedanken in einer fremden Sprache nicht gut ausdrücken kann. Dieses Fremdheitsgefühl kann man besser bewältigen, wenn man darüber mit Menschen spricht, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben.

          Das alles passiert, wenn Sie sich bei Venikki treffen?

          Genau. Gut ist auch, dass wir dort tun, was wir gerade tun wollen. Alles passiert in großer Freiheit, und man bekommt irgendwann das Gefühl, dass man negative Emotionen durch eigenen Antrieb abbauen kann.

          Fühlen Sie sich integriert?

          Ich fühle mich komplett integriert.

          Was haben Sie nun vor?

          Ich habe eine Arbeitserlaubnis bekommen und fange an zu arbeiten.

          Was mussten Sie nachweisen?

          Dass mich ein Arbeitgeber zu einem angemessenen Gehalt fest anstellen will. Und dass ich einen deutschen Abschluss habe. Ich freue mich sehr, dass ich nun in der Frankfurter Firma, in deren IT-Abteilung ich schon als Student gearbeitet habe, anfangen kann.

          Warum wollen Sie bleiben?

          Ich kann hier tolle Erfahrungen sammeln. Der Bereich, in dem ich arbeiten werde, ist in Deutschland sehr entwickelt. Außerdem hat der deutsche Staat viel für meine Ausbildung bezahlt. Was würde das für einen Sinn machen, wenn ausländische Absolventen direkt nach dem Studium wieder in ihre Heimat zurückkehrten?

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