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Hyperloop : Tüfteln für den Tesla-Chef

Niedersächsische Internationale: Das Hyperloop-Team der Hochschule Emden/Leer Bild: Jasper Flemming

In 30 Minuten von San Francisco nach Los Angeles reisen: Das will Silicon-Valley-Star Elon Musk mit seiner Transportröhre Hyperloop möglich machen. Dabei sollen ihm jetzt auch Studenten aus der norddeutschen Provinz helfen.

          Wenn Elon Musk einen Wettbewerb für Studenten ausruft, kann man sich schon vorstellen, wer alles Schlange steht in Kalifornien. Der Tesla-Gründer gilt wahlweise als größter Visionär oder größter Profilneurotiker unter den Silicon-Valley-Milliardären, seine Geschäftsideen aber sind so oder so technisch anspruchsvoll. Ob Elektroautos (Tesla), Raketenflüge ins Weltall (SpaceX) oder Vakuumröhren zum Transport von Waren und Menschen in Schallgeschwindigkeit (Hyperloop) – Musk bietet Ingenieuren und anderen Tüftlern immer neue Denksportaufgaben. Und so ist es kein Wunder, dass jede Menge international renommierte Universitäten aktiv wurden, als Musk um Vorschläge für sein Hyperloop-Projekt bat. Es ging um den sogenannten Pod, jenes Vehikel also, das in einer eigens verlegten Röhre rasen und den Personen- und Güterverkehr auf eine neue Ebene heben soll. Der Tesla-Gründer hatte sich, anders als bei anderen Geschäftsideen, gegen üppige Investitionen entschieden und stattdessen einen globalen Ideenwettbewerb ausgeschrieben, um bei seinem Röhrentransportsystem voranzukommen.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Mehr als 700 Universitätsteams aus der ganzen Welt nahmen an dem Wettstreit teil. Die Technische Universität (TU) München bekam prompt eine Zusage, aber das war – Fluch der guten Tat – kaum anders zu erwarten. Als Exzellenz-Uni steht die TU seit langem für herausragende Talentförderung. Erfolgsmeldungen aus München gibt es regelmäßig. Gerade erst teilte die TU mit, dass zwei weitere Ausgründungen in internationalen Wettbewerben geglänzt haben – es ging um die Idee für ein ultraleichtes Flugtaxi, für das prompt zehn Millionen Euro Beteiligungskapital aufgetrieben wurden, sowie um ein Konzept zur Verbesserung von Websites und zur Prüfung von Verträgen mittels künstlicher Intelligenz. Das ist die Liga, in der die TU spielt.

          Überraschender war da schon, dass es im Hyperloop-Wettbewerb auch eine norddeutsche Kombination in den Kreis der Besten geschafft hat: Ein Team der Universität Oldenburg und der Technischen Hochschule Emden/Leer ist im August zur Präsentation und zu Testfahrten nach Kalifornien geladen – als eines von nur 24 Teams aus aller Herren Länder in dieser sogenannten „Hyperloop Competition II“. Einen ersten Wettbewerb hatte es schon im vergangenen Jahr gegeben.

          „Das Niveau dieses Wettbewerbs ist für uns ein Novum“

          Der Triumph in der akademischen Nische begann im Sommer 2015, als die Bewerbung für den Wettbewerb 2016 ins Visier genommen wurde. Damals war ein Student des Master-Studiengangs „Engineering Physics“ an der Uni Oldenburg auf der Suche nach einem Forschungsprojekt. Alejandro Delgadillo, gebürtiger Costa Ricaner, blieb bei Musks Hyperloop-Idee hängen und ist heute Teamleiter der Norddeutschen. Delgadillo fand unter den Professoren zwei Mitstreiter, die aus der Studenteninitiative einen konkurrenzfähigen Bewerber machten: Walter Neu vom Institut für Laser und Optik der Hochschule Emden/Leer sowie Thomas Schüning, Spezialist für Lasermaterialbearbeitung, Werkstoffkunde und Fertigungstechnik. Anfangs bestand das Team aus rund zwanzig Studenten aus elf Nationen, allesamt aus Physik-, Ingenieur- und IT-Studiengängen. Inzwischen sind es doppelt so viele.

          „Das Niveau dieses Wettbewerbs ist für uns ein Novum“, sagt Jan-Phillip Kock. Er selbst ist dafür der beste Beweis, denn Kock ist nicht Naturwissenschaftler oder Maschinenbauer, sondern Betriebswirt. Er ist der PR-Mann der Initiative, sucht Partnerunternehmen, Sponsoren, sorgt für die Finanzierung und die Sichtbarkeit. Zuletzt gewann er das Bremer Raumfahrtunternehmen OHB als bislang größten Kooperationspartner. Für den Reiseetat will das niedersächsische Forschungsministerium aufkommen.

          Ihren großen Auftritt auf dem Gelände der Raumfahrtfirma SpaceX in Hawthorne, südlich von Los Angeles, hatten aber zunächst andere. Im Januar ging es dort in der ersten Runde auch um die maximale Geschwindigkeit der Hochschul-Pods. Platz eins ging in dieser Teildisziplin an die TU München, die zwar keine Rekorde brach, aber mit knapp 95 Kilometern je Stunde die Bestmarke setzte. Das ist zwar weit entfernt von Musks Vision eines Menschen- und Warentransports mit mehr als 1000 Stundenkilometern, aber in der Teströhre war bei diesem Treffen keiner schneller. Und immerhin ging es um ein rund vier Meter langes und 500 Kilogramm schweres Gefährt. Das Münchner Team nennt sich „Warr“, Abkürzung für Wissenschaftliche Arbeitsgemeinschaft für Raketentechnik und Raumfahrt.

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