25.11.2009 · Während die Debatte über die Hochschulreform vor dem Hintergrund der Studentenproteste weitergeht, sind an diesem Mittwoch neue Daten über die Studienanfängerzahlen bekannt geworden: Im Jahr 2009 kletterte die Zahl der Erstsemester auf Rekordwerte. Schuld sind aber auch doppelte Abiturjahrgänge.
Während die Debatte über die Hochschulreform vor dem Hintergrund der bundesweiten Studentenproteste weitergeht, ist an diesem Mittwoch bekannt geworden, dass sowohl die Zahl der Studienanfänger als auch die Gesamtzahl aller Studierenden im Jahr 2009 auf Rekordwerte geklettert sind. Rund 423.400 Frauen und Männer schrieben sich dieses Jahr für ein Studium ein, knapp sieben Prozent mehr als 2008. Damit erhöhte sich die Studienanfängerquote um drei Prozentpunkte auf gut 43 Prozent. Zugleich stieg die Zahl aller Studenten im laufenden Wintersemester auf rund 2,13 Millionen und lag damit fünf Prozent über dem Vorjahreswert, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Mittwoch auf der Basis erster vorläufiger Ergebnisse mitteilte.
Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) sprach von „einer sehr erfreulichen Entwicklung“. Die Zielmarke des Bildungsgipfels von Bund und Ländern 2008 - eine Studienanfängerquote von mindestens 40 Prozent - sei damit bereits deutlich überschritten.
Gleichzeitig protestieren jedoch zehntausende Studenten in Deutschland derzeit gegen die ihrer Ansicht nach schlechten Studienbedingungen, den missglückten Angleich an europäische Hochschulabschlüsse Bachelor und Master sowie gegen die Unterfinanzierung der Hochschulen - teilweise unterstützt von Hochschulvertretern, die die Meinung vertreten, die Qualität der Studiengänge reiche stellenweise nicht aus. Der Präsident der Berliner Humboldt-Universität, Christoph Markschies, sagte am Mittwoch im Deutschlandfunk zu den Folgen der zurückliegenden Studienreformen: „Von 250 Studiengängen sind zehn Prozent wirklich schlecht.“ Er äußerte teilweise Verständnis für die Aktionen der Studenten. „Wir haben Studiengänge, die noch nicht zufriedenstellend organisiert sind. Die Anteile der freien Arbeit sind zugunsten vieler Prüfungen verschwunden.“
Hohe Anfängerzahlen teilweise durch doppelte Abiturjahrgänge
Die hohen Anfängerzahlen sind nicht allein durch Reformen, sondern teilweise auch durch die doppelten Abiturienten-Jahrgänge bedingt - eine Folge der Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur (G8). So wirkten sich nach Angaben der Statistiker des Statistischen Bundesamtes die doppelten Jahrgänge dieses Jahres im Saarland aus sowie auch noch die der vorangegangenen Jahre in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Allerdings sei dies nicht der Hauptgrund für den Anstieg, sagte Pia Brugger vom Bundesamt.
Ein Universitätsstudium wählten 2009 fünf Prozent mehr Neu-Studenten als im Vorjahr. An den Fachhochschulen erhöhte sich ihr Anteil sogar um neun Prozent. Gemessen an der Gesamtzahl der Studenten sind die Universitäten aber immer noch beliebter: Mehr als zwei Drittel der 2,13 Millionen angehenden Akademiker sind an einer Uni eingeschrieben. Welche Fächer bei den Erstsemestern besonders gefragt sind, stand zunächst noch nicht genau fest. Einen deutlichen Zuwachs verzeichneten aber Bauingenieur-Studiengänge.
Regional gibt es große Unterschiede: Das größte Plus an Studienanfängern meldet das Saarland mit 15 Prozent, vor allem wegen des doppelten Abiturienten-Jahrgangs. Besonders beliebt waren bei Erstsemestern auch Bayern und Berlin (je neun Prozent plus). Deutlich niedriger fiel der Zuwachs in Bremen (plus drei Prozent) sowie Sachsen und Brandenburg (je plus zwei Prozent) aus.
Höhere Abbruchsquote
Michel Montaigne (Essayist)
- 26.11.2009, 19:44 Uhr