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Zusammenarbeit an Unis : Operation Roboter

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Das geht unter die Haut: Studenten der Leipziger Summer School lernen im Operationssaal der Zukunft den Umgang mit dem Endoskop. Bild: Swen Reichhold

Im Kampf gegen Krebs und andere Leiden arbeiten Mediziner, Informatiker und Ingenieure immer enger zusammen. Schon läuft ein weiterer Kampf: um clevere Studenten.

          Wenn Krebstumore chirurgisch entfernt werden, bemüht sich der Operateur, die Funktionsweisen der angrenzenden Organe nicht zu beschädigen. Es ist eine filigrane Gratwanderung, die durch entsprechende Bildgebung bestmöglich unterstützt wird“, sagt Professor Andreas Dietz, Kopf-Hals-Tumorchirurg an der Leipziger Universitätsklinik. Solche bildgebenden Verfahren werden in der interdisziplinären Zusammenarbeit von Medizinern, Informatikern und Ingenieuren entwickelt, die an einer überschaubaren Anzahl von Universitäten in Deutschland ausgebildet werden. Es geht gewissermaßen um die Medizin von morgen – auch wenn sie hier und da heute schon zum Einsatz kommt.

          Eine der Hochschulen, die diese Schnittstelle von Digitalisierung und Medizin anbieten, ist die Medizinische Fakultät der Universität Leipzig. An ihrem Innovationszentrum für computerassistierte Chirurgie (ICAAS) können sowohl Studenten technischer Fachrichtungen der Universität Leipzig und der Leipziger Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) als auch angehende Humanmediziner Lehrveranstaltungen besuchen. In Vorlesungen wie „Chirurgische Navigation, Mechatronik und Robotik“ werden Methoden und Technologien vermittelt, die angehenden Chirurgen zum Beispiel Orientierung im Körper des Menschen geben. Die Humanmediziner haben im 9. Semester die Möglichkeit, im Wahlfach „Computerassistierte Chirurgie“ die neuen Technologien kennenzulernen, anzuwenden und bewerten zu können. „Systeme, die dem Menschen den nächsten Prozessschritt vorschlagen, kennen wir schon seit Jahrzehnten aus anderen Industriebereichen“, sagt Professor Thomas Neumuth, stellvertretender Direktor am ICAAS. „In der Medizin haben wir aber eine umgekehrte Situation: Der Chirurg sagt, wie er den Schritt ausführen möchte, das System muss folgen können und die richtige technische Assistenz für den Arzt initiieren.“

          Neben der regulären Lehre im Semester ist die verzahnte Ausbildung von Medizinern und Ingenieuren auch Inhalt einer sogenannten „Summer School“ für Postgraduierte. „Mir war schnell klar, dass die Medizin mir sehr zusagt“, sagt Johann Berger, Informatik-Absolvent der Universität Leipzig. „Man kann so viele Dinge verbessern – immer mit dem Hintergrund, wie die Methoden der Informatik in der Medizin helfen können.“

          „Surgeoneering“ heißt die Zusammenarbeit von Ingenieuren und Medizinern

          An der Technischen Universität München (TUM) geht man einen ähnlichen Weg. Professor Hubertus Feußner, Allgemein- und Viszeralchirurg sowie Gründer der Forschungsgruppe für minimal-invasive interdisziplinäre therapeutische Intervention (MITI), sieht in der Annäherung zwischen Ingenieuren und Medizinern an seinem Institut die besten Voraussetzungen für „Surgeoneering“ – ein Kunstwort, das sich aus den englischen Wörtern surgeon (Chirurg) und engineering (Ingenieurwissenschaft) zusammensetzt. „Bei uns lernen die Studenten aus der Medizin und Technik, dieselbe Terminologie zu verwenden, um in ihrer unterschiedlichen Arbeitsweise Neues zu entwickeln“, sagt Feußner. Das im Jahr 1999 gegründete MITI hat dafür besonders gute Voraussetzungen: die Zusammenarbeit der Universitätsklinik rechts der Isar mit dem Lehrstuhl für Medizintechnik und dem für Informatikanwendungen in der Medizin & Augmented Reality in Garching, die zudem die Vermarktung der Ergebnisse mit Vorlesungen wie „Medical Imaging Entrepreneurship“ vorsehen.

          Das MITI bietet neben englischsprachigen Vorlesungen über medizinische Instrumente und computergestützte Chirurgie für Ingenieure, Informatiker und Medizinstudenten auch Bachelor-, Master- und Promotionsthemen an. Besonders gut besucht sind die OP-Hospitationen durch die Studenten der drei Fachrichtungen, die sich über neun Wochen erstrecken: Während die Teilnehmer den Eingriffen auf einem Monitor folgen, erläutern Chirurgen, warum und wie welche Schritte ausgeführt wurden. „Ich hatte in meinem Berufsleben mehrfach die Gelegenheit, mit einem neuen medizinischen Instrument zu arbeiten, das neue Türen öffnete“, sagt Feußner über die Errungenschaften der Medizintechnik, die Ergebnis interdisziplinärer Arbeit waren.

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